Rechtskanzleien, Millionen

Rechtskanzleien investieren 460 Millionen in KI-Eigenentwicklungen

30.05.2026 - 04:40:38 | boerse-global.de

Führende Kanzleien investieren Milliarden in eigene KI-Systeme und treiben so den Wandel der Rechtsbranche massiv voran.

Rechtskanzleien investieren 460 Millionen in KI-Eigenentwicklungen - Foto: über boerse-global.de
Rechtskanzleien investieren 460 Millionen in KI-Eigenentwicklungen - Foto: über boerse-global.de

Große Rechtskanzleien investieren massiv in maßgeschneiderte KI-Lösungen und treiben damit den Wandel der gesamten Branche voran.

Die weltweite Rechtsbranche erlebt einen beispiellosen Digitalisierungsschub. Weg von allgemeinen KI-Werkzeugen, hin zu firmeneigenen Systemen und tief integrierten Plattformen – das ist der Trend im späten Mai 2026. Führende Kanzleien und Technologieanbieter investieren Milliarden, um komplexe juristische Prozesse zu automatisieren.

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Kanzleien setzen auf Eigenentwicklungen

Kirkland & Ellis kündigte am 28. Mai 2026 ein Investitionspaket von rund 460 Millionen Euro an. Über drei bis vier Jahre soll ein proprietäres KI-System entstehen, das die gesamte Mandatsarbeit abdeckt. Entwickelt wird es gemeinsam mit 250 Anwälten der Kanzlei, darunter 100 Partner. Der schrittweise Rollout beginnt im Sommer 2026.

Am selben Tag präsentierte Fried Frank seine Eigenentwicklung FundAssist. Das Tool, das rund zwei Jahre Entwicklungszeit benötigte, ist speziell für die Vermögensverwaltungspraxis konzipiert. Es basiert auf OpenAIs GPT-5.4-Modellen und ermöglicht die Erstellung mandantenspezifischer Präzedenzfall-Bibliotheken sowie die Generierung umfangreicher Fondsdokumente. Eine direkte Monetarisierung ist zunächst nicht geplant, doch Mandanten sollen künftig direkten Zugriff erhalten.

Intelligente Dokumentenverwaltung

Am 29. Mai 2026 stellte NetDocuments den branchenweit ersten „Legal Context Graph" vor. Die Plattform vernetzt Mandate, Projekte, Dokumente und Kommunikation in Echtzeit. Ausgewählte Kunden können bereits eine private Vorschau testen; eine öffentliche Demonstration ist für den 9. Juni 2026 geplant.

Im Vertragsmanagement-Sektor brachte Agiloft am 29. Mai 2026 Astra auf den Markt. Die KI-gestützte Analysesoftware richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen und ermöglicht die Bearbeitung von Verträgen direkt in Microsoft Word.

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CobbleStone Software präsentierte am 28. Mai 2026 neue KI-gesteuerte Workflow-Agenten, die Vertragsprüfungen und Lebenszyklusprozesse auf Basis von Geschäftsregeln automatisieren. Zeitgleich stellte Forlex sein „Professional OS" vor – eine Umgebung, die KI-Assistenten mit Dateiverwaltung, Kalendern und elektronischen Signaturen kombiniert. Über 100.000 Nutzer setzen die Plattform bereits ein.

Strategische Partnerschaften für breitere Zugänge

Thomson Reuters und Anthropic haben ihre Zusammenarbeit ausgeweitet. Das Claude-Modell wird in CoCounsel Legal integriert und nutzt dabei 1,9 Milliarden Dokumente aus Westlaw und Practical Law sowie 1,4 Milliarden KeyCite-Signale. Die allgemeine Verfügbarkeit der nächsten Generation ist für Sommer 2026 geplant.

Auch Berufsverbände fördern den KI-Zugang: Seit dem 28. Mai 2026 bietet die Illinois State Bar Association ihren Mitgliedern vergünstigten Zugang zu SimpleAI von SimpleDocs an. Das Tool, das von einem Lenkungsausschuss ausgewählt wurde, konzentriert sich auf Vertragserstellung und -prüfung in Microsoft Word.

Im Bereich Beziehungsmanagement entschied sich Ropes & Gray am 28. Mai 2026 für die Intapp DealCloud-Plattform. Das System nutzt KI-gestützte Intelligenz zur Verbesserung von Transaktionsabwicklung und Kundenbeziehungsmanagement.

Speziallösungen für Finanzen und Compliance

Efimis hat seinen KI-Assistenten Eve erweitert: Nutzer können nun per natürlicher Sprache auf Finanzdaten zugreifen, Rechnungen erstellen und Zeiterfassung per E-Mail durchführen.

Epiq hat sein Angebot an agentischer KI seit Januar 2025 auf 130 Kunden ausgeweitet. Die Module decken Kartellrecht und Privilegienprüfung ab. Casepoint führte zudem Erweiterungen für seine Plattform zu Legal Holds und E-Discovery ein, darunter neue Audio- und Video-Transkriptionsfunktionen.

Im Bereich der digitalen Transkription präsentierte DictationOne auf der LegalWeek 2026 neue Cloud-Workflows. Das Unternehmen bereitet die Veröffentlichung des SpeechLive Legal AI Assistant für August 2026 vor, der bei der Strukturierung von Dokumenten und der Erstellung von Zusammenfassungen helfen soll.

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