Quereinsteiger, Mitarbeiter

Quereinsteiger: 37% bewarben sich 2025 branchenfremd

17.06.2026 - 08:29:02 | boerse-global.de

Unternehmen setzen vermehrt auf Quereinsteiger und ehemalige Mitarbeiter. Der Fachkräftemangel sinkt vorerst, doch Experten erwarten eine Rückkehr bei Konjunkturerholung.

Deutscher Arbeitsmarkt: Boom bei Quereinsteigern und Rückkehrern
Quereinsteiger - Abstrakte Darstellung von Karrierewegen, mit Linien, die sich kreuzen, auseinandergehen und zu einem Ausgangspunkt zurückkehren. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während spezialisierte Fachkräfte in Teilbereichen rar bleiben, boomen alternative Karrierewege. Immer mehr Unternehmen setzen auf „Boomerang Hiring“ – die Rückkehr ehemaliger Mitarbeiter – und den gezielten Quereinstieg branchenfremder Bewerber.

Rückkehr als Karrierestrategie

Toni Leistner könnte bald wieder für Dynamo Dresden auflaufen. Der Verteidiger, der von 2010 bis 2013 für den Club spielte, führt nach seinem Engagement bei Hertha BSC Gespräche über eine Rückkehr. Trainer Thomas Stamm sucht gezielt nach erfahrenen Führungsspielern.

Auch Sami Khedira steht vor einem Comeback – allerdings in neuer Rolle. Der Ex-Profi wird als Co-Trainer von José Mourinho bei Real Madrid gehandelt. Dort war er bereits von 2010 bis 2015 aktiv. Das zeigt: Rückkehrer müssen nicht zwingend ihre alte Position einnehmen, sondern können neue Verantwortung übernehmen.

Kai Havertz steht ebenfalls im Gespräch für eine Rückkehr zu Bayer Leverkusen. Bei einem Marktwert von rund 55 Millionen Euro wären finanzielle Anpassungen nötig. Nicht jede Option realisiert sich jedoch: Jadon Sancho gilt nach aktuellem Stand als unwahrscheinlicher Kandidat für eine erneute Verpflichtung durch Borussia Dortmund.

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Quereinsteiger: Vom Nischenphänomen zum Massentrend

Unternehmen erkennen zunehmend das Potenzial von Bewerbern aus anderen Branchen. Das „Stepstone Hiring Trends Update“ belegt eine tiefgreifende Veränderung. Für die Studie befragte das Unternehmen im April und Mai 2026 über 6.000 Beschäftigte und 800 Personalverantwortliche. Die Analyse von rund 5,5 Millionen Stellenanzeigen zeigt: Der Anteil der Ausschreibungen mit expliziten Quereinstiegsmöglichkeiten hat sich seit 2019 mehr als versechsfacht.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 37 Prozent der Beschäftigten bewarben sich im vergangenen Jahr branchenfremd. 87 Prozent der Befragten zeigen sich offen für einen Wechsel. Besonders hoch ist die Bereitschaft in Vertrieb, Handel, Logistik und Handwerk.

Ein markantes Beispiel ist der 59-jährige Eckart Hangg. Er absolviert eine Ausbildung zum Lokführer bei der SWEG in Baden. Ausbildungsleiter Gaetano Profeta betont: Gerade die Lebenserfahrung älterer Quereinsteiger sei ein Vorteil für die Betriebe.

Konjunktur bremst den Fachkräftemangel – vorübergehend

Trotz der individuellen Dynamik steht der Arbeitsmarkt unter dem Einfluss der Wirtschaftslage. Das KfW-Ifo-Fachkräftebarometer für das zweite Quartal 2026 zeigt einen deutlichen Rückgang des Fachkräftemangels. Im dritten Quartal 2022 klagte noch knapp die Hälfte der Unternehmen über Engpässe. Im Frühjahr 2026 waren es nur noch rund 21 Prozent.

KfW-Chefökonom Fritzi Köhler-Geib führt das jedoch primär auf die anhaltende wirtschaftliche Schwäche zurück – nicht auf ein gestiegenes Arbeitskräfteangebot. Besonders betroffen sind das Bauhauptgewerbe und der Dienstleistungssektor. Bei einer konjunkturellen Erholung rechnen Experten mit einer Rückkehr der Personalengpässe.

Schweiz: KI-Boom und Gründungswelle

In der Schweiz konzentriert sich der Bedarf verstärkt auf technologische Kompetenzen. Das KI-Jobbarometer von PWC verzeichnet für 2025 einen Rekordwert von 25.000 ausgeschriebenen Stellen im Bereich Künstliche Intelligenz – ein Zuwachs von rund 9.000 Stellen gegenüber dem Vorjahr. Auffällig: Vor allem Anwender werden gesucht, weniger Entwickler. Überdurchschnittliche Gehälter zahlt die Gesundheits- und Energiebranche.

Parallel dazu gründen immer mehr junge Menschen ein eigenes Unternehmen. Daten des IFJ Institut für Jungunternehmen belegen: Die Altersgruppe der 21- bis 30-Jährigen hat zwischen 2021 und 2025 über 3.500 Firmen in der Schweiz gegründet. Gründungsexperte Michele Blasucci weist darauf hin, dass Krisenzeiten paradoxerweise oft als Chance für Neugründungen genutzt werden. Er warnt jedoch vor Risiken durch steigende Rohstoffkosten und eine zurückhaltende Konsumstimmung.

Strengere Regeln für Neueinstellungen

Neben der fachlichen Eignung rücken regulatorische Anforderungen stärker in den Fokus. EU-Richtlinien wie DORA und NIS2 verändern die Rekrutierungsprozesse. Unternehmen müssen verstärkte Sicherheitsprüfungen bei Neueinstellungen vornehmen, um den gestiegenen Compliance-Anforderungen im Bereich Cybersicherheit gerecht zu werden.

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Gleichzeitig steigt der Druck auf Arbeitgeber, zusätzliche Anreize zu schaffen. Auf Fachmessen im Juni 2026 wurde deutlich: Unternehmen werben verstärkt mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, mobilem Arbeiten und Gesundheitsangeboten. Der demografische Wandel und der daraus resultierende Nachwuchsmangel zwingen sie zum Umdenken.

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