Renteneintritt: Lebenserwartung bestimmt künftig das Alter
21.06.2026 - 23:04:12 | boerse-global.de
Eine 13-köpfige Expertenkommission unter Vorsitz von Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise hat ein Paket mit 30 Empfehlungen zur Stabilisierung des deutschen Rentensystems erarbeitet. Die Vorschläge sollen das System angesichts der demografischen Entwicklung sichern – und jüngeren Generationen ein stabiles Rentenniveau garantieren.
Renteneintritt hängt künftig an der Lebenserwartung
Kernstück der Reform: Das Renteneintrittsalter wird an die statistische Lebenserwartung gekoppelt. Nach dem „Zwei-zu-eins-Modell“ sollen für jedes Jahr gewonnener Lebenserwartung acht Monate zusätzlich gearbeitet werden.
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Ab 2032 soll das Rentenalter schrittweise steigen. Die Kommission rechnet für 2041 mit einem Eintrittsalter von 67,5 Jahren, für 2051 mit 68 Jahren. Ein Renteneintritt mit 70? Der wird erst für die 2090er Jahre prognostiziert.
Flankiert wird die Maßnahme durch die geplante Abschaffung der „Rente mit 63“. Frühverrentungen bleiben zwar möglich – aber mit höheren Abschlägen. Für den Übergang ist ein Vertrauensschutz mit Fristen vorgesehen.
Kapitalgedeckte Zusatzrente nach schwedischem Vorbild
Die Kommission empfiehlt den Aufbau einer verpflichtenden kapitalgedeckten Zusatzrente. Das Modell orientiert sich an Schweden: Ein Teil des Bruttolohns fließt an den Aktienmarkt. Staatliche Institutionen wie der Kenfo oder die Bundesbank sollen die Mittel verwalten.
Der Beitrag steigt schrittweise von 0,5 auf 2 Prozent des Bruttolohns – paritätisch finanziert von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Ziel: Das Gesamtrentenniveau aus Umlage und Kapitalrendite bis 2040 auf 50 Prozent anheben. Bis 2031 sichert eine Haltelinie zunächst 48 Prozent.
Mehr Einzahler, höhere Beiträge
Die Einnahmebasis der gesetzlichen Rentenversicherung soll breiter werden. Künftig sollen auch Abgeordnete, Selbstständige und Vorstände von Aktiengesellschaften einzahlen. Bei Beamten bleibt der Bericht uneindeutig: Teils ist eine Einbeziehung vorgesehen, teils sollen Pensionen reduziert werden.
Minijobs werden reformiert: Beitragsfreie Minijobs soll es künftig nur noch für Schüler geben. Die Beitragssätze steigen – für 2028 prognostiziert die Kommission 19,9 Prozent, plus die neue Kapitalsäule. Der Nachhaltigkeitsfaktor soll ab 2031 oder 2032 wieder voll greifen.
Geteilte Reaktionen aus Politik und Verbänden
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Arbeitsministerin Bas feiert das Konzept als „Gesamtkunstwerk“, das die Interessen der Generationen ausbalanciere. Ganz anders sehen das Sozialverbände und Gewerkschaften: Verdi warnt vor einer faktischen Rentenkürzung durch das höhere Eintrittsalter.
DIW-Präsident Fratzscher findet die Vorschläge zu vorsichtig. Die Opposition hat eigene Kritik: Die Linken sehen soziale Härten, die AfD und die Grünen bemängeln unter anderem die fehlende ökologische Ausrichtung der Kapitalanlage.
Die offizielle Übergabe der Ergebnisse an Kanzler Merz und Ministerin Bas ist für den Beginn der vierten Juniwoche geplant.
