Reinigungsarbeit: 56 Prozent finden, sie verdient mehr Anerkennung
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die tägliche Arbeit von Reinigungskräften bleibt für viele Menschen im Alltag weitgehend unsichtbar, obwohl sie eine grundlegende Voraussetzung für funktionierende Hygiene und Infrastruktur darstellt.
Eine deutliche Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Arbeitsleistung und der tatsächlichen Wertschätzung belegen die Ergebnisse der internationalen Tork Insight Survey 2026. Die Erhebung, für die 11.500 Personen aus der Öffentlichkeit sowie 1.100 Facility Manager in 11 Ländern befragt wurden, veranschaulicht eine spürbare Anerkennungslücke.
Demnach gaben 56 % der befragten Toilettennutzer an, dass die Reinigung eine harte Arbeit sei und mehr Anerkennung verdiene. Zugleich erklärten 21 %, den Reinigungskräften eigentlich danken zu wollen, dies jedoch nur selten in die Tat umzusetzen.
Hohe Belastungen und Kündigungen im Arbeitsalltag
Die fehlende Wertschätzung im Berufsalltag hat gravierende Konsequenzen für die Gesundheit und die Bindung des Personals an die Betriebe. Bereits die vorhergehende Tork Insight Survey 2025, die ebenfalls in 11 Ländern unter 11.500 Personen aus der Öffentlichkeit und 1.000 Reinigungskräften durchgeführt worden war, zeichnete ein deutliches Bild der beruflichen Belastungen. In dieser Erhebung gaben 38 % der befragten Reinigungskräfte an, ihren Arbeitsplatz wegen mangelnder Anerkennung sowie Burnout verlassen zu haben.
Darüber hinaus berichteten 70 % der befragten Arbeitskräfte von einer unzureichenden Unterstützung durch ihre Arbeitgeber. Ganze 80 % sahen sich mit arbeitsbedingten psychischen Problemen konfrontiert.
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Versäumnisse bei den Arbeitsbedingungen und der Hygiene wirken sich zudem auf das Gesamterscheinungsbild von Organisationen aus: Vier von fünf befragten Toilettennutzern gaben an, sich infolge von Hygieneproblemen in den Waschräumen gegenüber dem gesamten Unternehmen schlechter eingestellt zu fühlen.
Um dem Qualifizierungsbedarf und den Herausforderungen der Branche zu begegnen, stellen Tork und der Branchenverband ISSA in Nordamerika einen 30-minütigen Onlinekurs auf Englisch und Spanisch kostenfrei bereit.
Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Realität
Die Belastungen der Branche spiegeln sich auch in breiteren gesellschaftlichen Debatten wider. In Frankfurt widmet sich die Ausstellung „Die Würde der Reinigungsarbeit“ bis zum 31.10.2026 in der Dondorfschen Druckerei bei freiem Eintritt dem Alltag der Beschäftigten. Die Schau greift dabei den anhaltenden Zeit- und Kostendruck, die hohe körperliche Beanspruchung und die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung auf.
Die Branche ist dabei von einer spezifischen Beschäftigtenstruktur geprägt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes weisen 6 von 10 Beschäftigten im Reinigungsgewerbe eine Einwanderungsgeschichte auf. Allein in Deutschland sind rund 700.000 Menschen in Gebäudereinigungsbetrieben tätig.
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Neben dem gewerblichen Bereich greift auch das private Umfeld in großem Umfang auf diese Arbeitsleistung zurück: Laut einer Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beschäftigen mehr als 4 Millionen Privathaushalte eine Putzhilfe.
Die Studiendaten verdeutlichen, dass neben fairen Rahmenbedingungen vor allem eine stärkere Wertschätzung und gezielte Unterstützung erforderlich sind, um die psychische Gesundheit des Personals langfristig zu sichern.

