Qualcomm greift Nvidia an: 3,9-Milliarden-Übernahme von Modular
25.06.2026 - 01:52:25 | boerse-global.de
Der US-Chipkonzern Qualcomm rüstet massiv auf und will zum ernstzunehmenden Rivalen von Nvidia im boomenden Markt für Künstliche Intelligenz werden. Mit einer spektakulären Übernahmeserie und eigener Hardware zielt das Unternehmen auf das Herz der KI-Infrastruktur.
Milliarden-Deal für Software-Pionier
Am 24. Juni 2026 gab Qualcomm offiziell die Übernahme des KI-Software-Startups Modular bekannt. Der Deal im Wert von rund 3,9 Milliarden Euro (3,92 Milliarden US-Dollar) ist ein reiner Aktientausch: Qualcomm emittiert dafür bis zu 19,2 Millionen eigene Aktien. Das 2022 von den Branchenveteranen Chris Lattner und Tim Davis gegründete Unternehmen hatte zuletzt im September 2025 Kapital eingesammelt und lag bei einer Bewertung von 1,6 Milliarden Dollar.
Das eigentliche Ziel der Akquisition: Nvidias dominierende CUDA-Plattform angreifen. Modulars Programmiersprache Mojo und die MAX-Plattform ermöglichen KI-Berechnungen auf unterschiedlichster Hardware – ein offener Ansatz, den Qualcomm-Chefs als Schlüssel für die Zukunft sehen. Der Abschluss der Transaktion wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden.
Nächster Coup in der Pipeline?
Doch damit nicht genug: Qualcomm befindet sich Berichten zufolge in fortgeschrittenen Verhandlungen zur Übernahme des KI-Chip-Designers Tenstorrent – zu einem Preis zwischen 8 und 10 Milliarden Euro. Würden beide Deals durchgehen, summiert sich das Investment auf über 14 Milliarden Euro.
Tenstorrent setzt auf die offene RISC-V-Architektur und hat mit dem „Blackhole"-Chip ein echtes Schwergewicht im Angebot. Der im April 2026 in Serie gegangene Prozessor bietet 32 Gigabyte GDDR6-Speicher und stemmt 664 TFLOPS Rechenleistung – gefertigt im 6-Nanometer-Verfahren von TSMC.
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Hardware-Roadmap: Vom Handy ins Rechenzentrum
Qualcomm will nicht nur Software liefern. Das Unternehmen hat mit Meta den ersten namhaften Kunden für seinen kommenden Datenzentrums-Prozessor Dragonfly C1000 gewonnen – auch wenn der Chip erst 2028 verfügbar sein wird.
Die Zwischenschritte sind ambitioniert: Noch 2026 beginnt die Auslieferung des AI200-Beschleunigers, 2027 folgt der AI250. Ein weiterer Chip, der AI300, ist bereits angekündigt. Parallel dazu will Qualcomm noch in diesem Jahr erste kundenspezifische Chips für Hyperscaler-Cloud-Anbieter ausliefern.
Börse reagiert verhalten – Analysten bleiben skeptisch
Die Expansionsstrategie kommt nicht von ungefähr: Qualcomms Aktie ist seit Jahresbeginn um fast 30 Prozent gestiegen. Auf einem Investorentag am 24. Juni präsentierte das Management seine Vision, mit offener RISC-V-Hardware und flexiblen Compilern das aktuelle Marktmonopol zu brechen.
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Doch die unmittelbare Reaktion der Börse fiel verhalten aus: Die Aktie gab am Tag der Ankündigung um rund vier Prozent nach. Analysten sehen vor allem die Integration der milliardenschweren Zukäufe als entscheidende Hürde. „Qualcomm bewegt sich weg vom angestammten Mobilfunkgeschäft – ob die Übernahmen aufgehen, wird sich erst zeigen", kommentierte ein Branchenkenner.
Bereits 2025 hatte Qualcomm mit der Übernahme des Chip-Spezialisten Alphawave für rund 2,4 Milliarden Euro seine Ambitionen im Datenzentrumsgeschäft untermauert. Der neue Großangriff auf Nvidia dürfte die Konkurrenz nun endgültig aufschrecken.
