Rente, Wüst

Rente mit 63: Wüst fordert Gesetzentwurf, Koalition ringt um 45 Beitragsjahre

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In der Koalition bleibt die Zukunft der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren umstritten; mehrere Kompromissmodelle werden verhandelt.

Rentenreform: Hendrik Wüst drängt Bärbel Bas zu Gesetzentwurf
Moderne Glasfassade eines Regierungsgebäudes bei bewölktem Himmel in einer ruhigen städtischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Debatte um die Reform der gesetzlichen Rente gewinnt an Schärfe. Auf einer Konferenz in Berlin forderte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) auf, zügig einen Gesetzentwurf vorzulegen. Mit diesem Vorstoß will Wüst die festgefahrene Debatte voranbringen, die sich vor allem an der geplanten Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren entzündet hat.

Koalition uneins über „Gesamtkunstwerk“

Kanzler Friedrich Merz und Bas hatten die Vorschläge der Rentenkommission im Sommer 2026 noch als unveränderbares „Gesamtkunstwerk“ bezeichnet. Inzwischen regt sich jedoch Widerstand – sowohl innerhalb der SPD als auch bei mehreren CDU-Ministerpräsidenten.

Ein Krisengipfel von Union und SPD im Kanzleramt endete nach fast vier Stunden ohne Beschlüsse; die SPD lehnt die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ab. Auch die Pflegereform bleibt umstritten.

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch bezeichnete den Anspruch auf abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren als elementares Gerechtigkeitsthema. Unionsfraktionsvize Johannes Winkel forderte hingegen die vollständige Umsetzung des zwischen Union und SPD vereinbarten Rentenpakets.

Laut Koalitionsvereinbarung soll die Rente mit 63 wegfallen, dafür aber eine neue abschlagsfreie Schutzrente nach 45 Jahren für gesundheitlich beeinträchtigte Beschäftigte eingeführt werden. Teile der SPD stellen jedoch infrage, ob die bisherige Regelung für besonders langjährig Versicherte tatsächlich abgeschafft werden soll.

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Nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wuchs der Streit in der Koalition weiter. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf und Vizechefin Anke Rehlinger kritisierten mögliche Kürzungen und pochten auf die Berücksichtigung langer Beitragszeiten, während Merz an den ursprünglichen Plänen festhält.

Kompromisssuche: Übergangsfristen und Härtefallregeln im Gespräch

Medienberichten zufolge werden in den Verhandlungen mehrere Kompromisslinien diskutiert: eine etwa fünfjährige Übergangsfrist, Vertrauensschutz, Härtefallregeln sowie eine Anhebung der erforderlichen Versicherungsjahre auf 46 oder 47. Alternativ könnte die Regelung auf körperlich besonders belastete Berufe begrenzt werden.

Eine Einigung steht bislang aus. Ein möglicher Gesetzentwurf mit Bearbeitungsstand vom 21. August 2026, der laut einem Bericht der ZEIT vorliegt, sieht Übergangsregeln für Beschäftigte der Jahrgänge 1968 bis 1971 vor, die vor Verabschiedung des Gesetzes Altersteilzeit vereinbart haben.

Zudem ist eine Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung im Gespräch. Laut Schätzungen des DIW Berlin könnte die Abschaffung der abschlagsfreien Rente langfristig rund 10 Mrd. Euro pro Jahr einsparen.

Sozialverbände und Gewerkschaften laufen Sturm

Widerstand kommt auch von Sozialverbänden. VdK-Präsidentin Verena Bentele forderte einen Sozialcheck und lehnt die Abschaffung der abschlagsfreien Rente ohne ausreichende Übergangszeit und Ersatzlösung für gesundheitlich belastete Ältere ab. Sie kritisierte zudem die geplante Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag und kündigte Widerstand gegen eine Abschaffung des Acht-Stunden-Tags an. Der VdK zählt nach eigenen Angaben mehr als 2,3 Millionen Mitglieder.

SoVD-Referentin Henriette Wunderlich sagte, die geplante Rentenreform verunsichere Ratsuchende, zumal noch kein Gesetzentwurf vorliege. Der SoVD fordert stattdessen eine Erwerbstätigenversicherung für Arbeitnehmer, Beamte, Selbstständige und Mandatsträger sowie eine Freibetragsregelung in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung.

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DGB-Chefin Yasmin Fahimi bezeichnete die geplante Kapitalrente als Täuschung, da sie das sinkende gesetzliche Rentenniveau lediglich abfedern, nicht aber erhöhen solle. Rentennahe Generationen hätten wegen des jahrzehntelangen Aufbaus eines Kapitalstocks faktisch wenig davon. Der DGB rief für den 26. September 2026 bundesweit zu Protesten gegen Sozialabbau auf.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft vertritt eine gegenläufige Position: Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen sagte, der Referentenentwurf gehe in die richtige Richtung, um die gesetzliche Rente langfristig zu stabilisieren. Der Verband forderte, die Empfehlungen der Rentenkommission trotz Landtagswahlen umzusetzen.

Unionsabgeordnete werfen Bas unterdessen vor, notwendige Gesetzentwürfe zu verzögern. Die Ministerin verweist auf die hohe Arbeitsbelastung ihres Hauses – während Wüst mit seiner Forderung nach einem raschen Entwurf öffentlichen Druck aufbaut, damit die Koalition zu einer Entscheidung kommt.

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