Reha, Herzinfarkt

Reha nach Herzinfarkt: ESC-Leitlinien empfehlen Start binnen 14 Tagen

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesärztekammer verlangt feste Reha-Strukturen; ESC-Leitlinien empfehlen frühe Behandlungsstarts, während die Teilnahmequoten niedrig bleiben.

Bundesärztekammer fordert stärkere Reha für ein krisenfestes Gesundheitswesen
Moderner, leerer Krankenhausflur mit hellem Tageslicht und minimalistischer Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Die krisenfeste Aufstellung des Gesundheitswesens rückt zunehmend in den Mittelpunkt gesundheitspolitischer Debatten. Mit dem Positionspapier „Reha stärkt Resilienz“ plädiert die Bundesärztekammer dafür, die medizinische Rehabilitation fest als tragende Säule einer anpassungsfähigen und versorgungssicheren Struktur zu verankern.

Maßgeblich koordiniert wurde die Initiative innerhalb der Bundesärztekammer von Dr. Wolfgang Miller und Dr. Marion Charlotte Renneberg, die gemeinsam den Ko-Vorsitz der Arbeitsgruppe Rehabilitationsmedizin innehaben.

Dr. Susanne Johna, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, unterstrich in diesem Kontext, dass eine zielgerichtete Rehabilitation wesentlich zu einem leistungsfähigen Gesamtsystem beiträgt.

Vier zentrale Handlungsfelder für die Versorgungsstruktur

Das Positionspapier der Bundesärztekammer gliedert die anstehenden Aufgaben in vier Hauptbereiche. Im Vordergrund steht die frühzeitige Erkennung von Rehabilitationsbedarfen direkt in der Akutversorgung, um eine Frührehabilitation bereits auf den Stationen der Akutkrankenhäuser einzuleiten.

Darüber hinaus fordern die Verfasser bedarfsgerechte, wohnortnahe sowie mobile Angebote für ältere und multimorbide Patienten, um deren Selbstständigkeit zu sichern und drohende Pflegebedürftigkeit rechtzeitig abzuwenden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung von Konzepten für komplexe Krankheitsbilder sowie dem Ausbau von Traumarehabilitation und Katastrophenschutz. Zudem misst das Papier der interprofessionellen Zusammenarbeit und der Qualifizierung von Fachkräften hohe Bedeutung bei.

Zur Verankerung in der nationalen Gesundheitsresilienz, im Bevölkerungsschutz und in der zivilen Verteidigung fordert die Bundesärztekammer konkrete Krisenpläne, strukturierte rehabilitative Behandlungspfade sowie den Ausbau von spezialisierten Kompetenzzentren für Schwerverletzte.

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Internationale Fachgesellschaften fordern früheren Interventionsbeginn

Die Forderung nach einer rascheren Verzahnung von Akutmedizin und Rehabilitation spiegelt sich auch in internationalen Leitlinien wider. Auf dem Kongress der European Society of Cardiology (ESC) im Jahr 2026 stellte die Fachgesellschaft im Fachblatt European Heart Journal erstmals eigenständige Leitlinien zur kardiovaskulären Rehabilitation vor.

Die federführend von Prof. Dr. Maria Bäck aus Göteborg und Prof. Dr. Matthias Wilhelm aus Bern geleiteten Empfehlungen drängen auf einen deutlich zügigeren Start entsprechender Maßnahmen.

Nach einem akuten Koronarsyndrom soll die Rehabilitation demnach innerhalb von 14 Tagen, spätestens jedoch nach 30 Tagen beginnen. Nach einer aortokoronaren Bypassoperation wird ein Beginn innerhalb von 28 Tagen empfohlen; Verzögerungen von mehr als 42 Tagen sollen konsequent vermieden werden.

Inhaltlich heben die ESC-Leitlinien den Stellenwert von Krafttraining hervor, integrieren psychologische Betreuung sowie Telerehabilitation und formulieren erstmals spezifische Empfehlungen bei Vorhofflimmern.

Diskrepanzen bei den Versorgungsquoten

Die Notwendigkeit strukturierter Pfade wird durch aktuelle Teilnahmezahlen unterstrichen. In Deutschland liegt die Rehabilitationsquote nach einem akuten Koronarsyndrom laut Deutschem Herzbericht bei rund 31 Prozent, während sie bei Herzinsuffizienz lediglich 6 Prozent erreicht.

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In Frankreich betragen die Quoten laut Daten der ESC 25 Prozent nach einem akuten Koronarsyndrom, 10 Prozent bei Herzinsuffizienz und 5 Prozent bei chronischem Koronarsyndrom. Die Initiativen auf nationaler wie europäischer Ebene zielen darauf ab, diese Versorgungslücken durch standardisierte Prozesse und den frühzeitigen Beginn rehabilitativer Behandlungen nachhaltig zu schließen.

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