Raspire startet: Laufzeit-Schutz für Apps ohne Code-Änderungen
24.06.2026 - 19:25:13 | boerse-global.de
Raspire startet heute offiziell durch und verspricht: Schutz für Android und iOS – ohne dass Entwickler auch nur eine Zeile Code ändern müssen.
Der Clou liegt im Timing. Statt Sicherheitslücken schon während der Entwicklung zu suchen, greift Raspire erst nach dem Build-Prozess ein. Die Plattform schützt die fertige Anwendung zur Laufzeit. Das klingt simpel, ist aber ein Paradigmenwechsel. Bislang waren Unternehmen gezwungen, Sicherheits-SDKs in ihre Apps einzubetten – ein aufwändiger Prozess, der oft neue Fehler produziert.
Die ersten Zahlen können sich sehen lassen: Über 20 Millionen Nutzer in 25 verschiedenen Anwendungen sind bereits geschützt. Rund 50.000 Angriffe hat die Plattform nach eigenen Angaben abgewehrt. 16 Kunden aus den Bereichen Banking, Fintech, Gesundheitswesen und E-Commerce setzen bereits auf die Technologie.
Warum herkömmliche Sicherheitschecks nicht mehr reichen
Die Branche diskutiert seit langem über die Grenzen klassischer Sicherheitsscans. Experten von Guardsquare betonten erst gestern in einer Fachdebatte: Wer nur vor dem Release prüft, handelt fahrlässig. Moderne Angreifer zielen auf die Laufzeitumgebung ab – genau dort, wo herkömmliche Scanner blind sind.
Besonders brisant: Auch iOS gilt nicht mehr als sichere Festung. Manipulation und Repackaging von Apps sind reale Geschäftsrisiken. Die Lösung liegt laut Fachleuten im Compiler-Level-Schutz, der tiefer in die App-Struktur eingreift als einfache Wrapper.
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KI-Code birgt neue Gefahren
Der Hype um Künstliche Intelligenz in der Softwareentwicklung verschärft das Problem zusätzlich. Eine aktuelle Studie des Unternehmens Bubble, veröffentlicht am 23. Juni, untersuchte 1.600 Anwendungen. Das alarmierende Ergebnis: Rund zehn Prozent der Apps leckten Daten. Die Ursachen sind oft banal – fehlende Verschlüsselung, schwache Authentifizierung, ungeschützte API-Keys.
Für deutsche und europäische Unternehmen kommt hinzu: Die DSGVO und andere Regularien wie PCI DSS zwingen zu strengen Sicherheitsmaßnahmen. Der Markt für Mobile Device Management (MDM) wächst rasant – von geschätzten 11,11 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf prognostizierte 26 Milliarden Euro bis 2031.
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Große Player investieren massiv
Dass das Thema oben auf der Agenda steht, zeigt ein Blick auf die Branche. Der Reisekonzern Agoda schrieb gestern ein öffentliches Bug-Bounty-Programm auf HackerOne aus. Bis zu 6.000 Euro winken Forschern, die Sicherheitslücken in den mobilen Apps und APIs finden. Zuvor hatte das Unternehmen zehn Jahre lang nur auf private Tests gesetzt.
Und Stripe, der globale Zahlungsdienstleister, sucht seit heute einen Mobile Security Engineer. Die Aufgabe: Endgerätesicherheit für über 10.000 Geräte und der Schutz der gesamten iOS-Infrastruktur. Ein klares Signal, dass mobile Sicherheit für Zahlungsplattformen zur Überlebensfrage wird.
Raspire selbst hat bislang 505.000 Euro eingesammelt und sucht nun drei Millionen Euro in einer Seed-Runde. Damit will das Startup gegen etablierte Konkurrenten wie Appdome, Guardsquare und Zimperium antreten. Angesichts der Marktdynamik keine schlechte Ausgangsposition.
