Quantencomputer-Schutz: 3,26 Mio. Euro für Erlanger Forschung
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 20:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) will mit einem neuen Forschungsprojekt die Kommunikation gegen Angriffe von Quantencomputern absichern. Das Vorhaben setzt auf automatisierte Systeme, die in verschiedenen Netzwerkarchitekturen funktionieren sollen.
Das Projekt mit dem Namen „Intent-based quantum-secure domain orchestration" (QDD) zielt darauf ab, den Einsatz quantensicherer Kommunikation deutlich zu vereinfachen. Im Kern geht es um die Entwicklung flexibler Systeme für den sicheren Datenaustausch, die über unterschiedliche administrative und technische Grenzen hinweg operieren können. Ein zentraler Baustein: die Automatisierung von Quantum Key Distribution (QKD) und Post-Quanten-Kryptografie (PQC).
Automatisierte Sicherheit per KI
Die Forschung wird von der Netzwerk-Forschungsgruppe des Regionalen Rechenzentrums Erlangen (RRZE) geleitet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz von Large Language Models (LLMs) zur Steuerung der Sicherheitsprotokolle. Die Idee dahinter: Statt jedes Netzwerksegment manuell konfigurieren zu müssen, sollen die Systeme selbstständig erkennen, welche Verschlüsselungsstandards erforderlich sind.
Dieser Ansatz, den Fachleute als „intent-based orchestration" bezeichnen, macht die Quantenverschlüsselung deutlich anpassungsfähiger an verschiedene Netzwerkumgebungen. Schlüsselmanagement und kryptografische Standards ließen sich damit automatisiert verwalten. Zu den leitenden Köpfen des Projekts zählen Dr. Susanne Naegele-Jackson und Vincent Burkard.
Millionen-Förderung und starke Partner
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Vorhaben mit rund 3,26 Millionen Euro. Das Gesamtvolumen liegt bei etwa 3,84 Millionen Euro. Laufen soll das Projekt bis 2029 – mit einem breiten Konsortium aus Wissenschaft und Industrie.
Zu den Partnern zählen Infosim, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF), die Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie die Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Aus der Privatwirtschaft sind der Telekommunikationsanbieter Telefónica und das Quantentechnologie-Unternehmen Quant-X mit an Bord.
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Europa rüstet auf
Der Start des Erlanger Projekts fällt in eine Phase weltweit intensiver Anstrengungen, Kommunikationsnetze gegen künftige Quantencomputer-Angriffe zu wappnen. Auf europäischer Ebene treibt die Initiative TransEuroOGS ein 18-Millionen-Euro-Projekt voran: den Aufbau eines quantensicheren Kommunikationsnetzes quer durch die EU. Dafür werden mobile optische Bodenstationen für Quantensatelliten entwickelt – mit führender Beteiligung irischer Forscher vom Walton Institute und von Mbryonics.
Auch in der Industrie geht es voran. Das Unternehmen BTQ Technologies hat kürzlich einen Meilenstein in der Zusammenarbeit mit ITRI vermeldet: die Entwicklung einer Chip-Architektur, die Post-Quanten-Kryptografie-Standards ausführen kann. Erste Testchips sollen noch in diesem Jahr verfügbar sein.
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Regulierungsbehörden reagieren
Selbst Finanzaufsichten nehmen das Thema zunehmend ernst. Die indische Wertpapieraufsicht SEBI kündigte in ihrem Jahresbericht für das Fiskaljahr 2025/26 an, die Märkte auf die Cybersecurity-Risiken des Quantenzeitalters vorzubereiten – unter anderem durch neue Überwachungswerkzeuge und Risikobewertungsrahmen.
