Ransomware-Angriffe, Anstieg

Ransomware-Angriffe: 62% Anstieg und 93 aktive Gruppen weltweit

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Remote-Ransomware-Attacken steigen um 62 Prozent, während Lösegeldzahlungen auf 23 Prozent fallen. KI beschleunigt Angriffe, Identitätsdiebstahl dominiert.

Ransomware-Angriffe 2026: KI beschleunigt Erpressung, Zahlungsbereitschaft sinkt
Ein beleuchteter Netzwerkschalter in einem dunklen Serverraum als Symbol für eine Cyber-Sicherheitsbedrohung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Analysen von Sicherheitsforschern belegen eine alarmierende Entwicklung im Bereich der Cyberkriminalität. Insbesondere Remote-Ransomware-Angriffe sind in den letzten Monaten stark angestiegen und fordern traditionelle Schutzmechanismen heraus. Während die Zahl der aktiven Akteure Rekordwerte erreicht, sinkt die Bereitschaft der Opfer zur Lösegeldzahlung auf einen historischen Tiefstand.

Sicherheitsberichte von Check Point Research vom 13. August 2026 verdeutlichen ein Versagen herkömmlicher Verteidigungsstrategien gegen moderne Verschlüsselungstaktiken. Demnach verzeichnete die Branche einen Anstieg von Remote-Ransomware-Angriffen um 62 Prozent.

Im zweiten Quartal 2026 wurden insgesamt 2.139 Opfer auf sogenannten Leak-Sites identifiziert, was einer Steigerung von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Besonders auffällig ist die Fragmentierung der Szene: Mit 93 aktiven Gruppen wurde ein neuer Rekordwert erreicht.

Dominante Akteure und technologische Beschleunigung

Die Gruppe Qilin führte die Statistik mit 279 Opfern an, verzeichnete jedoch einen Rückgang von 17 Prozent. Im Gegensatz dazu konnte die Gruppierung „The Gentlemen“ ihre Opferzahlen um 62 Prozent auf 269 steigern.

Analysen des Kernteams von „The Gentlemen“, das aus etwa neun Personen bestehen soll, zeigen den wachsenden Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI). Die Gruppe nutzte laut den Sicherheitsforschern KI-Coding-Assistenten, um ein Administrations-Panel innerhalb von nur drei Tagen zu entwickeln.

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Auch Sophos berichtete Mitte August 2026 über die beschleunigende Wirkung von KI. In Tests konnten 12 KI-Agenten rund 80 Malware-Module innerhalb weniger Tage erproben. Der Einstiegsvektor hat sich dabei signifikant verschoben: Identitätsbasierte Angriffe haben Software-Schwachstellen als primäres Einfallstor abgelöst.

Vier von fünf Angriffen beginnen mittlerweile mit der Kompromittierung von Identitäten. Bösartige E-Mails machen 26 Prozent der Fälle aus, gefolgt von Phishing (24 Prozent) und kompromittierten Zugangsdaten (23 Prozent).

Neue Bedrohungen aus dem asiatischen Raum

Microsoft identifizierte am 13. August 2026 die mit China verbundene Gruppe Storm-1175, die eine neue, in C++ geschriebene Ransomware namens StormEncryptor einsetzt. Diese ersetzt die bisher genutzte Medusa-Variante und zielt vor allem auf Einrichtungen im Gesundheitswesen, im Bildungsektor und in der Finanzbranche in den USA, Großbritannien und Australien ab. Die Angreifer agieren mit hoher Geschwindigkeit; zwischen dem ersten Eindringen und der Verschlüsselung vergehen oft weniger als 24 Stunden.

Parallel dazu veröffentlichten mehrere US-Behörden, darunter das FBI, die CISA und die NSA, gemeinsam mit der koreanischen Polizei am 10. August 2026 eine Warnung vor der Gunra-Ransomware. Diese nutzt Schwachstellen in Fortinet-Produkten sowie schwache VPN-Zugangsdaten aus.

In einer Linux-Variante von Gunra entdeckten Experten jedoch einen kryptografischen Fehler: Da der Schlüsselgenerator auf Zeitstempeln basiert, lassen sich Schlüssel unter bestimmten Umständen rekonstruieren.

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Rückläufige Zahlungsbereitschaft trotz steigender Schäden

Trotz der Intensivierung der Angriffe sinkt die Quote der Lösegeldzahlungen kontinuierlich. Laut Check Point Research fiel die Zahlungsrate auf 23 Prozent, nachdem sie im Jahr 2019 noch bei 85 Prozent gelegen hatte.

Dennoch erreichten die On-Chain-Zahlungen im Jahr 2025 einen Wert von über 820 Millionen US-Dollar. Marktforscher von Flashpoint bestätigten diesen Trend in ihrem Midyear Report 2026 und bezifferten die Zahlungsrate auf einen möglichen Tiefstand von 28 Prozent.

Gleichzeitig steigen die wirtschaftlichen Belastungen für betroffene Unternehmen. Sophos bezifferte die durchschnittlichen Wiederherstellungskosten auf rund 1,7 Millionen US-Dollar. Die Professionalisierung der Angreifer zeigt sich auch in gezielten Umgehungsmanövern.

Im Fall der Akira-Ransomware wurde Anfang August 2026 beobachtet, wie Angreifer über einen VPN-Zugang ohne Multifaktor-Authentifizierung (MFA) eindrangen und Sicherheitssoftware (EDR) durch einen Neustart des Systems im abgesicherten Modus von Windows deaktivierten. Der Datendiebstahl erfolgte dabei in weniger als fünf Stunden.

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