RED-S, Radsport

RED-S im Radsport: Clara Koppenburg hatte sechs Jahre keine Regelblutung

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 18:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Chronische Unterversorgung gefährdet die Gesundheit von Radsportprofis; UCI-Maßnahmen sind weiterhin nicht umgesetzt.

RED-S im Radsport: Teams und UCI reagieren nur zögerlich
Eine steile, einsame Bergstraße in einer kargen Alpenlandschaft bei bedecktem Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Im professionellen Radsport gilt ein gestörtes Essverhalten längst als strukturelles Problem. Recherchen von sportschau.de verdeutlichen den riskanten Umgang mit dem Körpergewicht sowie die gravierenden gesundheitlichen Konsequenzen für die Athletinnen und Athleten. Schätzungen zufolge sind zwischen 5 und 20 Prozent des Profifelds von dieser Problematik betroffen.

Das Streben nach dem vermeintlich optimalen Leistungsgewicht verleitet viele Aktive zu extremen Maßnahmen. Wie ein Sportschau-Beitrag im Ersten vom 25. September 2026 darlegte, dominiert in der Sportart weiterhin der Grundsatz, dass weniger Körpergewicht automatisch zu besseren Ergebnissen führe. Dies treibt die Sportler zunehmend in eine chronische Unterversorgung.

Das Syndrom RED-S und gravierende Spätfolgen

In der Sportmedizin wird dieses Krankheitsbild seit zehn Jahren unter dem Fachbegriff RED-S geführt, was für Relatives Energiedefizit im Sport steht. Entsteht eine dauerhafte Lücke zwischen der aufgenommenen Nahrungsenergie und dem extrem hohen Kalorienverbrauch im Wettkampf- und Trainingsbetrieb, drohen erhebliche Schäden. Zu den dokumentierten Symptomen zählen Leistungsabfall, Depressionen sowie eine signifikant verringerte Knochendichte.

Welche extremen Ausmaße die körperlichen Einschränkungen annehmen können, zeigt das Beispiel der 31-jährigen Radprofi-Athletin Clara Koppenburg, die über einen Zeitraum von sechs Jahren keine Regelblutung hatte.

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Ernährungswissenschaftler Karsten Köhler von der Technischen Universität München verweist auf die systemischen Grenzen der Ernährung während extrem fordernder Mehretappenrennen: Ein normales Verhältnis zum Essen sei während einer Veranstaltung wie der Tour de France schlichtweg unmöglich.

Zögerliche Maßnahmen der Teams und des Weltverbands

Trotz der bekannten Gefahren bleibt die Bereitschaft innerhalb der Szene, Transparenz zu schaffen, gering. Von den 20 größten Radsport-Teams antworteten lediglich fünf auf eine entsprechende Rechercheanfrage. Zu den wenigen Mannschaften, die proaktiv agieren, gehören Canyon-SRAM und Red Bull-Bora-hansgrohe, welche regelmäßige Screenings zur Früherkennung von RED-S durchführen.

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Nur wenige Teams führen regelmäßige Screenings zur Früherkennung von relativem Energiedefizit durch — und viele Athleten bleiben mit ihren Symptomen allein. Wenn Sie wissen wollen, welche Warnzeichen zählen und an wen Sie sich im Sport wenden können, gibt dieser kostenlose Leitfaden Ihnen konkrete Orientierung. Warnsignale und Ansprechpartner jetzt nachlesen

Gleichzeitig wächst die Kritik am Weltradsportverband UCI. Deena Blacking von der Fahrerinnenvereinigung The Cyclists' Alliance kritisierte den Verband für sein zögerliches Vorgehen. Zwar hatte die UCI im November 2024 verpflichtende RED-S-Untersuchungen sowie Messungen der Knochendichte gefordert und im September 2025 ein spezielles digitales Hilfsmittel für Teamärzte angekündigt.

Ein Jahr später ist dieses Instrumentarium jedoch weder fertiggestellt noch für die Teams verpflichtend vorgeschrieben. Auch UCI-Medizindirektor Xavier Bigard gestand diesbezüglich ein, dass der Verband bei der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen zu spät agiert habe.

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