Purview, OCR

Purview OCR: Microsoft aktiviert Texterkennung für Sicherheitsermittler

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 10:46 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Microsoft aktiviert optische Zeichenerkennung in Purview für alle Kunden. Bildinhalte werden nun in Sicherheitsermittlungen durchsuchbar.

Microsoft Purview: OCR-Update macht Screenshots durchsuchbar
Leuchtend blaue Lupe über digitalen Dokumenten und Bildern, Symbol für OCR und Datensicherheitsuntersuchungen Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Microsoft hat die Texterkennung in seiner Sicherheitsplattform Purview für alle Kunden freigegeben. Das Update ermöglicht die Durchsuchbarkeit von Screenshots und gescannten Dokumenten.

Der US-Konzern schaltet damit ab dem 14. Juli 2026 die optische Zeichenerkennung (OCR) innerhalb von Purview Data Security Investigations frei. Bislang blieben sensible Daten in Bilddateien für Sicherheitsermittler oft unsichtbar – ein Problem, das Microsoft nun adressiert.

Automatisierte Suche in Bildern

Die neue Funktion, die unter der Roadmap-ID 561489 läuft, extrahiert Text aus verschiedenen Bildformaten. Dazu zählen Screenshots, eingescannte Verträge oder Fotos von Dokumenten. Die erkannten Inhalte werden durchsuchbar und fließen in Compliance- und Sicherheitsworkflows ein.

Das System macht bildbasierte Informationen „KI-bereit", wie Microsoft erklärt. Bisherige Ermittlungen scheiterten häufig daran, dass vertrauliche Daten in nicht-textuellen Formaten vorlagen. Administratoren können die Ergebnisse nun in ihre standardmäßigen Such- und Prüfprozesse einbinden.

Die Bereitstellung erfolgt als reines Cloud-Update über den Purview-Webdienst. Weder Client-Patches noch Windows-Updates sind erforderlich. Microsoft empfiehlt Administratoren jedoch, die Genauigkeit der Texterkennung zu prüfen und ihre bestehenden Untersuchungsabläufe anzupassen. Der allgemeinen Verfügbarkeit vorausgegangen war eine Testphase, die im Mai 2026 begann.

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Wettbewerb im Datenschutzmarkt

Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt für Cloud-basierte Datenverlustprävention (DLP) rasant wächst. Branchenanalysten prognostizieren dem Segment bis Anfang der 2030er-Jahre ein Volumen von mehreren Dutzend Milliarden Euro.

Microsoft Purview bleibt das zentrale Werkzeug für Unternehmen, die tief in das Microsoft-365-Ökosystem investiert sind. Allerdings steht die Plattform zunehmend im Wettbewerb mit spezialisierten Anbietern für Data Security Posture Management (DSPM). Während Purview für E3- und E5-Lizenznehmer eine tiefe Integration bietet, zeigen sich bei Drittanbieter-SaaS-Anwendungen wie Salesforce, Slack oder GitHub Grenzen.

Die Konkurrenz setzt auf unterschiedliche technische Ansätze: Einige KI-gestützte Klassifizierungstools melden Trefferquoten von über 95 Prozent. Andere Anbieter werben mit agentenloser OCR und maschinellem Lernen über mehr als 50 verschiedene Integrationen hinweg.

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Rekord-Patchday und interne Sicherheitsoffensive

Die OCR-Einführung fällt in eine phase intensiver Sicherheitsarbeit bei Microsoft. Im Juli-Update 2026 schloss der Konzern insgesamt 622 Schwachstellen – ein neuer Rekord. Darunter befanden sich zwei ausgenutzte Zero-Day-Lücken, die eine Rechteausweitung in Active Directory Federation Services (AD FS) und SharePoint Server ermöglichten. Von den behobenen Sicherheitslücken entfielen über 400 auf Windows, mehr als 160 auf die Office-Suite.

Parallel dazu hat Microsoft ein internes Multi-Agenten-KI-System eingeführt, das im Rahmen der Secure Future Initiative (SFI) entwickelt wurde. Das System analysiert Cloud-Dienste automatisch auf Sicherheitsschwächen. In internen Tests bestätigte die KI über 90 Prozent ihrer automatisch generierten Ergebnisse als echte Sicherheitsrisiken.

Während Purviews OCR-Funktionen auf die Datenermittlung innerhalb des Microsoft-Ökosystems abzielen, bauen auch andere Cloud-Anbieter ihre Sicherheitsinfrastruktur aus. Erst Anfang der Woche gab Amazon Web Services bekannt, dass sein Security Hub nun auch Microsoft-Azure-Umgebungen unterstützt und damit eine plattformübergreifende Überwachung von virtuellen Maschinen, Containern und Identitäten ermöglicht.

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