Rentenreform: DGB kündigt Aktionstag für 26. September an
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Debatte um die künftige Gestaltung des deutschen Rentensystems haben sich die CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ausgesprochen. Michael Kretschmer, Sven Schulze und Mario Voigt widersprechen damit Bestrebungen zur Streichung der sogenannten Rente mit 63 und mahnen einen umfassenden Vertrauensschutz für die Versicherten an.
Die Ministerpräsidenten reagieren damit auf Vorschläge einer Rentenkommission, welche die Abschaffung der abschlagsfreien Regelung als eine von insgesamt 33 Maßnahmen zur Stabilisierung der Alterssicherung empfiehlt. Derzeit liegt das Eintrittsalter für diese Rentenform bei 64,5 Jahren. Die Regierungschefs aus den östlichen Bundesländern fordern im Falle einer Umsetzung lange Übergangsfristen sowie spezifische Härtefallregelungen.
Wirtschaftliche Belastungen und Einsparpotenziale
Die Rentenkommission beziffert die aktuellen Kosten der Rente mit 63 auf jährlich 13 Milliarden Euro. Im Jahr 2024 nahmen 262.000 Menschen diese Form des Ruhestands in Anspruch, während 356.000 Versicherte regulär in Rente gingen. Laut Einschätzung der Kommission fehlen ohne eine Abschaffung ab dem Jahr 2040 jährlich 10 Milliarden Euro, die für die Finanzierung der geplanten Kapitalrente vorgesehen sind.
Diese Kalkulation wird durch Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gestützt, das ebenfalls von Einsparungen in Höhe von rund 10 Milliarden Euro durch den Wegfall der Regelung ausgeht. Um soziale Härten abzufedern, schlägt die Rentenkommission zusätzlich die Einführung einer sozialen Schutzrente vor.
Politische Unterstützung und soziale Gegenpositionen
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Bundeskanzler Merz und Arbeitsministerin Bas unterstützen die 33 Vorschläge der Rentenkommission. Die Bundesregierung sieht in dem Paket eine Möglichkeit, das Rentenniveau bis zum Jahr 2031 bei 48 Prozent zu sichern. Die wirtschaftsweise Veronika Grimm sprach sich ebenfalls für die Abschaffung der Rente mit 63 aus, während BDA-Chef Steffen Kampeter den Widerstand gegen die Reformpläne kritisierte.
Demgegenüber stehen erhebliche Bedenken der Arbeitnehmervertreter. Der DGB in der Region Rheinland-Pfalz/Saarland bezeichnete die Abschaffungspläne als ein fatales Signal an Millionen von Beschäftigten. Der Vorsitzende Ahr forderte den Erhalt der bestehenden Regelung und lehnte eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters ab. Für den 26. September 2026 kündigte der Gewerkschaftsbund einen Aktionstag an. Die SPD schlug unterdessen vor, die Rente mit 63 durch eine Schwerarbeitspension nach österreichischem Vorbild zu ersetzen.
Demografischer Druck und regionale Besonderheiten
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Die Debatte wird vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden demografischen Lage geführt. Nach Angaben der Rentenkommission werden bis zum Jahr 2040 etwa 13,3 Millionen Menschen das Rentenalter erreichen. Der Sachverständigenrat warnte in diesem Zusammenhang davor, dass der Beitragssatz zur Rentenversicherung bis 2040 in Richtung 50 Prozent steigen könnte, sofern keine strukturellen Reformen erfolgen.
Besonders in Ostdeutschland wird das Thema kritisch bewertet. Die Ministerpräsidenten verwiesen darauf, dass Rentner in den östlichen Bundesländern zwar oft sehr lange Versicherungsbiografien vorzuweisen hätten, jedoch über deutlich weniger privates Vermögen verfügten als im Bundesdurchschnitt. Die Beibehaltung einer Möglichkeit zum abschlagsfreien Ruhestand nach langer Erwerbstätigkeit wird daher als wesentlicher Bestandteil der sozialen Gerechtigkeit verteidigt.
