Rauchen, Gehirn

Rauchen und Gehirn: Pro 20 Zigaretten steigt Demenzrisiko um 34%

27.05.2026 - 13:39:18 | boerse-global.de

Mediziner warnen vor massiven Hirnschäden durch Tabak. Jährlich sterben in Deutschland rund 127.000 Menschen an den Folgen des Rauchens.

Rauchen und Gehirn: Pro 20 Zigaretten steigt Demenzrisiko um 34% - Foto: über boerse-global.de
Rauchen und Gehirn: Pro 20 Zigaretten steigt Demenzrisiko um 34% - Foto: über boerse-global.de

Vor dem Weltnichtrauchertag am 31. Mai warnen Mediziner vor einer unterschätzten Gefahr: Tabak schädigt nicht nur Lunge und Herz, sondern auch das Gehirn massiv. Besonders alarmierend: Junge Menschen greifen wieder häufiger zur Zigarette.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) schlägt Alarm. Rauchen erhöht das Risiko für Schlaganfälle und Demenzerkrankungen enorm. Aktuelle Raucher haben ein 30 Prozent höheres Risiko, an Demenz zu erkranken. Bei Alzheimer liegt die Risikoerhöhung sogar bei 40 Prozent, bei vaskulärer Demenz bei 38 Prozent.

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Pro 20 Zigaretten steigt das Demenzrisiko um 34 Prozent

Prof. Dr. Peter Berlit von der DGN erklärt den dosisabhängigen Zusammenhang: Pro 20 täglich konsumierten Zigaretten steigt das Demenzrisiko um weitere 34 Prozent. Tabak gilt als zweitwichtigster Risikofaktor für ischämische Schlaganfälle – verantwortlich für 14,6 Prozent der dadurch verlorenen gesunden Lebensjahre.

Doch die Schäden beschränken sich nicht auf das Gehirn. Rauchen begünstigt auch die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), vor allem bei Frauen. Bei bestehenden Nervenerkrankungen wie Polyneuropathie behindert Tabak die Regeneration. Positiv: Ehemalige Raucher haben kein erhöhtes Risiko mehr – ein frühzeitiger Rauchstopp lohnt sich also.

Jugendliche rauchen wieder mehr – E-Zigaretten treiben den Trend

Trotz dieser Warnungen zeigt sich eine Trendwende beim Konsumverhalten. Der Mikrozensus 2025 belegt: 19,1 Prozent der Bevölkerung rauchen gelegentlich – ein leichter Anstieg gegenüber 2021. Besonders kritisch: Bei den 15- bis 24-Jährigen stieg die Quote auf 15,6 Prozent.

Die Drogenaffinitätsstudie 2025 bestätigt den trend für 12- bis 17-Jährige. Hier rauchen aktuell 9,6 Prozent, 2021 waren es nur 6,1 Prozent. Auffällig: Der Anteil rauchender Mädchen liegt nun bei 9,3 Prozent – ein deutlicher Anstieg.

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Vaping: Die unterschätzte Gefahr

Jeder vierte Jugendliche hat bereits Erfahrungen mit E-Zigaretten. 6,7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen vapen regelmäßig – mehr als doppelt so viele wie 2021. Viele halten Vapes für harmlos. Doch Forscher warnen: Nikotinhaltige E-Zigaretten verursachen wahrscheinlich Mund- und Lungenkrebs.

Beim Erhitzen der Liquids entstehen krebserzeugende Substanzen wie Formaldehyd und Acetaldehyd. Das in 90 Prozent der Liquids enthaltene Nikotin gelangt innerhalb von 27 Sekunden ins Gehirn – ein hohes Suchtpotenzial. Auch nikotinfreie Varianten schädigen das Herz-Kreislauf-System. Nikotinbeutel, trotz Verkaufsverbot bereits von 5,5 Prozent der Jugendlichen probiert, verschärfen die Lage.

127.000 Todesfälle pro Jahr – Deutschland verfehlt seine Ziele

Jährlich sterben in Deutschland 127.000 bis 130.000 Menschen an den Folgen des Rauchens – etwa 14 Prozent aller Todesfälle. Hinzu kommen rund 85.000 Krebserkrankungen pro Jahr durch Tabak. In Österreich zeichnet sich ein ähnliches Bild: Dort sterben jährlich über 8.500 Menschen durch Rauchen, etwa 10 Prozent der Gesamtmortalität.

Suchtforscher Prof. Dr. Heino Stöver kritisiert: Deutschland verfehlt seine selbstgesteckten Ziele weit. Das Projekt „rauchfrei 2040“ – eine Raucherquote unter 5 Prozent – rückt in weite Ferne. Aktuell rauchen 25 bis 32 Prozent der Erwachsenen. Besonders problematisch: 78 Prozent der Vaper konsumieren parallel herkömmliche Zigaretten („Dual Use“). Das erschwert den Entzug und erhöht die gesundheitliche Belastung.

Strengere Regeln gefordert

Angesichts der alarmierenden Daten fordern Experten und Politiker konsequente Maßnahmen. Der Bundesdrogenbeauftragte Streeck drängt auf ein Verbot von Aromen in E-Zigaretten, um sie für Jugendliche unattraktiver zu machen. Auch Außenwerbeverbote, Einheitsverpackungen und höhere Tabaksteuern stehen im Raum. Das Bundesernährungsministerium plant bereits ein Verbot von 13 Inhaltsstoffen, darunter Menthol.

Suchtforscher plädieren für einen differenzierten Ansatz: Strikte Verbote für Jugendliche, aber bei erwachsenen Langzeitrauchern eine Unterscheidung zwischen hochgefährlichen Verbrennungszigaretten und risikoärmeren Alternativen. Ziel: Nikotin darf in keiner Form – ob Zigarette, Vape oder Beutel – zum dauerhaften Alltagsbegleiter junger Generationen werden.

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