Qili Qiangxin nach Herzinfarkt: 16 Studien zeigen schwache Evidenz
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der medizinischen Nachsorge nach einem akuten Myokardinfarkt stellt die Entstehung oder Verschlechterung einer Herzinsuffizienz ein zentrales Risiko dar. Als ergänzende Behandlungsoption wird im asiatischen Raum unter anderem die chinesische Kräuterkapsel Qili Qiangxin eingesetzt.
Eine im Fachjournal Frontiers in Pharmacology veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse, über die scienmag.com in einem Bericht vom 19.10.2026 informierte, fasst nun den aktuellen Stand der klinischen Forschung zu diesem Präparat zusammen.
Die Untersuchung stützt sich auf 16 randomisierte Studien mit insgesamt 1.391 Teilnehmern in China und bewertet die Evidenz nach den Kriterien des GRADE-Systems.
Verbesserungen bei funktionellen Parametern und Biomarkern
Im Fokus der analysierten Studien stand der Einsatz von Qili Qiangxin als Zusatztherapie zur etablierten Behandlung von Herzinsuffizienz nach einem Herzinfarkt. Bei den funktionellen Herzparametern ermittelten die Autoren messbare Veränderungen: Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion stieg in den Interventionsgruppen im Vergleich zur jeweiligen Kontrolle um +6,04 Prozentpunkte.
Darüber hinaus zeigte sich eine ausgeprägtere Reduktion spezifischer Labor- und Strukturparameter. Die Werte der kardialen Biomarker NT-proBNP und BNP wurden unter der zusätzlichen Gabe der Kapseln stärker gesenkt als in den Kontrollgruppen.
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Ein ähnliches Bild ergab sich für den linksventrikulären Diameter, der ein Maß für die krankhafte Überdehnung der Herzkammer darstellt, sowie für das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP), einen Entzündungsmarker. Diese Labor- und Ultraschallwerte deuten darauf hin, dass die zusätzliche Verabreichung neurohumorale und entzündliche Mechanismen beeinflussen kann.
Sicherheitsdaten und methodische Einschränkungen
Trotz der festgestellten Veränderungen bei den Surrogatparametern fielen die Ergebnisse bei den patientenrelevanten harten Endpunkten verhaltener aus. Bei der Gesamtmortalität gab es laut den Studienautoren keine signifikanten Unterschiede zwischen den Patienten, die das pflanzliche Präparat erhielten, und den Kontrollgruppen.
Ebenso zeigten sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich des Auftretens unerwünschter Arzneimittelwirkungen, was auf eine grundsätzliche Verträglichkeit im Studienrahmen hindeutet.
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Auffällig bleibt eine Lücke bei der Erfassung von Folgeereignissen: Obwohl die Rehospitalisierungsrate nach einem Infarkt laut dem Review bei 16,7 % liegt, berichtete keine der 16 eingeschlossenen Primärstudien Daten zu kardialen Rehospitalisierungen. Dieser Umstand schränkt die Beurteilung des tatsächlichen Nutzens im Behandlungsalltag erheblich ein.
Zudem stuften die Autoren die Evidenzsicherheit für sämtliche analysierten Endpunkte nach der GRADE-Methodik als niedrig bis sehr niedrig ein. Ursachen dafür sind typischerweise methodische Schwächen der Primärdaten, kleine Fallzahlen oder ein potenzielles Verzerrungsrisiko.
Die Autoren der Übersichtsarbeit weisen damit darauf hin, dass trotz der gemessenen positiven Laborveränderungen robuste Nachweise für einen nachhaltigen klinischen Nutzen weiterhin ausstehen.
