Ransomware-Zahlung: Schweizer Rüstungskonzern RUAG zahlt Erpresser
06.06.2026 - 20:45:28 | boerse-global.de
Der bundeseigene Schweizer Rüstungskonzern RUAG hat nach einem Cyberangriff auf seine US-Tochter ein Lösegeld an die Erpresser gezahlt. Dies bestätigte Verwaltungsratspräsident Jürg Rötheli am Samstag im Interview mit dem Schweizer Rundfunk SRF.
Daten nach Angriff im Herbst 2025 wiederhergestellt
Der Cyberangriff ereignete sich im Herbst 2025 und traf die in Virginia ansässige Tochtergesellschaft Ruag LLC. Die Hacker der Gruppe Akira erbeuteten dabei 24 Gigabyte an Daten und erpressten das Unternehmen anschließend.
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Rötheli zufolge entschied sich RUAG zur Zahlung einer geringen Summe an die Erpresser. Das Ergebnis: Die gestohlenen Daten konnten vollständig zurückgewonnen werden. Während der Verwaltungsratspräsident die Summe als gering bezeichnete, berichten andere Quellen von einem niedrigen sechsstelligen Betrag – umgerechnet also zwischen 100.000 und 300.000 Euro.
Die Entscheidung fiel nach Konsultationen mit US-amerikanischen Cyberrechtsexperten.
Bruch mit Bundesempfehlungen
Die Zahlung widerspricht den offiziellen Empfehlungen des Schweizer Bundesamts für Cybersicherheit (FOCBS) und der gesamten Bundesregierung. Diese raten eindringlich von Lösegeldzahlungen ab – aus gutem Grund: Solche Zahlungen ermutigen Kriminelle zu weiteren Angriffen, und eine Rückgabe der Daten ist keineswegs garantiert.
Besonders brisant: RUAG informierte den Eigentümervertreter – das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) – nicht über die Zahlung. Der Konzern regelte die Angelegenheit intern und mit externen Anwälten.
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Politischer Gegenwind und Signalwirkung
Die Enthüllung hat scharfe Kritik ausgelöst. Mauro Tuena, Sicherheitsexperte der Schweizerischen Volkspartei (SVP), warnte vor dem falschen Signal an andere kriminelle Organisationen. Ein Staatsunternehmen, das Erpressungsforderungen nachkomme, könnte Bundesbehörden zu attraktiveren Zielen für Ransomware-Angriffe machen.
Die genaue Art der gestohlenen Daten bleibt unklar. RUAG hat nicht preisgegeben, ob sich darunter sensible militärische Informationen befanden. Der Vorfall zeigt einmal mehr: Selbst staatliche Rüstungskonzerne sind vor Cyberkriminellen nicht gefeit – und der schmale Grat zwischen Schadensbegrenzung und Präzedenzfall bleibt eine heikle Gratwanderung.
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