Qualzucht bei Hunden: Wie kurze Schnauzen und Fellfarben krank machen
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSViele äußerliche Merkmale, die Hunde für Menschen besonders niedlich oder außergewöhnlich erscheinen lassen, können für die Tiere mit erheblichen gesundheitlichen Belastungen verbunden sein.
Kurze Schnauzen erschweren die Atmung
Besonders häufig betrifft das kurznasige Rassen wie Möpse sowie Französische und Englische Bulldoggen. Die veränderte Schädel- und Gesichtsform kann die Atemwege verengen und das sogenannte brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom, kurz BOAS, begünstigen.
Betroffene Hunde atmen oft laut, sind weniger belastbar und können sich bei Bewegung oder hohen Temperaturen schnell überhitzen. Auch Schlaf und Lebensqualität können leiden; in schweren Fällen ist eine Operation erforderlich.
Auch Fellfarbe und Körperbau bergen Risiken
Der Deutsche Tierschutzbund zählt auch bestimmte Formen von Haarlosigkeit und das Merle-Gen zu möglichen Qualzuchtmerkmalen. Werden zwei Merle-Träger miteinander verpaart, kann dies mit Augen- und Hörschäden verbunden sein.
Bei großen Hunden treten zudem erblich begünstigte Hüft- und andere Gelenkerkrankungen auf. Entscheidend ist nach Einschätzung des Tierschutzbundes, ob ein vererbbares Merkmal Schmerzen, Leiden oder gesundheitliche Schäden verursacht.
Tests sollen Zucht gesünder machen
Der Verband für das Deutsche Hundewesen stellt nach eigenen Angaben die Gesundheit in den Mittelpunkt. Bei Möpsen und Französischen Bulldoggen setzt er auf den wissenschaftlich geprüften Cambridge-Test, der die Atemfunktion vor dem Zuchteinsatz und später erneut beurteilen soll.
Dafür werden die Hunde körperlich belastet und anschließend auf Atemgeräusche sowie andere Auffälligkeiten untersucht. Der Deutsche Tierschutzbund fordert darüber hinaus verbindlichere Kriterien für Zucht, Haltung und Import.
Studie zeigt große Unterschiede zwischen Rassen
Eine im Februar 2026 veröffentlichte Untersuchung der University of Cambridge erfasste knapp 900 erwachsene Hunde aus 14 Rassen. Besonders hohe BOAS-Raten stellten die Forschenden bei Pekinesen mit 89 Prozent und Japan Chins mit 82 Prozent fest.
Ein mittleres Risiko wurde unter anderem bei King Charles Spaniels, Shih Tzus, Boston Terriern, Griffon Bruxellois und Dogues de Bordeaux festgestellt. Bei Staffordshire Bullterriern, Cavalier King Charles Spaniels, Chihuahuas, Boxern und Affenpinschern traten klinisch relevante Erkrankungen deutlich seltener auf.
Vom Schönheitsideal zum Tierschutzproblem
Qualzucht beschreibt nicht eine einzelne Rasse, sondern vererbbare Merkmale, die Schmerzen, Leiden oder Schäden verursachen können. Dazu zählen neben extrem kurzen Schnauzen auch übermäßige Hautfalten, problematische Körperproportionen, bestimmte Fellzeichnungen und extreme Größen. Entscheidend ist der gesundheitliche Effekt des Merkmals – nicht, ob es innerhalb einer Rasse als typisch gilt.
Bei kurznasigen Hunden stehen Atemwege und Wärmeregulation im Mittelpunkt. Belastung, Schlaf und Lebensqualität können beeinträchtigt sein; Hitze erhöht das Risiko zusätzlich. Die in der dpa-Meldung genannte Cambridge-Untersuchung macht deutlich, dass das Risiko zwischen Rassen stark variiert und nicht auf Mops oder Französische Bulldogge beschränkt ist.
Bedeutung für Halter und Zucht
Für Halter bedeutet das, Atemgeräusche, schnelle Erschöpfung, unruhigen Schlaf, Augenreizungen oder wiederkehrende Hautentzündungen nicht als bloße Rasseeigenschaft abzutun. Eine tierärztliche Untersuchung kann klären, ob Behandlung, Gewichtsmanagement oder eine Anpassung der Belastung nötig ist. Bei akuter Atemnot, bläulicher Zunge oder Kollaps ist sofortige Hilfe erforderlich.
Politisch bleibt die zentrale Frage, wie der gesetzliche Schutz einheitlicher umgesetzt werden kann. Verbindliche Kriterien könnten Zuchtentscheidungen, Kontrollen und den Handel stärker lenken. Der Cambridge-Test zeigt zugleich, dass wissenschaftliche Gesundheitsprüfungen ein Werkzeug sein können, ersetzt aber keine umfassende Bewertung weiterer erblich bedingter Risiken.

