Reiseumfrage, Urlaubsorte

Reiseumfrage: 67 Prozent bevorzugen Urlaubsorte ohne sozialen Pflichttermin

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 14:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Inghams kürt Wester Ross zum Spitzenziel; Umfragen zeigen den Wunsch nach Reisen mit weniger sozialen Verpflichtungen.

Stillcation im Trend: Ruheorte und Reiseangebote für erholsame Ferien
Eine einsame Holzhütte in einer nebligen, schottischen Hügellandschaft mit einem stillen See bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Immer mehr Urlauber wenden sich vom klassischen Abarbeiten touristischer Sehenswürdigkeiten ab. Medienberichte thematisieren einen wachsenden Trend zur sogenannten Stillcation, bei der gezielt Orte der Ruhe und Entspannung aufgesucht werden, anstatt dichte Reisepläne zu verfolgen.

Konzept und neurologische Erholungsmechanismen

Das Prinzip der Stillcation sieht einen Aufenthalt an einem einzigen Ort in der Natur vor, bei dem auf ein festes Aktivitätenprogramm verzichtet wird. Typische Unterkünfte sind etwa ein Haus am Wasser, eine Hütte in den Bergen oder ein Landhaus mit Veranda. Reisende packen nur einmal aus und meiden anstrengende Ausflüge sowie strikte Zeitpläne.

Hintergrund dieser Reiseform ist die Wirkung reizarmer Umgebungen auf das Gehirn. Nach Berichten vom 4. Oktober 2026 ermöglicht die reizarme Naturkulisse dem Nervensystem den Wechsel in das sogenannte Default Mode Network (DMN). Dieser Zustand unterstützt die Gedächtniskonsolidierung, erleichtert die Verarbeitung von Emotionen und fördert so eine nachhaltige Regeneration.

Gleichzeitig grenzt sich die Stillcation von der klassischen Staycation ab. Während letztere meist am Wohnort oder im unmittelbaren Umland verbracht wird, kann eine Stillcation durchaus eine Anreise zu einem abgelegenen Ziel erfordern. Im Gegensatz zu einem Aufenthalt im Stadthotel fallen bei der Stillcation jedoch städtischer Lärm und die gedankliche Nähe zur täglichen Arbeit weg.

Branchenangebote und Kriterien für stille Reiseziele

Der Reisemarkt reagiert bereits mit spezifischen Angeboten auf den Wunsch nach Abgeschiedenheit. Der Reiseveranstalter Inghams analysierte laut einem Bericht vom 5. Oktober 2026 fast 100 europäische Destinationen anhand von Kriterien wie Wanderwegen pro Quadratkilometer, Luftqualität, Vogelvielfalt, Sternenhimmel, Waldanteil und Bevölkerungsdichte. Auf Platz eins des Rankings landete das schottische Wester Ross.

Auch andere Veranstalter schnüren spezialisierte Pakete. Black Tomato führt Programme unter Titeln wie „The Gift of Boredom“ und „Sonic Sanctuaries“. Eine Aufstellung von Reisezielen nennt verschiedene konkrete Angebote:
- Cornwall: Ein viertägiges Atemarbeits-Retreat bei Cabilla ab 1.250 Pfund.
- Wester Ross: Sechs Tage bei Wildlife Worldwide ab 1.295 Pfund.
- Abisko (Schweden): Drei Nächte bei Arctic Direct ab 1.795 Pfund inklusive Flügen (Nordlichter von September bis April).
- Pyrenäen: Sechs Tage bei Much Better Adventures ab 1.688 Pfund ohne Flüge.
- Engadiner Tal: Sieben Tage bei Inntravel ab 2.086 Pfund ohne Flüge.
- Yukon: Zehn Tage bei Canadian Sky ab 2.069 Pfund inklusive Flügen in einer Region mit rund 48.000 Einwohnern.
- Südinsel Neuseelands: Unterkünfte bei Pure Pods ab 240 Pfund pro Nacht.
- Bhutan: Neun Tage bei Raven Tours ab 2.676 Pfund.
- Patagonien: Fünf Tage bei Chile Nativo ab 1.700 Pfund ohne Flüge für den Zeitraum von Oktober bis April.
- Namibia: 14 Tage bei Expert Africa ab 4.220 Pfund.

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Zudem untersuchte die Plattform Bookretreats gemeinsam mit einer klinischen Psychologin 47 Städte im Rahmen eines „Holiday Happiness Index“. Die Erholungsbedingungen wurden anhand von fünf gleich gewichteten Faktoren gemessen: Sonnenstunden, Schlafqualität, gesundes Essen, Grünflächen und Fußgängerfreundlichkeit.

Rückzug als internationales Reisebedürfnis

Die Nachfrage nach Ruhe spiegelt sich in weltweiten Erhebungen wider. Wie aus Berichten vom 3. Oktober 2026 hervorgeht, richtete die Tourismusorganisation Visit Sweden ein spezielles Reisebüro für introvertierte Personen ein. Basis dafür war eine von der Organisation beauftragte YouGov-Umfrage in neun Ländern.

Demnach gaben 67 Prozent der Befragten an, Reiseziele zu bevorzugen, an denen soziale Interaktion kein Pflichtprogramm darstellt. In Deutschland stuften sich 46 Prozent der Befragten als introvertiert ein und wünschten sich Erholung und Rückzugsorte auf Reisen.

Eine Erhebung des Reise-eSIM-Anbieters Sally ergab zudem, dass fast die Hälfte der Reisenden sich von Lautsprecher-Telefonaten oder Videogesprächen in der Öffentlichkeit gestört fühlt.

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Eine ähnliche Abkehr vom Hektik-Tourismus zeichnet sich in Asien ab. In China diskutierten Redakteure des Mediums Jiemian die Entwicklung vom extrem schnellen Sightseeing-Stil mit minimalem Schlaf hin zum sogenannten „Reisen wie ein Anthropologe“. Bei diesem langsameren Format verbringen junge Reisende mehr Zeit in einzelnen Vierteln, besuchen lokale Märkte und sprechen mit Ladenbesitzern.

Durch Hochgeschwindigkeitszüge lassen sich Regionen wie Zhejiang oder Anhui von Shanghai aus gut erreichen. Pensionen kosten dort oft nur einen Bruchteil eines Stadthotels, sodass Reisende längere Aufenthalte wählen und ihr Budget eher in Verpflegung und Unterkunft statt in teure Tickets investieren.

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