Quetschbeutel für Babys: Nur 2 von 276 Produkten gelten als ausgewogen
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 00:45 Uhr | Redaktion boerse-global.deLaut einem Bericht vom 2. November 2026 hat das Bundesfamilienministerium gemeinsam mit dem Verein Knietzsche Herzensbildung ein neues Informationsangebot vorgestellt. Mit dem Animationsfilm Knietzsche und der Zucker sowie kostenfreien Begleitmaterialien wie Büchern, Workshop-Unterlagen und einer Ernährungssafari richtet sich das Vorhaben an Kinder ab fünf Jahren, Familien, Kitas und Grundschulen.
Das Projekt soll frühzeitig ein Bewusstsein für ausgewogene Ernährung schaffen, denn nach Angaben des Ministeriums nehmen Kinder in Deutschland im Alter von 3 bis 17 Jahren weiterhin deutlich mehr freien Zucker auf als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen.
Gesundheitsrisiken und die Allgegenwart von Zucker
Bundesfamilienministerin Karin Prien hob hervor, dass ein maßvoller Umgang mit Zucker das Risiko für Karies, Übergewicht sowie stoffwechselbedingte Erkrankungen senken könne. Dennoch ist Zucker in vielen alltäglichen Lebensmitteln für Heranwachsende in großen Mengen enthalten.
Laut einem Bericht der Tageszeitung taz steht Zucker bei vielen Marmeladen und Nuss-Nougat-Cremes wie Nutella an erster Stelle der Zutatenliste; bei Nutella macht er mehr als die Hälfte des Produkts aus. Neben Zucker besteht die Creme vor allem aus Palmöl, gefolgt von Haselnüssen, Magermilchpulver und Kakao.
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Eine Expertin der Fachzeitschrift Ökotest riet mit Blick auf den hohen Fettgehalt eher zu Marmelade, wies jedoch darauf hin, dass in manchen Marmeladen Pestizide und in Nuss-Nougat-Cremes Mineralölrückstände festgestellt wurden. Bioprodukte seien laut der Expertin weniger mit Pestiziden belastet. Empfohlen werden daher vor allem Nussmus oder Fruchtaufstriche mit niedrigem Zuckergehalt.
Versteckte Zusätze und Werbeaussagen im Blickpunkt
Die Problematik beginnt oft bereits im Beikostalter. In einem Fachartikel der Zeitschrift Maternal & Child Nutrition wurde darauf hingewiesen, dass Eltern bei verpackten Lebensmitteln häufig auf Kennzeichnungen angewiesen bleiben, die lediglich den Gesamtzucker ausweisen.
Eine Untersuchung von 276 Quetschbeuteln für Säuglinge in Australien ergab, dass 20 Prozent zugesetzten Zucker, 17 Prozent zugesetzten Fruchtsaft und 71 Prozent Fruchtpüree enthielten. Lediglich 2 der 276 Produkte wurden als ernährungsphysiologisch adäquat eingestuft. Rund neun von zehn kommerziellen Lebensmitteln für diese Altersgruppe wiesen zugesetzte oder freie Zucker auf.
Die Behörde FSANZ wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Angaben wie natürlich, bio oder ohne zugesetzten Zucker Produkte mit hohem Zuckeranteil und schlechter Nährwertbilanz fälschlicherweise gesund erscheinen lassen können.
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Prävention in der Praxis und digitale Angebote
Fachleute fordern daher verlässliche Orientierung für Familien. Das Schweizer Institut Unisanté betonte im Rahmen eines Informationsangebots, dass im ersten Lebensjahr auf zugesetzte Zucker, zuckerhaltige Getränke sowie Honig und Salz verzichtet werden müsse.
Neben Bildungsmaterialien in Kitas und Schulen gewinnen digitale Angebote an Relevanz, um Familien im Alltag zu unterstützen. Das Präventionsprogramm PowerKids der Stiftung Kindergesundheit, Partner der Initiative IN FORM und Teil des bayerischen Präventionsplans, verzeichnete nach zwölf Monaten 6.000 Nutzerinnen und Nutzer. 480 Kinder schlossen das zwölfwöchige Programm vollständig ab, während rund 120 täglich für durchschnittlich 13 Minuten aktiv waren.
Die Anwendung war beim Kindersoftwarepreis TOMMI 2025 in der Kategorie Apps nominiert und steht seit 2026 in Kooperation mit der Österreichischen Gesundheitskasse auch in Österreich zur Verfügung. Eine geplante Beobachtungsstudie mit Acht- bis Zwölfjährigen soll die Effekte auf Ernährungsverhalten, Lebensqualität und den Body-Mass-Index weiter untersuchen.
