Raiffeisen, Twint

Raiffeisen und Twint: 1,3 Millionen Kunden brauchen ab November eine Zweit-App

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 07:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Raiffeisen führt eine zusätzliche Twint-App ein; international setzen Institute auf biometrische Freigaben und Empfängerprüfungen.
Ein minimalistisch gestalteter Innenraum eines modernen Bankgebäudes mit klaren Linien und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Finanzinstitute und Zahlungsdienstleister weltweit verstärken ihre Sicherheitsvorgaben und etablieren zusätzliche, verbindliche Bestätigungsschritte für Transaktionen, die über die herkömmliche Eingabe von PIN-Codes hinausgehen. Angesichts veränderter Angriffsmuster setzen Institute zunehmend auf mehrstufige Autorisierungen, biometrische Verfahren und getrennte Sicherheitsanwendungen.

Zweite Anwendungen und Empfängerprüfungen in Europa

In der Schweiz führt die Raiffeisen als erste Bank eine gesonderte Zweit-App für die Nutzung der Bezahl-App Twint ein. Davon sind 1,3 Millionen Kunden betroffen. Für Raiffeisen-Kunden, die das mobile Bezahlsystem neu einrichten oder ihr Smartphone wechseln, gilt die Nutzung der Anwendung debiX+ des Dienstleisters SIX ab November 2026 als verpflichtend.

Ab dem Frühjahr 2027 wird zudem die Freigabe bestimmter Transaktionen im Sinne einer Zweifaktorauthentifizierung über die Zusatzanwendung verlangt. Andere Institute wie die UBS und die Zürcher Kantonalbank setzen für sicherheitsrelevante Freigaben bereits auf eigene Zusatz-Apps.

Gleichzeitig verschärfen Aufsichtsbehörden die Bestätigungsprozesse bei Überweisungen. Die Tschechische Nationalbank plant vor der Autorisierung von Inlandsüberweisungen in tschechischen Kronen eine verpflichtende Überprüfung des Empfängerkontos nach portugiesischem Vorbild.

Der Regulierungschef der Notenbank, Vodrážka, verwies darauf, dass in Portugal der Anteil von Überweisungen mit manipulierten Zahlern innerhalb von drei Jahren von 60 auf 16 Prozent gesunken sei.

Nach Angaben der tschechischen Bankenvereinigung ?BA erreichten die Schäden durch Cyberkriminalität in Tschechien in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 eine Höhe von 1,9 Milliarden Kronen, was einem Zuwachs von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Der durchschnittliche Schaden je Bankkunde kletterte auf 30.335 Kronen, ein Plus von 10.000 Kronen. Wie ein Sprecher der Vereinigung erklärte, wird die neue EU-Zahlungsdiensteverordnung im ersten Quartal 2027 erwartet; die Verifikation des Empfängers bei Euro-Echtzeitüberweisungen werde für tschechische Banken bis Juli 2027 Pflicht.

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Biometrische Hürden und internationale Umstellungen

Auch außerhalb Europas rücken mehrstufige Prüfungen in den Mittelpunkt. Die südostasiatische Großbank CIMB verlangt seit dem 19. September 2026 für sämtliche Online-Transaktionen über das Webportal sowie auf Händlerseiten eine Freigabe über das eigene System SecureTAC.

Die Bestätigung erfolgt wahlweise per Biometrie wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung oder über einen Geräte-Passcode in der Anwendung CIMB OCTO. Sind diese Authentifizierungsmerkmale nicht aktiviert, quittiert das System Freigabeversuche mit einer Fehlermeldung.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten sperren Banken den Zugang zu Smart-Banking-Apps für Nutzer, die ihre Erfassung von Gesichts- und Irisdaten noch nicht abgeschlossen haben. Die aserbaidschanische Birbank ersetzt bei ihren mehr als drei Millionen aktiven Nutzern frühere Bestätigungen per SMS-Code oder 3D Secure durch das digitale Verfahren S?MA ?mza.

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Wandel der Betrugsmuster erfordert neue Schutzschritte

Hintergrund der verschärften Kontrollen ist eine Verschiebung der Kriminalitätsformen weg von reinem Datendiebstahl hin zu direkter Manipulation der Nutzer. Das Technologieunternehmen Broadcom brachte ein Schutzsystem gegen Betrug durch Social Engineering bei Transaktionen ohne Kartenvorlage auf den Markt.

Das Unternehmen verzeichnete bei eigentlich erfolgreich authentifizierten Transaktionsanforderungen im Verlauf von zwölf Monaten ein Betrugsvolumen von fast 500 Millionen US-Dollar. In einem Testlauf konnte das System Betrugsschäden in Höhe von 4 Millionen US-Dollar innerhalb eines Monats abwehren, bei einer Verringerung der Erfolgsquote bei Autorisierungen um 0,38 Punkte.

Daten der philippinischen Bank BPI zeigen die Bedeutung manipulativer Methoden: Social Engineering ist dort für 39 Prozent der Betrugstransaktionen und 36 Prozent der entsprechenden finanziellen Verluste verantwortlich. Telefonbetrug macht über 21 Prozent der Fälle aus, während Schadsoftware und gefälschte Apps auf 7,5 Prozent kommen.

Betrugsnachrichten per SMS liegen bei 3 Prozent, Phishing-E-Mails bei 2 Prozent. Als Reaktion führt die Bank Authentifizierungen per PIN und Biometrie, Prüfungen der App-Integrität sowie verbindliche Abkühlphasen bei Änderungen mit hohem Risiko ein.

Die Bedrohungslage bleibt auch durch kompromittierte Zugangsdaten hoch: Der FBI Internet Crimes Report für 2025 verzeichnete 4.700 Beschwerden über Kontoübernahmen mit einem Verlust von fast 360 Millionen US-Dollar, während Sicherheitsanalysen im selben Jahr 2 Milliarden Paare aus E-Mail-Adressen und Passwörtern im Darknet identifizierten.

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