Rentenbezug: Frauen erhalten 23 Prozent weniger als Männer
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 08:51 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine Analyse von Eurostat und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liefert detaillierte Einblicke in die Dauer des Rentenbezugs in europäischen Ländern.
Den Daten für das Jahr 2024 zufolge lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter in der Europäischen Union bei 64,7 Jahren für Männer und 64 Jahren für Frauen. Die Zeitspanne, in der Leistungen aus der Rentenversicherung bezogen werden, unterscheidet sich dabei erheblich zwischen den Mitgliedstaaten und den Geschlechtern.
Erhebliche regionale Unterschiede in der Bezugsdauer
Innerhalb der Europäischen Union variiert die Dauer des Rentenbezugs bei Männern signifikant. Während Männer in Bulgarien und Ungarn ihre Rente über einen Zeitraum von durchschnittlich 14,7 Jahren beziehen, liegt dieser Wert in der Türkei bei 27,3 Jahren. In Luxemburg beläuft sich die Bezugsdauer auf 22 Jahre. Deutschland verzeichnete im Jahr 2024 eine Rentenbezugsdauer bei Männern, die um 1,1 Jahre unter dem EU-Durchschnitt von 18,4 Jahren lag.
Frauen beziehen europaweit deutlich länger Rente als Männer. Im EU-Schnitt liegt die Dauer bei 21,8 Jahren, was einer um 3,4 Jahre längeren Bezugszeit im Vergleich zu männlichen Rentnern entspricht. Die Spanne reicht hier von 18,6 Jahren in Ungarn bis zu 34,5 Jahren in der Türkei.
Diese Differenzen spiegeln auch die unterschiedliche Lebenserwartung wider. In Schweden beispielsweise lag die mittlere Lebenserwartung im Jahr 2024 für Frauen bei 85,55 Jahren und für Männer bei 82,52 Jahren. Eine schwedische Zwillingsstudie deutet zudem darauf hin, dass die Erblichkeit etwa 50 Prozent der Variation der Lebenslänge erklärt.
Rentenhöhe und die finanzielle Situation in Deutschland
Trotz der längeren Bezugsdauer sind Frauen häufiger von geringeren Rentenzahlungen betroffen. Die OECD weist auf eine Rentenschere hin, wonach Frauen im Schnitt 23 Prozent weniger Rente erhalten als Männer.
In Deutschland lag der durchschnittliche Zahlbetrag aller Altersrenten Ende 2024 bei 1.154 Euro. Dabei bestanden deutliche Unterschiede: Während Männer im Schnitt 1.405 Euro erhielten, lag der Betrag bei Frauen bei 955 Euro. Insgesamt fielen 37,2 Prozent der Altersrenten unter die Marke von 900 Euro.
Frauen beziehen im EU-Schnitt 3,4 Jahre länger Rente als Männer — aber 23 Prozent weniger Geld. In Deutschland lag der durchschnittliche Zahlbetrag aller Altersrenten Ende 2024 bei 1.154 Euro, bei Frauen bei 955 Euro; 37,2 Prozent aller Altersrenten blieben unter 900 Euro. Wer 45plus ist, kann die eigene Lücke noch beziffern statt schätzen. Kostenlosen Rentenlücken-Check anfordern
Die jüngsten Anpassungen zum 1. Juli 2026 führten zu einer Erhöhung der Renten um 4,24 Prozent. Der aktuelle Rentenwert stieg damit von 40,79 Euro auf 42,52 Euro. Eine Standardrente nach 45 Entgeltpunkten ohne Abschläge beläuft sich seitdem auf 1.913,40 Euro brutto im Monat, was einem Nettobetrag vor Steuern von etwa 1.677,10 Euro entspricht.
Dennoch deuten Daten des Bundessozialministeriums darauf hin, dass 36,8 Prozent der Vollzeitbeschäftigten auf eine Rente von unter 1.200 Euro netto zusteuern. In ostdeutschen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern liegt dieser Anteil sogar bei 58,2 Prozent.
Demografischer Wandel und Vorsorgemodelle
Die Belastung der Rentensysteme wird durch den demografischen Wandel verschärft. Bis zum Jahr 2039 werden schätzungsweise 13,4 Millionen Angehörige der Babyboomer-Generation (Jahrgänge 1957 bis 1968) in Rente gehen. Dies entspricht knapp einem Drittel der heutigen Erwerbspersonen.
Die europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) warnt davor, dass in vier Jahrzehnten nur noch 1,5 Erwerbstätige auf einen Rentner kommen könnten. Aktuell ist bereits jeder fünfte Europäer im Alter von Armut bedroht, wobei das Risiko für Frauen um 30 Prozent höher liegt.
Um die Rentenlücken zu schließen, werden verschiedene Modelle diskutiert. Das Statistische Bundesamt weist in Modellrechnungen darauf hin, dass eine monatliche Lücke von 500 Euro über einen Zeitraum von 20 Jahren einen Kapitalbedarf von 120.000 Euro verursacht.
36,8 Prozent der Vollzeitbeschäftigten steuern laut Bundessozialministerium auf eine Rente unter 1.200 Euro netto zu — in Mecklenburg-Vorpommern sind es 58,2 Prozent. Eine Modellrechnung des Statistischen Bundesamts zeigt: 500 Euro monatliche Lücke bedeuten über 20 Jahre 120.000 Euro Kapitalbedarf. Dieser Leitfaden hilft, den eigenen Bedarf zu beziffern und gegenzusteuern. Leitfaden gegen Altersarmut jetzt sichern
Die EIOPA-Vorsitzende Petra Hielkema sprach sich für eine automatische Aufnahme von Arbeitnehmern in betriebliche Pensionskassen aus. In Deutschland ist zudem ab 2028 ein Kapitalrentenbeitrag geplant, der zunächst bei 0,5 Prozent des sozialversicherten Entgelts liegen und bis 2031 auf 2,0 Prozent ansteigen soll.
Auf politischer Ebene verzögern sich derzeit zentrale Sozialreformen der schwarz-roten Koalition. Nach den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt wurden Gesetzentwürfe zu den Empfehlungen der Alterssicherungskommission, darunter die Debatte um die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, auf die Zeit nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin verschoben. Auch Reformen im Pflege- und Gesundheitsbereich werden voraussichtlich erst im kommenden Jahr weitergeführt.
