Rentenreform, Flexibles

Rentenreform: Flexibles Eintrittsalter ab 2032 und Zusatzrente geplant

22.06.2026 - 14:12:01 | boerse-global.de

Expertenkommission schlägt Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung und eine verpflichtende kapitalgedeckte Zusatzrente vor.

Rentenreform 2032: Höheres Eintrittsalter und Pflichtzusatzrente
Rentenreform - Eine Gruppe von Menschen unterschiedlichen Alters, die sich in einem modernen Raum angeregt unterhalten, symbolisiert Altersvorsorge und Rentenreform. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das 80-seitige Papier unter Vorsitz von Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise wurde heute an Bundeskanzler Friedrich Merz und Ministerin Bärbel Bas übergeben. Es enthält 33 Einzelempfehlungen zur Stabilisierung des Systems.

Rentenalter steigt mit der Lebenserwartung

Kern der Vorschläge ist eine flexible Koppelung des Renteneintritts an die Lebenserwartung. Ab 2032 soll ein neuartiger Mechanismus greifen: Gewinnt die Bevölkerung ein Jahr an Lebenszeit hinzu, entfallen acht Monate auf längere Erwerbsarbeit und vier Monate auf zusätzlichen Rentenbezug.

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Die Prognosen der Experten zeichnen ein klares Bild. Nach Erreichen der 67-Jahre-Schwelle 2031 steigt die Altersgrenze schrittweise weiter. Für 2041 rechnet die Kommission mit 67,5 Jahren, für 2051 mit 68 Jahren. Bis in die 2090er-Jahre könnte die Grenze auf 70 Jahre klettern.

Die umstrittene Rente mit 63 soll fallen. Stattdessen ist ein abschlagsfreier Frührenten-Bezug künftig nur noch nach Gesundheitsprüfung möglich – vorausgesetzt, 45 Versicherungsjahre liegen vor. Die Altersgrenze für die vorzeitige Rente mit Abschlägen steigt von 63 auf 64 Jahre.

Kapitalgedeckte Zusatzrente nach schwedischem Vorbild

Als zweite Säule plant die Kommission eine verpflichtende kapitalgedeckte Zusatzrente. Ab 2028 soll sie schrittweise eingeführt werden – finanziert durch einen Beitrag von zunächst 0,5 Prozent des Bruttolohns, später 2 Prozent. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Kosten je zur Hälfte.

Die Verwaltung übernimmt ein staatlich organisierter Fonds. Ziel: Das Rentenniveau stabil bei 48 Prozent halten und für Neurentner langfristig 50 Prozent Gesamtabsicherung erreichen. Der Nachhaltigkeitsfaktor soll ab 2032 wieder voll wirken. Die Beitragssätze steigen bis 2028 voraussichtlich auf knapp 20 Prozent.

Neue Beitragszahler: Abgeordnete und Selbstständige

Die Kommission will den Kreis der Versicherungspflichtigen erweitern. Künftig sollen Abgeordnete und Selbstständige ohne berufsständische Versorgung in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Für Beamte ist die Einbeziehung langfristig vorgesehen – zunächst durch Absenkung des Pensionsniveaus und Ausweitung des Bemessungszeitraums auf fünf bis zehn Jahre.

Minijobs sollen nur noch für Schüler erhalten bleiben. Damit will das Gremium die reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stärken.

Geteiltes Echo aus Politik und Verbänden

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Die Vorschläge spalten die Experten. DIW-Ökonom Marcel Fratzscher begrüßt die Anhebung des Renteneintrittsalters grundsätzlich, kritisiert jedoch das Tempo als zu langsam. Die Senioren-Union lobt den Entwurf als ausgewogen.

Gewerkschaften und Sozialverbände laufen Sturm. Verdi-Chef Frank Werneke spricht von einer Missachtung von Lebensleistung. Die Linke warnt vor massiven Rentenkürzungen. Grüne bemängeln, dass die Stabilisierung des Rentenniveaus ohne die Kapitalsäule nicht dauerhaft sei.

Eine gesetzliche Umsetzung der Empfehlungen ist noch in dieser Legislaturperiode geplant.

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