Ransomware: KI-Angriffe treffen 7.831 Opfer – 389% Anstieg
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 16:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die globale Bedrohungslage durch Ransomware hat sich durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im laufenden Jahr drastisch verschärft. Wie aus dem aktuellen „2026 Global Threat Landscape Report“ des Cybersicherheitsunternehmens Fortinet hervorgeht, stieg die Zahl der Ransomware-Opfer durch KI-gesteuerte Automatisierung um 389 Prozent an. Während im Vorjahr noch etwa 1.600 Fälle verzeichnet wurden, belief sich die Zahl der Betroffenen im Jahr 2026 bereits auf 7.831.
Beschleunigte Angriffszyklen und sinkende Entdeckungszeiten
Ein wesentliches Merkmal der aktuellen Entwicklung ist die Geschwindigkeit, mit der Angreifer operieren. Die durchschnittliche Zeit bis zur Erkennung eines Eindringens (Time to Detection, TTE) sank laut Fortinet von zuvor 4,76 Tagen auf nunmehr 24 bis 48 Stunden. Diese Beschleunigung wird primär auf den verstärkten Einsatz automatisierter Prozesse zurückgeführt.
Parallel dazu verlagern sich die Angriffsmethoden im Bereich der Cloud-Infrastrukturen. Zwar gingen Brute-Force-Versuche um 22 Prozent zurück, machten mit 676,5 Milliarden Ereignissen jedoch weiterhin einen erheblichen Teil der Aktivitäten aus. Ein Großteil der Cloud-Vorfälle sei mittlerweile auf den gezielten Diebstahl von Zugangsdaten zurückzuführen.
Infostealer als Wegbereiter für großflächige Datenverstöße
Ergänzende Analysen des Sicherheitsanbieters Flashpoint stützen diesen Trend. In der ersten Jahreshälfte 2026 wurden weltweit 7,4 Millionen Geräte mit sogenannter Infostealer-Malware infiziert, was einer Steigerung von 27 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Halbjahr entspricht. Dabei wurden etwa 1,7 Milliarden Zugangsdaten entwendet. Zu den am häufigsten identifizierten Varianten gehören Vidar, StealC und Lumma.
Fortinet konkretisierte die Verteilung der Infostealer-Logs, die insgesamt um 79 Prozent zunahmen. Die Malware RedLine war dabei für 50,80 Prozent der Infektionen (911.968 Fälle) verantwortlich, gefolgt von Lumma mit 27,84 Prozent (499.784 Fälle) und Vidar mit 13,19 Prozent (236.778 Fälle).
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Branchenspezifische Auswirkungen und wirtschaftliche Schäden
Die finanziellen Folgen dieser Entwicklung erreichen neue Rekordmarken. Laut Erhebungen von IBM stiegen die durchschnittlichen Kosten eines Datenverstoßes um 12 Prozent auf 4,99 Millionen US-Dollar. Bei Angriffen, die explizit unter Einsatz von KI durchgeführt wurden, lagen die Kosten mit durchschnittlich 6,04 Millionen US-Dollar sogar noch deutlich höher. Hier beobachteten die Experten eine Zunahme der Vorfälle um 56 Prozent.
Unterschiedliche Branchen sind in differenzierter Intensität betroffen:
- Bildungssektor: Check Point berichtete für den Juli 2026 von durchschnittlich 4.848 wöchentlichen Angriffen pro Organisation, was einem Anstieg von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
- Industrie: Das Unternehmen Dragos verzeichnete im zweiten Quartal 2026 einen Anstieg der Ransomware-Angriffe auf Industrieorganisationen um 12 Prozent auf insgesamt 1.140 Vorfälle.
- Mittelstand: Black Kite wies darauf hin, dass sich die Angriffe auf Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 1 Million und 5 Millionen US-Dollar fast verdoppelten.
Als besonders aktive Akteure traten in den letzten Monaten Gruppierungen wie Qilin, Akira und die Organisation „The Gentlemen“ in Erscheinung. Allein Qilin wurde von Black Kite mit 1.358 Opfern in Verbindung gebracht.
Technologische Professionalisierung im Untergrund
Die technologische Aufrüstung der Angreifer manifestiert sich in neuen Werkzeugen. Sicherheitsforscher von Kaspersky identifizierten mit „JADEPUFFER“ eine LLM-gesteuerte Ransomware, die einen vollständigen Angriffszyklus in lediglich 31 Sekunden absolvieren könne. Zudem verbreite die APT-Gruppe SilverFox Malware über manipulierte Anwendungen, die sich als legitime KI-Software tarnen.
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Auch im Bereich der Dienstleistungen für Cyberkriminelle findet eine Kommerzialisierung statt. Berichten von Trellix zufolge wird auf einschlägigen Plattformen ein abonnementbasierter Dienst namens „MessiahGPT“ für monatlich 8 US-Dollar angeboten, der Phishing-Kits und Malware bewirbt.
Zudem belegten Untersuchungen von Gambit Security, dass legitime Programmierwerkzeuge wie „Claude Code“ von Angreifern missbraucht wurden, um Datenbanken zu bewerten und Informationen automatisiert zu exfiltrieren, wie ein Vorfall bei einem australischen Energieversorger Ende Juni zeigte.
