Rentenbeitrag, Folgen

Rentenbeitrag: Steigt 2028 auf knapp 20 Prozent – Folgen für Arbeitnehmer

03.06.2026 - 17:21:57 | boerse-global.de

Die Frugalismus-Bewegung verspricht finanzielle Freiheit, doch die gesetzliche Rente wird teurer. Besonders Frauen droht Altersarmut.

Commerzbank Navigates Tariff Headwinds and a Stalled Takeover Bid as Stock Outperforms - Bild: über boerse-global.de
Commerzbank Navigates Tariff Headwinds and a Stalled Takeover Bid as Stock Outperforms - Bild: über boerse-global.de

Die sogenannte Frugalismus-Bewegung verspricht finanzielle Freiheit lange vor dem Rentenalter, während die gesetzliche Rente immer teurer wird.

Die Rechnung hinter dem frühen Ausstieg

Das Ziel ist ambitioniert: Mit 40 Jahren finanziell unabhängig sein. Um das zu erreichen, sparen Frugalisten 70 bis 80 Prozent ihres Einkommens – ein krasser Gegensatz zur durchschnittlichen deutschen Sparquote von rund zehn Prozent.

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Die Mathematik dahinter folgt klaren Regeln. Die „25er-Regel" besagt: Wer das 25-Fache seiner Jahresausgaben angespart hat, kann theoretisch aufhören zu arbeiten. Anschließend erlaubt die „4-Prozent-Regel" eine jährliche Entnahme von vier Prozent des Kapitals, ohne dass die Substanz schmilzt.

Finanzexperten betonen jedoch: Dieses Modell funktioniert vor allem für Gutverdiener. Die extremen Sparvorgaben sind für Durchschnittsverdiener kaum zu stemmen.

Risiken und Fallstricke in der Praxis

Selbst wer es schafft, steht vor neuen Herausforderungen. Ein Paar, das 2015 die finanzielle Unabhängigkeit erreichte, musste feststellen: Die Lebenshaltungskosten stiegen durch Inflation von 35.000 auf 50.000 Euro jährlich.

Auch Immobilieninvestments bergen Tücken. Eine 2019 in Temeswar für 180.000 Euro erworbene Wohnung gewann zwar 50 Prozent an Wert – die Eigentümer unterschätzten jedoch die Renovierungskosten.

Erfolgreiche Frugalisten setzen daher auf breite Streuung. Ein bewährtes Modell: je ein Drittel in Aktien und ETFs, ein Drittel in Immobilien (etwa in Stuttgart) und ein Drittel in Staatsanleihen. Rumänische Staatsanleihen etwa werfen derzeit fünf bis sechs Prozent Rendite ab. Riskante Anlagen wie Kryptowährungen bleiben auf maximal fünf Prozent des Portfolios begrenzt.

Die gesetzliche Rente wird teurer

Der Drang zur privaten Vorsorge kommt nicht von ungefähr. Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung steigen. Prognosen vom Juni 2026 zeigen: Der aktuelle Satz von 18,6 Prozent bleibt zwar bis 2027 stabil, klettert aber 2028 auf 19,8 bis 19,9 Prozent. Für 2029 werden rund 20 Prozent erwartet, bis 2039 sogar über 21 Prozent.

Für einen Arbeitnehmer mit 3.000 Euro Bruttogehalt bedeuten diese Steigerungen rund 40 Euro mehr Beitrag im Monat.

Eine aktuelle Studie des DIW im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt zudem Einsparpotenziale. Würde die „Rente mit 63" (abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren) abgeschafft, sparte der Staat rund 9,5 Milliarden Euro pro Rentner-Jahrgang. Rund 250.000 bis 280.000 Arbeitnehmer nutzen diese Option jährlich. Ohne sie blieben schätzungsweise 125.000 Vollzeitkräfte im Arbeitsmarkt – die Betroffenen würden im Schnitt zehn Monate länger arbeiten.

Frauen sind besonders gefährdet

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Die Möglichkeit, frühzeitig auszuscheiden oder privat vorzusorgen, ist ungleich verteilt. Der AXA-Rentenreport vom März 2026, für den über 2.000 Menschen in Deutschland befragt wurden, zeigt deutliche Unterschiede.

Besonders Frauen haben es schwer: 34 Prozent fürchten, ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. 31 Prozent haben Angst vor Altersarmut. 61 Prozent der Frauen der Generation X (46 bis 61 Jahre) können sich keine zusätzliche private Rentenversicherung leisten. 38 Prozent sparen gar nicht fürs Alter.

Die Folge: Vier von zehn Frauen erwarten, über das Rentenalter hinaus arbeiten zu müssen. Ein krasser Gegensatz zur Frugalismus-Bewegung – während die einen vom frühen Ausstieg träumen, kämpfen andere um die grundlegende Alterssicherung.

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