Rechenzentren-Boom, EU-Hyperscaler

Rechenzentren-Boom: EU-Hyperscaler investieren 1,4 Billionen bis 2028

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 09:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU will mit günstigen Stromtarifen und schnelleren Genehmigungen den Rückstand zu USA und China im KI-Sektor aufholen.

EU plant Sondertarife für Rechenzentren im KI-Wettlauf
Reihen glühender Serverracks in einem Rechenzentrum mit dezenter holografischer Überlagerung der EU-Karte als Symbol für KI-Infrastruktur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Rechenzentren sollen künftig bevorzugten Zugang zum Stromnetz und vergünstigte Tarife erhalten. Hintergrund sind alarmierende Zahlen zur digitalen Infrastruktur: Europa hinkt den USA und China dramatisch hinterher.

Deutschland hinkt international hinterher

Eine am Montag veröffentlichte Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt das Ausmaß des Rückstands. Deutschland verfügt aktuell über eine angeschlossene Stromkapazität von rund 3.000 Megawatt (MW) – aber nur 15 Prozent davon entfallen auf KI-Anwendungen. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 40 Prozent steigen. Zum Vergleich: Die USA kamen 2024 auf 48 Gigawatt (GW), China auf 38 GW.

Die Investitionslücke ist noch eklatanter. Private KI-Investitionen erreichten in den USA 285,9 Milliarden US-Dollar, in China 12,4 Milliarden Dollar. Europa verzeichnet zwar rund 150 Milliarden Euro an Venture Capital für den Sektor – liegt damit aber meilenweit hinter den USA mit umgerechnet rund 930 Milliarden Euro. Die Folge: Rund zehn Prozent europäischer KI-Start-ups wandern ab, vor allem in die USA.

Amerikanische Dominanz auf dem europäischen Markt

Der europäische Cloud-Markt ist fest in US-Hand. AWS, Azure und Google Cloud kontrollieren gemeinsam 75 Prozent des EU-Marktes. Einheimische Anbieter kommen gerade einmal auf 13 Prozent. Diese Abhängigkeit zeigt sich auch beim geistigen Eigentum: Die Zahlungen der EU an US-amerikanische IP-Inhaber haben sich verfünffacht.

Kann Europa überhaupt noch aufholen? Experten fordern einen „Full-Stack“-Ansatz, wie ihn große US-Tech-Konzerne verfolgen. Diese entwickeln zunehmend eigene Spezialchips und integrierte Rechenzentrumsumgebungen, um sich von Drittanbietern unabhängig zu machen. 2025 produzierten die USA 59 bedeutende KI-Modelle, China 35. Für Europa fehlen vergleichbare Zahlen.

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Stromnetz wird zum Nadelöhr

Der Ausbau europäischer Rechenzentren stockt gewaltig. In Irland verschlangen die Datencenter 2025 bereits 23 Prozent des gesamten Stromverbrauchs – vor zehn Jahren waren es nur fünf Prozent. Die Übertragungsnetzbetreiber gaben 2024 rund 4,3 Milliarden Euro für Engpassmanagement aus. Wartezeiten für neue Netzanschlüsse? In Europa oft über zwei Jahre, in manchen Fällen sogar sieben bis zehn Jahre.

Die Folgen sind konkret spürbar. In Babenhausen (Hessen) stoppte der Betreiber Stack Infrastructure kürzlich ein geplantes 3-Milliarden-Euro-Projekt für ein Hyperscale-Rechenzentrum. Grund: lokaler Widerstand und unklare Genehmigungsverfahren. Die Behörden hatten offenbar Nachhaltigkeitsauflagen und eine 250-Millionen-Euro-Bürgschaft gefordert.

Finnland zeigt, wie es geht

In Seinäjoki, Finnland, hat Pure Data Centres Group die erste Phase eines Campus gestartet. Die Gesamtinvestition soll 7,5 Milliarden Euro übersteigen. Die erste Ausbaustufe mit 110 MW ist bereits vollständig vermietet.

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EU plant Sondertarife und beschleunigte Verfahren

Die EU-Kommission reagiert nun mit einem Maßnahmenpaket. Geplant sind sogenannte „Sondertarife“ für Rechenzentren sowie eine bevorzugte Netzanbindung. Auch Deutschland will Genehmigungsverfahren beschleunigen und hofft auf eine „KI-Gigafactory“ im eigenen Land.

Der finanzielle Aufwand im globalen Wettlauf ist atemberaubend. Allein die kombinierten Investitionen von Google, Amazon, Microsoft und Meta sollen 700 Milliarden Dollar übersteigen. Analysten von Morgan Stanley beobachten zudem steigende Baukosten: Bei hochwertigen Anlagen verteuern sich die Kosten pro Gigawatt um 16 bis 20 Prozent – verursacht durch Inflation und die technischen Anforderungen moderner KI-Hardware. Bis 2028 sollen die Investitionen der Hyperscaler weltweit auf fast 1,4 Billionen Dollar klettern.

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