Red Storm Charlie: Bundeswehr und 60 zivile Organisationen üben in Hamburg
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Bereich der zivil-militärischen Zusammenarbeit markiert die dritte Auflage der Übungsreihe "Red Storm" einen signifikanten Ausbau der nationalen Krisenvorsorge.
Unter dem Namen "Red Storm Charlie" koordinieren die Bundeswehr und rund 60 zivile Organisationen in Hamburg komplexe Szenarien, um die Reaktionsfähigkeit bei Bedrohungen der kritischen Infrastruktur und militärischen Verlegungen zu optimieren. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem zwölf zivile Organisationen teilnahmen, hat sich die Beteiligung damit deutlich erhöht.
Fokus auf Infrastruktur und Versorgungssicherheit
Im Zentrum der Übung in Hamburg steht die Simulation einer Truppenverlegung in Richtung der NATO-Ostflanke. Dabei werden rund 500 Soldatinnen und Soldaten mit verschiedenen Krisensituationen konfrontiert, darunter Drohnenangriffe auf zivil-militärische Konvois, Sabotageakte gegen Züge mit Militärgütern sowie Chemieunfälle.
Ein Schwerpunkt liegt auf der medizinischen Versorgung: In einer Tiefgarage wird die Einrichtung einer Behelfsnotaufnahme zur Behandlung zahlreicher Verletzter trainiert.
Parallel zur militärischen Komponente erproben rund 250 Unternehmen im Rahmen von "Red Storm Business" ihre eigene Krisenfestigkeit. Dabei wird insbesondere das Verhalten bei einem simulierten Stromausfall getestet.
An der Übungsreihe sind unter anderem der Hamburger Innensenator Andy Grote (SPD) sowie Kapitän zur See Kurt Leonards, Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, beteiligt. Während der drei Übungstage kommen bis zu 70 Militärfahrzeuge sowie Hubschrauber zum Einsatz.
Regionale Schwerpunkte im Katastrophenschutz
Zusätzlich zu den Aktivitäten in Norddeutschland finden bundesweit weitere spezialisierte Übungen statt. Am 26. September 2026 beteiligen sich verschiedene Kommunen in Rheinland-Pfalz an einem landesweiten Übungstag für den Brand- und Katastrophenschutz.
In Mainz proben rund 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr zwischen 8 und etwa 14 Uhr die Bewältigung eines langanhaltenden Stromausfalls. Der Fokus liegt hierbei auf der Aufrechterhaltung der Kommunikations- und Versorgungsstrukturen sowie der Besetzung alternativer Notfallmeldestellen im Stadtgebiet, falls die Notrufe 110 und 112 ausfallen sollten. Begleitet wird die Übung von einer Verlegeübung des ASB-Landesverbandes Rheinland-Pfalz an der MEWA Arena.
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In Trier trainieren am selben Tag mehr als 150 Einsatzkräfte ein Unwetterszenario mit flächendeckendem Stromausfall. Hierbei wird ein im Jahr 2024 entwickeltes Notfunkkonzept unter Beteiligung des Technischen Hilfswerks (THW) und weiterer Hilfsorganisationen wie ASB, DRK, DLRG und Malteser getestet. Insgesamt werden 25 Notfall-Anlaufstellen im Stadtgebiet besetzt, unterstützt durch die Stadtwerke Trier und die Stadtverwaltung.
Spezialisierte Trainings und Pilotprojekte
Bereits vom 18. bis 20. September 2026 absolvierte der THW-Regionalbereich Karlstadt die Übung "MINERVA26" auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg. Rund 170 Einsatzkräfte aus acht Ortsverbänden trainierten Szenarien wie Sabotageakte auf kritische Infrastruktur und Drohnenangriffe auf Gebäude. Unterstützt wurde das THW dabei von Rettungshundefachgruppen, dem Bayerischen Roten Kreuz und der Bundeswehr.
Weitere spezialisierte Übungen umfassen:
* Main-Taunus-Kreis: Rund 150 Kräfte übten bei "Breakpoint 2026" in Mosbach den Einsatz nach einem schweren Erdbeben, bei dem Versorgungsleitungen und Verkehrswege beschädigt wurden.
* Bad Laasphe: Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst simulierten die Rettung von rund 20 Fahrgästen aus einem verunglückten Reisebus.
* Telekom: Das Unternehmen führt in Bad Reichenhall eine jährliche Katastrophenschutzübung durch, um den Ausfall von Mobilfunk und Internet bei Anschlägen oder Naturkatastrophen zu trainieren.
Ab Oktober 2026 startet zudem das Pilotprojekt "Resiliente Region Bamberg". Ziel ist die Entwicklung konkreter Handlungsempfehlungen für hybride Angriffe und Sabotageakte, die bis Herbst 2027 anderen Kommunen als Orientierung dienen sollen.
Strategische Ausrichtung bis 2040
Eine aktuelle Studie der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission (JRC) empfiehlt, den Katastrophenschutz bis zum Jahr 2040 verstärkt auf die Aufrechterhaltung der Infrastruktur auszurichten. Experten raten dazu, KI-gestützte Drohnen, digitale Karten von Stromnetzen und Roboter für gefährliche Einsatzorte zu integrieren.
Wenn 110 und 112 ausfallen, entscheidet die Notfallkommunikation über den Verlauf. In mehreren Städten werden dafür bereits alternative Notfallmeldestellen und Notfunk-Konzepte getestet. Der kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie zivil-militärische Zusammenarbeit strukturieren und Ihre Meldewege ausfallsicher aufstellen. Leitfaden zivil-militärische Zusammenarbeit sichern
Zudem wird eine engere europäische Koordinierung bei der Beschaffung und der Cyberresilienz gefordert, um auf die steigende Zahl von Aktivierungen des europäischen Katastrophenschutzmechanismus zu reagieren, der im vergangenen Jahr 64 Mal in Anspruch genommen wurde.
Auch international werden die Kapazitäten ausgebaut: Vom 6. bis 9. Oktober 2026 richtet die Schweiz erstmals eine großangelegte Bevölkerungsschutzübung im Rahmen des EU-Mechanismus aus, bei der rund 500 Beteiligte die internationale Hilfeleistung nach einem schweren Erdbeben koordinieren.
Mehr zum Thema bei WELT: „Krisenübung: Red Storm Charlie – wie die Bundeswehr und Zivilisten den Ernstfall trainieren“
