Quiet Hiring: 61 % mehr Personalmangel-Beschwerden seit März
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der aktuellen Arbeitswelt gewinnt das Phänomen des sogenannten „Quiet Hiring“ zunehmend an Bedeutung. Wie aus Berichten der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu von Anfang August 2026 hervorgeht, beschreibt dieser Trend eine Entwicklung, bei der Mitarbeiter nach Entlassungswellen die Aufgaben ihrer ausgeschiedenen Kollegen übernehmen müssen. Statt neue Stellen zu schaffen oder Positionen nachzubesetzen, wird die verbleibende Arbeit auf das bestehende Personal verteilt.
Statistische Belege für steigenden Personalmangel
Aktuelle Daten untermauern die angespannte Situation in vielen Betrieben. Eine Auswertung von Kununu zeigt, dass die Hinweise auf Personalmangel in den Unternehmensbewertungen im Juli 2026 deutlich zugenommen haben. Die entsprechenden Nennungen lagen in diesem Zeitraum um 61 % über dem bisherigen Tiefpunkt, der im März desselben Jahres verzeichnet wurde.
Dieser Mangel an Arbeitskräften wirkt sich unmittelbar auf das Wohlbefinden der Beschäftigten aus. In den Monaten Juni und Juli 2026 enthielten über 50 % der Bewertungen, die Personalmangel thematisierten, auch explizite Hinweise auf Stress oder Überlastung. Die Korrelation zwischen unbesetzten Stellen und einer steigenden individuellen Belastung wird damit immer deutlicher sichtbar.
Erhöhte Arbeitsauslastung im Mittelstand
Ergänzende Erkenntnisse liefert eine Umfrage des Ifo-Instituts vom 4. August 2026. Demnach gaben 38 % der befragten Personalverantwortlichen an, dass die Arbeitsauslastung in ihren Unternehmen gestiegen sei. Demgegenüber meldeten lediglich 21 % eine gesunkene Auslastung. Besonders betroffen zeigt sich der gehobene Mittelstand: In Unternehmen mit einer Größe zwischen 250 und 499 Mitarbeitern berichteten sogar 56 % der Verantwortlichen von einer gestiegenen Belastung, während nur 18 % einen Rückgang feststellten.
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Als wesentliche Ursachen für diese Entwicklung identifizierten die Experten des Ifo-Instituts die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit sowie bestehende Personalengpässe. Diese Faktoren führen dazu, dass Unternehmen bei der Neueinstellung vorsichtiger agieren, was den Druck auf die vorhandenen Teams erhöht. In der Folge berichten 51 % der befragten Betriebe von einem Anstieg der mentalen Belastung und des Stressempfindens in der Belegschaft. Lediglich 4 % der Unternehmen konnten in diesem Bereich eine Entlastung feststellen.
Rechtliche Einordnung und Strategien für Beschäftigte
Die Praxis, Stellen nach dem Ausscheiden von Mitarbeitern nicht nachzubesetzen und die anfallenden Aufgaben auf das restliche Team zu verteilen, ist auch Gegenstand arbeitsrechtlicher Betrachtungen. In einem Gespräch mit dem Spiegel Anfang August 2026 erläuterte der Arbeitsrechtler Thomas Klaes die Hintergründe dieser Entwicklung. Er bestätigte, dass in vielen Fällen eine bewusste Umverteilung von Aufgaben stattfinde, um Vakanzen zu überbrücken.
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Für betroffene Beschäftigte ergeben sich daraus spezifische Handlungsoptionen. Klaes empfahl, bei einer dauerhaften Überlastung frühzeitig das Gespräch mit der jeweiligen Führungskraft zu suchen. Eine detaillierte Dokumentation der geleisteten Mehrarbeit sei dabei eine wesentliche Grundlage für Verhandlungen. Zudem riet er dazu, Überstunden offiziell anordnen zu lassen, um eine rechtliche Absicherung zu gewährleisten.
Sollten die zugewiesenen Aufgaben erheblich von den vertraglich vereinbarten Tätigkeiten abweichen oder die Belastungsgrenzen dauerhaft überschritten werden, sei die Einbeziehung des Betriebsrats ein sinnvoller Schritt. Auf diese Weise könne geprüft werden, ob die Arbeitsverdichtung noch im Rahmen der gesetzlichen und tariflichen Bestimmungen liege.
