Rabenkrähen, Tübinger

Rabenkrähen: Tübinger Forschung zeigt, wie präzise sie Stäbchen nutzen

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 02:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Tübinger Versuche zeigen, wie Rabenkrähen Stäbchen gezielt zum Futterholen nutzen und ihre Bewegungen durch Übung verfeinern.

Rabenkrähen lernen den präzisen Einsatz von Werkzeugen
Nahaufnahme von Ästen und Zweigen auf einem Waldboden mit natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Die Erforschung tierischer Kognition liefert kontinuierlich Belege dafür, dass der gezielte Einsatz von Objekten keineswegs dem Menschen oder Primaten vorbehalten ist.

Eine Untersuchung des Instituts für Neurobiologie an der Universität Tübingen vom 10. September 2025 zeigt detailliert auf, wie Rabenkrähen lernen, Gegenstände als funktionale Werkzeuge einzusetzen. Im Rahmen eines strukturierten Trainings eigneten sich die Tiere an, ein Stäbchen als physische Schnabelverlängerung zu verwenden, um Futterpellets aus einer Plexiglasbox herauszuholen.

Vom Zufall zur motorischen Präzision

Die Beobachtungen der Tübinger Forscher verdeutlichen eine markante motorische Entwicklung während des Lernprozesses. In den Anfangsphasen der Experimente zeigten die Vögel noch viele ungezielte Bewegungen mit dem Stäbchen. Mit fortschreitender Übung wandelte sich dieses Verhalten jedoch grundlegend: Die Rabenkrähen führten schließlich hochpräzise, wenig variierte Bewegungen aus, um die Futterbelohnung zu erreichen.

Bemerkenswert war zudem die Anpassungsfähigkeit der Tiere gegenüber unerwarteten Zwischenfällen. Traten Störungen im Ablauf auf – etwa indem das Stäbchen während des Versuchs herunterfiel –, reagierten die Vögel flexibel und passten ihre Handlungen situativ an, anstatt das Muster starr zu wiederholen.

Kognitive Leistungsfähigkeit von Rabenvögeln

In der Verhaltensbiologie gelten Krähen neben Schimpansen, Delfinen, Elefanten und Oktopussen als eine der fünf intelligentesten Tiergruppen, wobei kognitive Vergleiche unter anderem über den Enzephalisationsquotienten gezogen werden.

Während Schimpansen für Werkzeuggebrauch und soziales Lernen bekannt sind, Delfine über Selbstwahrnehmung im Spiegel und Pfiffe verfügen, Elefanten sich durch Langzeitgedächtnis und Trauerverhalten auszeichnen und Oktopusse Labyrinthe bewältigen sowie Objekte manipulieren, zeichnen sich Krähen insbesondere durch das Lösen von Kausalitätsrätseln und den Einsatz von Hakenwerkzeugen aus.

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Die Tübinger Forscher haben Schritt für Schritt dokumentiert, wie Rabenkrähen ein Stäbchen zur Schnabelverlängerung machen — erst ungezielt, dann hochpräzise. Wer verstehen will, wie aus Zufall motorische Kontrolle wird, findet hier die verständliche Einordnung. Kostenlosen Report zur Tierkognition anfordern

Rabenvögel weisen eine beachtliche Nervenzellendichte im Vorderhirn auf. Sie sind in der Lage, mehrstufige Logikrätsel zu bewältigen, und verfügen über ein Gedächtnis, das es ihnen erlaubt, menschliche Gesichter über Jahre hinweg wiederzuerkennen. In entsprechenden Labortests erreichen junge Kolkraben kognitive Leistungen, die denen erwachsener Menschenaffen nahekommen.

Parallelen beim Werkzeuggebrauch im Tierreich

Das Erlernen und Optimieren von Werkzeuganwendungen ist auch bei anderen freilebenden Arten Gegenstand verhaltensbiologischer Untersuchungen. Aus Berichten der Proceedings of the Royal Society B geht hervor, dass beispielsweise wild lebende Bartaffen in Brasilien flache Steine als Amboss und härtere Steine als Hammer nutzen, um Nüsse zu knacken.

Bei unbenutzten Steinen wählten die Primaten weicheren Kalkstein als Unterlage und härteren Sandstein als Schlagwerkzeug. Allerdings verbesserten die gewählten Materialien den Erfolg beim Knacken der Nüsse nicht signifikant, wobei Versuche mit wenigen Tieren und würfelförmigen Blöcken zu den Limitationen dieser Untersuchung zählten.

Bemerkenswert war bei den Bartaffen jedoch ein Aspekt des indirekten Lernens: Konnten die Affen zwischen einer sauberen Fläche und einem Areal mit bereits abgenutzten Steinen und Nussschalen wählen, bevorzugten sie stark den genutzten Bereich – selbst dann, wenn dort nicht das bevorzugte Steinmaterial lag.

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Neben Schimpansen, Delfinen, Elefanten und Oktopussen gelten Krähen als eine der fünf intelligentesten Tiergruppen — doch was sie konkret können, bleibt oft vage. Der Report vergleicht die fünf Gruppen und zeigt, welche Lernmechanismen dahinterstehen. Vergleich der fünf Tiergruppen jetzt sichern

Sichtbare Abnutzungen dienen den Tieren demnach als Orientierungshilfe für soziales Lernen, ohne dass eine direkte Beobachtung von Artgenossen zwingend erforderlich ist.

Die Befunde bei Vögeln und Primaten unterstreichen gleichermaßen, dass Werkzeugkompetenzen auf komplexen Rückkopplungsprozessen beruhen. Während Primaten sichtbare Spuren ihrer Umwelt interpretieren, belegen die Ergebnisse der Universität Tübingen, wie Rabenkrähen durch gezieltes Training ihre motorische Kontrolle schärfen und feinmotorische Werkzeugtechniken systematisch festigen.

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