Rechtsherzinsuffizienz, HFSA

Rechtsherzinsuffizienz: HFSA fordert eigenständige Diagnose und Therapie

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein HFSA-Statement empfiehlt strukturierte Diagnostik und ein dreiteiliges Akutmanagement; der Überlebensvorteil von Klappeneingriffen bleibt ungeklärt.
Ein steriler, moderner klinischer Diagnostikraum mit medizinischen Instrumenten und sauberen Oberflächen in kühlem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Rechtsherzinsuffizienz wurde in der klinischen Praxis lange Zeit vorrangig als bloße Begleiterscheinung oder Spätfolge linksseitiger kardialer Erkrankungen betrachtet.

Eine wissenschaftliche Stellungnahme der Heart Failure Society of America (HFSA), die im Fachjournal Journal of Cardiac Failure publiziert wurde und über die am 27. Oktober 2026 berichtet wurde, plädiert für ein grundlegendes Umdenken in Diagnostik und Therapie.

Die Autoren des Papiers, Manreet K. Kanwar von der University of Chicago und Ryan J. Tedford von der Medical University of South Carolina, fordern darin, die Rechtsherzinsuffizienz künftig als eigenständiges klinisches Syndrom anzuerkennen.

Erhebliche Belastung für Patienten und Intensivstationen

Hintergrund dieser Neubewertung ist die ausgeprägte klinische und versorgungsökonomische Relevanz des Phänotyps. Dem Statement zufolge geht eine Rechtsherzinsuffizienz mit verlängerten Hospitalisierungen, einer erhöhten Inanspruchnahme von Betten auf Intensivstationen sowie einer hohen Rate an erneuten Krankenhausaufnahmen einher.

Die bisherige Einordnung als sekundäres Begleitphänomen werde der Komplexität des Verlaufs und den spezifischen Gefahren für die Betroffenen nicht gerecht.

Strukturierte multiparametrische Diagnostik

Um das Syndrom frühzeitig und verlässlich zu erfassen, formuliert das Statement konkrete diagnostische Empfehlungen. Vorgesehen ist ein strukturierter, multiparametrischer Ansatz, der vier Säulen kombiniert:

  • die eingehende klinische Untersuchung,
  • die Bestimmung spezifischer kardialer Biomarker,
  • eine gezielte echokardiographische Beurteilung sowie
  • invasive Messungen mittels Rechtsherzkatheteruntersuchung.
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Wer die Rechtsherzinsuffizienz bisher als bloße Begleiterscheinung linksseitiger Erkrankungen abgehakt hat, übersieht ein Syndrom mit verlängerten Hospitalisierungen und hohen Rehospitalisierungsraten. Der Leitfaden führt Sie in vier Schritten durch die multiparametrische Diagnostik — Klinik, Biomarker, Echo, Rechtsherzkatheter. Kostenlosen Praxisleitfaden jetzt anfordern

Erst das Zusammenspiel dieser Befunde ermögliche es, funktionelle und hämodynamische Einschränkungen der rechten Herzkammer differenziert zu beurteilen und therapeutische Entscheidungen fundiert zu treffen.

Drei-Säulen-Therapie für das Akutmanagement

Für Patienten mit akuter Rechtsherzinsuffizienz, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen, definiert die HFSA ein klares 3-Säulen-Konzept. Dieses zielt primär auf die Stabilisierung der Hämodynamik ab:

  1. Optimierung der rechtsventrikulären Vorlast (Preload),
  2. Senkung der Nachlast des rechten Ventrikels (RV-Afterload),
  3. Gezielte Unterstützung der Kontraktilität sowie Sicherung einer ausreichenden Organperfusion.

Gleichzeitig warnt die Fachgesellschaft vor unkritischen medikamentösen Extrapolationen. So soll eine für die pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH) spezifische Therapie bei pulmonaler Hypertonie, die infolge einer Linksherzerkrankung entstanden ist, ausdrücklich nicht routinemäßig zum Einsatz kommen.

Mechanische Kreislaufunterstützung und Klappeninterventionen

Für fortgeschrittene und refraktäre Krankheitsstadien beleuchtet das Statement apparative und interventionelle Optionen. Zur temporären mechanischen Kreislaufunterstützung kommen perkutane rechtsventrikuläre Unterstützungssysteme (perkutane RVAD), chirurgisch implantierte RVADs oder die venoarterielle extrakorporale Membranoxygenierung (VA-ECMO) in Betracht. Diese Systeme fungieren vor allem als Überbrückungsstrategie zur weiteren Stabilisierung oder zu definitiven Behandlungsentscheidungen.

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Auf der Intensivstation zählt bei akuter Rechtsherzinsuffizienz ein klarer Fahrplan: Preload optimieren, RV-Afterload senken, Kontraktilität und Organperfusion sichern. Der Leitfaden ordnet das 3-Säulen-Konzept ein und zeigt, wann mechanische Unterstützung als Überbrückung sinnvoll ist. 3-Säulen-Konzept als Leitfaden sichern

Zudem wird die interventionelle Klappentherapie bewertet: Bei Patienten mit hochgradiger Trikuspidalregurgitation kann eine Transkatheter-Trikuspidalintervention die klinischen Symptome lindern. Ob sich durch diese kathetergestützten Eingriffe jedoch auch ein Vorteil beim Gesamtüberleben erzielen lässt, bleibt nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand unklar.

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