Ramipril-Warnung: MHRA findet vierfache Überdosis in Packungen
21.06.2026 - 15:42:32 | boerse-global.de
Die Arzneimittelbehörde MHRA warnt vor schwerwiegenden Verpackungsfehlern des Herstellers Crescent Pharma. In 10-mg-Kartons stecken teilweise Kapseln mit einer anderen Dosierung.
Vierfache Überdosis möglich
Die MHRA informierte am 19. und 20. Juni über fehlerhafte Chargen. Konkret wurden 10-mg-Kapseln in Verpackungen für die 2,5-mg-Dosierung gefunden (Charge GR155023). Das Risiko: eine potenzielle vierfache Überdosierung. In anderen Fällen enthielten 10-mg-Kartons lediglich Blister mit 5-mg-Wirkstoffgehalt.
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Dr. Alison Cave, Sicherheitsbeauftragte der MHRA, warnt vor ernsthaften Nebenwirkungen. Bei gefährdeten Patienten könnten Schwindel, Ohnmacht oder Nierenfunktionsstörungen auftreten. Patienten sollen ihre Medikamente auf Abweichungen zwischen Außenkarton und Blisterinhalt prüfen.
Das Risiko einer zu niedrigen Dosierung stuft die Behörde als geringer ein. Trotzdem müssen auch diese Packungen ausgetauscht werden.
Neuraxpharm ruft Pramipexol zurück
Neben Ramipril gibt es einen weiteren Rückruf. Neuraxpharm meldete am 21. Juni 2025 einen Rückruf für Pramipexol auf Apothekenebene. Grund sind geringfügige Abweichungen beim Wirkstoffgehalt, die bei Stabilitätsuntersuchungen auffielen.
Deutscher Markt: Preise stabil, Versorgung breit
Auf dem deutschen Markt zeigt sich die Versorgung mit Ramipril-Präparaten breit aufgestellt. Stand Juni 2026 werden Ramilich-Tabletten von Zentiva Pharma in der 10-mg-Dosierung für 5,00 Euro (20 Stück) gelistet. Größere Gebinde wie Ramipril-Tabletten von 1 A Pharma (100 Stück à 5 mg) kosten rund 13,67 Euro.
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Eine aktualisierte Liste vom 15. Juni zeigt: Viele Medikamente bleiben für gesetzlich Versicherte zuzahlungsbefreit. Neben Ramipril finden sich dort Wirkstoffe wie Aripiprazol, Alendronsäure oder Amiodaron.
In der Produktion greifen Hersteller teils auf internationale Wirkstoffe zurück. Der chinesische Produzent Ningbo Inno Pharmchem bietet Ramipril mit einer Reinheit von mindestens 98 Prozent an.
Lieferengpässe in Großbritannien
Trotz stabiler Preise in Deutschland warnen Mediziner im Vereinigten Königreich vor Engpässen. Neben Ramipril und Irbesartan ist besonders das Verdauungsenzym Creon betroffen. Wegen Produktionslimits rechnen Experten bis 2027 mit Einschränkungen.
Die Ursachen: logistische Probleme infolge regionaler Konflikte im Mittleren Osten und begrenzte globale Produktionskapazitäten.
Transatlantischer Konflikt um Arzneimittelpreise
Parallel dazu verschärft sich ein handelspolitischer Streit. Bundeskanzler Merz forderte am 19. Juni von den USA die Einhaltung bestehender Zollvereinbarungen. Die US-Handelsbeauftragten hatten eine Untersuchung eingeleitet. Sie prüfen, ob die deutsche Erstattungspolitik für Arzneimittel eine systematische Unterpreisung darstellt.
Im Raum stehen US-Zölle von bis zu 12,5 Prozent auf deutsche Waren. Merz betonte: Die Ausgestaltung der Erstattungssysteme falle in nationale Zuständigkeit. Das EU-Parlament stimmte bereits für eine Abschaffung von Zöllen in diesem Bereich. Die Zustimmung des Rates steht noch aus.
