Reishi-Arten, DNA-Proben

Reishi-Arten verwechselt: Nur 149 von 1.130 DNA-Proben korrekt bestimmt

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 03:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die genetische Abgrenzung verbessert die Grundlage für Studien und Produktstandards; klinische Untersuchungen zeigen begrenzte Reishi-Effekte.
Ein glänzender Lackporling wächst an einem Baumstamm in einem schattigen, moosbedeckten Wald. Illustration mit AI erstellt.

Eine genetische Differenzierung bringt Bewegung in die Erforschung traditioneller Heilpilze: Forschende der Royal Botanic Gardens, Kew, haben in einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Plants, People, Planet“ nachgewiesen, dass es sich beim europäischen Glänzenden Lackporling (Ganoderma lucidum) und dem ostasiatischen Lingzhi beziehungsweise Reishi (Ganoderma lingzhi) um zwei eigenständige Arten handelt.

Die evolutionäre Trennung der beiden Linien liegt demnach mindestens 16 Millionen Jahre zurück. Damit löst sich ein langes taxonomisches Missverständnis auf, das weitreichende Folgen für den Markt der Nahrungsergänzungsmittel und die pharmazeutische Standardisierung hat.

Gravierende Lücken in öffentlichen Gendatenbanken

Ganoderma lucidum wurde ursprünglich im Jahr 1781 von William Curtis beschrieben. Wie die Royal Botanic Gardens, Kew, darlegen, schlagen Fachleute für diesen europäischen Porling nun die Bezeichnung „False Lingzhi“ vor.

Die Abgrenzung ist dringend erforderlich: Eine DNA-Analyse der Kew-Wissenschaftler ergab, dass von 1.130 öffentlich zugänglichen Sequenzen lediglich 149 korrekt als Ganoderma lucidum identifiziert worden waren. Zudem stammt keines der gegenwärtig verfügbaren Genome, die unter der Bezeichnung G. lucidum geführt werden, tatsächlich von der Art selbst.

Auch andere Forschungsgruppen stießen auf systematische Bestimmungsfehler. Laut einer Studie der Universität Helsinki verbargen sich hinter dem Namen Lingzhi zwei genetisch und biochemisch verschiedene Pilzarten, wodurch ein rund 245 Jahre altes Rätsel gelöst worden sei. Eine chinesische Forschungsgruppe beschrieb die ostasiatische Linie zudem im September 2026 als G. sinolucidum.

Bereits eine Analyse vom 23. Oktober 2026 unter dem Titel „Phylogenetic analysis and screening of elite cultivated Ganoderma strains in China“ verglich 18 Ganoderma-Stämme und stellte fest, dass ein Teil des untersuchten Materials, der als G. sichuanense deklariert war, biologisch zu G. sessile gehörte.

Relevanz für den Milliardenmarkt der traditionellen Medizin

Die taxonomische Trennung besitzt direkte wirtschaftliche Relevanz: Die Royal Botanic Gardens, Kew, beziffern den Markt für traditionelle chinesische Medizin auf rund 200 Milliarden Pfund (271,14 Milliarden US-Dollar).

Laut der Universität Helsinki ermöglicht die präzise Identifikation der Spezies eine verlässlichere Durchführung klinischer Studien, eine einheitliche Standardisierung von Extrakten sowie eine gezielte Wirkstoffisolierung und Dosierung.

Die Inhaltsstoffe schwanken nachweislich je nach biologischer Grundlage. So bestimmen Art und Stamm maßgeblich den Gehalt an Polysacchariden und Triterpenen sowie die Wachstumsrate und die Extraktausbeute.

Zu den wesentlichen Qualitätsfaktoren zählen neben der taxonomischen Reinheit der verwendete Pilzteil – ob Fruchtkörper, Mycel oder Sporen –, das Kultursubstrat, der Erntezeitpunkt, das Extraktionsverfahren sowie Laboranalysen auf Schwermetalle und mikrobiologische Verunreinigungen.

Anzeige

Wer sich mit der Reinheit von Naturstoffen und deren Wirkung auf den Organismus beschäftigt, sollte auch seine persönlichen Körperwerte genau im Blick behalten. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report erklärt verständlich, welche Werte wirklich wichtig sind und wie man Vitalstoffmängel frühzeitig erkennt. Laborwerte-Selbstcheck: Jetzt kostenlos herunterladen

Klinische Studienlage und Sicherheitsaspekte bei Reishi

In der medizinischen Bewertung bleibt die Evidenz zu Reishi differenziert. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2016 untersuchte fünf randomisierte Studien mit 373 Krebspatienten in China. Reishi zusätzlich zu einer Chemo- oder Radiotherapie zeigte eine etwas höhere Ansprechrate, während der Pilz ohne Standardtherapie zu keiner Tumorverkleinerung führte.

Zwar stiegen einzelne Immunwerte wie CD3, CD4 und CD8 an, die Aktivität der natürlichen Killerzellen blieb jedoch kaum verändert. Vier Studien dokumentierten eine verbesserte Lebensqualität, Überlebensdaten lagen hingegen nicht vor.

Ein weiterer Cochrane-Review aus dem Jahr 2015 unter der Leitung von Klupp analysierte drei Studien mit 157 Typ-2-Diabetikern bei täglichen Gaben von 1,4 bis 3 Gramm Reishi über 12 bis 16 Wochen. Hierbei ergab sich kein signifikanter Effekt auf Blutdruck, Gesamt- oder LDL-Cholesterin, Triglyceride, Nüchternglukose und den HbA1c-Wert.

Anzeige

Die richtige Deutung von medizinischen Daten ist die Grundlage für jede erfolgreiche Gesundheitsvorsorge, ob bei Nahrungsergänzungsmitteln oder klassischen Laboruntersuchungen. Erfahren Sie in diesem Gratis-PDF von Vitalstoffexperte Dr. Ulrich Fricke, wie Sie Ihre Blutwerte selbst verstehen und Fehldiagnosen vermeiden können. Hier den kostenlosen 25-Seiten-Bericht sichern

Hinsichtlich der Verträglichkeit stuft die Datenbank LiverTox der National Institutes of Health (NIH) seltene Leberschäden in die Kategorie D ein. Klinisch manifeste Leberschäden gelten als extrem selten; weltweit sind Fallberichte im zweistelligen Bereich dokumentiert, überwiegend im Zusammenhang mit unextrahiertem Pulver.

Eine kontrollierte Untersuchung von Wicks und Kollegen aus dem Jahr 2007 ergab bei der Verabreichung von 4 Gramm pro Tag über 10 Tage keine Anzeichen von Leberschäden. Die übliche Dosierung von 1 bis 3 Gramm täglich gilt als lebersicher, während das höchste Risiko bei der Einnahme von unextrahiertem Pilzpulver über mehr als einen Monat besteht.

Standardisierte Heißwasser- oder Dualextrakte weisen das geringste Risiko auf. Dennoch wird bei bestehenden Lebererkrankungen oder dem gleichzeitigen Konsum von Alkohol oder Paracetamol vom Verzehr abgeraten. Typische Warnsignale wie Gelbsucht, dunkler Urin, Oberbauchschmerzen und Übelkeit treten in dokumentierten Fällen typischerweise ein bis zwei Monate nach Beginn der Einnahme auf.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70423743 |