Quishing und SMS-Phishing: Angriffe auf Smartphones springen um 146%
Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 12:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Seit dem Frühjahr verbreitet sich eine Kampagne, die TrueType-Fonts (.ttf) nutzt, um Trojaner und Spionage-Tools auf Systeme zu schleusen.
Angriff im Arbeitsspeicher – unsichtbar für Virenscanner
Die Experten von FortiGuard Labs entdeckten die neue Masche Mitte Juli. Die Angreifer verstecken einen Lua-Loader in vermeintlichen Schriftart-Dateien. Ziel der Kampagne: die Installation von Schadsoftware wie Agent Tesla, Remcos, XWorm oder dem Best Private LOGGER.
Technisch gesehen setzen die Hacker auf Donut-Shellcode. Dieser führt die Malware direkt im Arbeitsspeicher aus – ohne Dateien auf der Festplatte zu hinterlassen. „Fileless Execution“ nennen Fachleute diese Methode. Herkömmliche Antiviren-Programme haben damit große Probleme.
Die Sicherheitsexperten Jason Soroko und Shane Barney warnen vor der wachsenden Komplexität solcher Angriffe. Die Täter missbrauchen zunehmend legitime Dateiformate für ihre Zwecke.
Quishing und SMS-Phishing auf dem Vormarsch
Doch die Schriftart-Masche ist nicht die einzige Gefahr. Parallel dazu greifen Kriminelle verstärkt Smartphone-Nutzer an. Im ersten Quartal stiegen sogenannte Quishing-Angriffe – Phishing via QR-Code – um 146 Prozent. Mittlerweile enthält jede neunte Phishing-E-Mail einen bösartigen QR-Code.
Auch SMS-Phishing legte im zweiten Quartal um 162 Prozent zu. Besonders betroffen: Kunden der Commerzbank. Sie erhielten gefälschte Sicherheits-Updates für das photoTAN-Verfahren.
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Das Weltwirtschaftsforum (WEF) bestätigt den Trend: KI-gestützte Betrugsfälle nahmen insgesamt um 77 Prozent zu. Die Täter werden professioneller.
Operation „First Light 2026“ – Erfolge gegen Cyberkriminalität
Die Strafverfolger bleiben nicht untätig. INTERPOLs internationale Operation „First Light 2026“ führte zu über 5.800 Festnahmen weltweit. In 97 Ländern stellten die Behörden rund 293 Millionen US-Dollar sicher. Dennoch bleibt der Druck hoch – das Bundeskriminalamt meldet einen massiven Anstieg beim Anlagebetrug.
Die Softwareindustrie reagiert mit Updates. Microsoft schloss am Juli-Patchday über 600 Sicherheitslücken. Fast 60 davon stuften die Experten als kritisch ein. Darunter drei Zero-Day-Lücken, die bereits aktiv ausgenutzt wurden.
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Sicherheitsanbieter wie Kaspersky setzen verstärkt auf KI und heuristische Analysen. Damit sollen Phishing-Versuche im E-Mail-Verkehr um bis zu 90 Prozent reduziert werden. Besonders betroffen: Fertigungsunternehmen in Europa und Asien. Sie werden seit April vermehrt mit gefälschten Einkaufsanfragen konfrontiert.
Vorsicht vor gefälschten Behörden-Mails
Neben der technischen Malware-Verbreitung warnen staatliche Stellen vor klassischen Betrugsversuchen. Das saarländische Finanzministerium meldete Mitte Juli eine Welle gefälschter E-Mails. Die Nachrichten im Namen der Finanzverwaltung enthalten schadhafte PDF-Anhänge – angeblich Prüfungsanordnungen.
Offizielle IT-Systeme blieben bisher verschont. Unternehmen sollten bei verdächtigen E-Mails jedoch äußerst vorsichtig sein.
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