Rente mit 63 abschaffen: 9,5 Milliarden Euro Entlastung pro Jahrgang
03.06.2026 - 09:16:50 | boerse-global.deDie Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 könnte den Staatshaushalt um 9,5 Milliarden Euro pro Rentner-Jahrgang entlasten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die heute veröffentlicht wurde.
Massive Entlastungseffekte für die Rentenkasse
Zwischen 250.000 und 280.000 Beschäftigte nutzen jährlich die Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente zu gehen. Würde diese Option gestrichen, käme es zu erheblichen finanziellen Verschiebungen. Für den Geburtsjahrgang 1957 etwa würde die gesetzliche Rentenversicherung um 10,4 Milliarden Euro entlastet.
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Zwar müsste der Staat mit rund 860 Millionen Euro weniger Einnahmen aus der Lohn- und Einkommensteuer sowie den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung rechnen. Unterm Strich bliebe aber ein deutlicher Überschuss.
Die Forscher sehen zudem ein enormes Arbeitskräftepotenzial: Rund 125.000 Vollzeitkräfte könnten dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben. Im Schnitt würden die Betroffenen zehn Monate länger arbeiten – oder bei vorzeitigem Renteneintritt mit Abschlägen rechnen müssen.
Lebenserwartung: Ost-West-Gefälle wird größer
Das Bundesarbeitsministerium legte auf eine parlamentarische Anfrage hin neue Daten zur regionalen Lebenserwartung vor. Die Zahlen zeigen: Ein pauschales Anheben des Rentenalters trifft die Menschen unterschiedlich hart.
In Baden-Württemberg haben Männer mit 65 Jahren eine Lebenserwartung von 18,6 Jahren – bundesweit der Spitzenwert. In Sachsen-Anhalt hingegen sank die Lebenserwartung für diese Gruppe um 3,4 Monate auf nur noch 16,56 Jahre. Bei Frauen liegt Sachsen mit 21,61 Jahren vorn, während das Saarland mit 20,16 Jahren das Schlusslicht bildet.
Besonders auffällig: Während die Lebenserwartung westdeutscher Männer über 65 in den letzten zehn Jahren um 0,6 Monate stieg, sank sie bei ostdeutschen Männern um 1,1 Monate. Kritiker warnen, dass eine lineare Anhebung des Rentenalters vor allem Geringverdiener und Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau benachteiligen würde.
Österreich als Vorbild? Alternative Modelle
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung schlägt vor, sich am österreichischen Modell zu orientieren. Die Experten empfehlen, künftige Rentenerhöhungen an die Inflation statt an die Lohnentwicklung zu koppeln.
Der Blick nach Österreich zeigt deutliche Unterschiede: Die durchschnittliche gesetzliche Rente lag dort 2022 bei rund 1.645 Euro – in Deutschland waren es lediglich 1.145 Euro. Grund dafür sind der höhere Beitragssatz von 22,8 Prozent (gegenüber 18,6 Prozent hierzulande) und die Einbeziehung Selbstständiger in die gesetzliche Rentenversicherung.
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Beamte in die Rentenkasse?
Arbeitsministerin Bärbel Bas sprach sich dafür aus, Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Eine Ausweitung des Beitragszahlerkreises würde die Reserven des Systems stärken, argumentierte die Ministerin. Zugleich zeigte sie sich offen für eine Anhebung der Regelaltersgrenze über 67 Jahre hinaus – allerdings erst nach 2031 und nur mit speziellen Regelungen für körperlich schwer belastbare Berufe.
Eine Rentenkommission soll ihre Vorschläge am 30. Juni 2026 vorlegen. Der Abschlussbericht wird für Ende Juli erwartet. Die Ergebnisse dürften maßgeblich die Entscheidungen der Bundesregierung über ein umfassendes Reformpaket beeinflussen.
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