Rehacare, Düsseldorf

Rehacare in Düsseldorf: 1000 Aussteller zeigen neue Hilfen für mehr Mobilität

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Düsseldorfer Messe präsentiert Mobilitätshilfen von treppensteigenden Rollstühlen bis zu Exoskeletten für Alltag, Rehabilitation und Forschung.

Rehacare 2026 zeigt neue Rollstühle, Assistenzroboter und Exoskelette
Ein barrierefreies, modern gestaltetes Gebäudeinnere mit einer Rampe und klaren architektonischen Linien bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Rehacare in Düsseldorf, die vom 23. bis 26. September 2026 rund 1000 Aussteller aus 43 Ländern versammelt, gibt einen Überblick über den aktuellen Stand technischer Hilfsmittel für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Die Messe verdeutlicht, wie stark sich Robotik, Sensorik und Exoskelett-Technologie in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben – ein Feld, das angesichts einer alternden Gesellschaft an Bedeutung gewinnt.

Rollstühle mit Treppenfunktion und autonome Assistenzroboter

Das Schweizer Unternehmen Scewo präsentiert seinen Rollstuhl „GO“, der auf sechs Rädern bis zu 12 km/h erreicht, per App gesteuert werden kann und über ein zubuchbares Treppensteigmodul verfügt. Damit lassen sich laut Hersteller Stufen bis 40 Grad Neigung und Schwellen bis 7,5 Zentimeter abwärts überwinden. Die Grundversion kostet 18.500 Euro, mit Treppensteigmodul 37.700 Euro.

Einen anderen Ansatz verfolgt das chinesische Unternehmen Xcanbot mit dem Mobilitätsroboter Mate X, der auf der Rehacare Premiere feiert. Das Gerät verfügt über einen Sitz, eine Zielauswahlfunktion und eine 360-Grad-Umgebungsüberwachung mittels LiDAR-, Time-of-Flight- und Kamerasensoren.

Zwei Wochen zuvor war der Mate X bei den IFA Innovation Awards in Berlin in der Kategorie „Tech for Good & Accessibility“ ausgezeichnet worden und erhielt zudem eine „Honoree“-Nennung in der Kategorie „IFA NEXT & Emerging Tech“.

Xcanbot positioniert den Roboter als Consumer-Technologie für den Lifestyle- und Elektronikhandel sowie Online-Marktplätze und bereitet eine Crowdfunding-Kampagne mit Europa als erstem Zielmarkt vor.

Exoskelette für Kinder, Alltag und Rehabilitation

Für gehbehinderte Kinder mit Rückenmarksverletzungen zeigt das Unternehmen Marsi Bionics das Exoskelett „EXPLORER“, das mit vier Motoren ausgestattet ist und mit dem Kind mitwachsen kann. Fraunhofer stellt zudem den Prototyp „Tulip“ vor, der querschnittgelähmten Frauen den Toilettengang erleichtern soll. Hintergrund: Laut der Kontinenzgesellschaft können mindestens zehn Millionen Menschen in Deutschland nicht eigenständig eine Toilette aufsuchen.

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Auch außerhalb der Messe wird an Exoskelett-Technologie geforscht. An der Universität Duisburg-Essen (UDE) und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) entsteht das „DFKI Projektbüro AURA Lab Duisburg-Essen“ unter Leitung von Prof. Dr. Elsa Andrea Kirchner, das sich mit Exoskeletten für die Rehabilitation – etwa nach Schlaganfällen – sowie für die Raumfahrt befasst.

Im Projekt MikroBeM, das Mikrogravitation simuliert, wurde im September 2026 die vierte Kampagne in Schwerelosigkeit abgeschlossen. Seit Juli läuft zudem das Projekt ExoAssist, bei dem ein Ganzkörper-Exoskelett Astronauten die Steuerung entfernter Roboter ermöglichen soll; die Zusammenarbeit zwischen UDE und DFKI besteht bereits seit 2021.

An der TU Berlin entwickelt das Projekt RISE seit 2022 aktive Unterkörper-Exoskelette und bindet dabei bis zu 45 Studierende pro Semester ein. Beim CYBATHLON 2024 erreichte das Team den vierten Platz und war das einzige erfolgreiche deutsche Team im Wettbewerb. Das aktuelle Modell Exo One nutzt sechs Aktuatoren des Getriebeherstellers Nabtesco – jeweils drei pro Körperseite für Hüfte und Knie.

Nabtesco gilt als Weltmarktführer für Robotergetriebe mit mehr als 40 Jahren Erfahrung; die Produktion der Wellgetriebe erfolgt bei der Ovalo GmbH im hessischen Limburg nach dem Industriestandard IATF 16949. Für die nächste Generation plant RISE zwölf aktive Freiheitsgrade an Hüfte, Knie und Sprunggelenk, mit dem Ziel, eine Gleichgewichtsregelung ohne Gehstützen zu ermöglichen.

Kommerzielle Exoskelette für den Alltag

Neben den Forschungsprojekten sind auch marktreife Produkte am Markt etabliert. Der Hersteller Hypershell bewirbt seine X-Serie mit unterschiedlichen Leistungsstufen: Das Modell X Pro S erreicht eine Spitzenleistung von 800 Watt und 18 Newtonmetern, während X Max S und X Ultra S bei 1.000 Watt und 22 Newtonmetern liegen.

Die Geräte bieten laut Hersteller bis zu zehn beziehungsweise zwölf adaptive Modi, darunter Dünen- und Schneemodus, wiegen rund 2,5 Kilogramm und werden von einem 72-Wh-Akku versorgt. Ein Test des TÜV Rheinland attestierte der X-Serie eine Mensch-Maschine-Synchronisation von bis zu 97,5 Prozent bei einer Reaktionszeit von 0,31 Sekunden.

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Das Modell Halo verfügt über vier Motoren an Hüfte und Knie, eine Spitzenleistung von bis zu 1.490 Watt sowie mehr als 30 Sensoren, die laut Herstellerangaben bis zu 2.500-mal pro Sekunde ausgewertet werden.

Politische Begleitung und gesellschaftlicher Kontext

Am NRW-Messestand in Halle 1 tauschte sich Sozialminister Karl-Josef Laumann mit Staatssekretär Matthias Heidmeier und der Behindertenbeauftragten Claudia Middendorf aus. Laumann betonte, die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderung werde in der Gesellschaft unterschätzt. Der nordrhein-westfälische Auftritt auf der Messe legt einen Schwerpunkt auf barrierefreie Arbeitsplatzgestaltung, Inklusion und Pflege.

Die auf der Rehacare gezeigten Entwicklungen verdeutlichen, dass technische Mobilitätshilfen zunehmend über klassische Rollstühle hinausgehen und Bereiche wie Alltagsassistenz, Rehabilitation und sogar Raumfahrtforschung miteinander verbinden. Für Betroffene und ihre Angehörigen dürfte vor allem relevant sein, welche dieser Technologien in absehbarer Zeit den Weg in die Regelversorgung finden.

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