Pulsed-Field-Ablation: 69,5 Prozent bleiben nach zwölf Monaten rezidivfrei
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deFortschritte in der Elektrophysiologie eröffnen neue Wege bei der Behandlung von Vorhofflimmern. Durch innovative Impulsmuster bei der Pulsed-Field-Ablation (PFA), computergestützte Herz-Zwillinge und kombinierte Eingriffe gewinnen therapeutische Verfahren an Präzision und Selektivität. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und klinische Projekte belegen diesen Wandel im Management der weit verbreiteten Herzrhythmusstörung.
Asymmetrische biphasische Pulse in der klinischen Erprobung
Eine chinesische prospektive Multicenter-Studie der Tianjin Medical University, veröffentlicht am 8. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Cardiovascular Medicine, untersuchte die Anwendung einer asymmetrischen biphasischen Pulsed-Field-Ablation bei paroxysmalem Vorhofflimmern.
An zehn chinesischen Zentren wurden 120 Patienten eingeschlossen. Nach 15 Abbrüchen wurden 105 Patienten abladiert und über einen Zeitraum von zwölf Monaten nachverfolgt. Das mittlere Alter lag bei 63,7 Jahren, der Männeranteil betrug 60 Prozent und der mittlere CHA2DS2-VASc-Score belief sich auf 1,54.
Die eingesetzte Wellenform bestand aus einer positiven Phase von 7 µs, einer negativen Phase von 3 µs, einem Intervall von 5 µs und einer Spannung von 1.000 V. Verwendet wurde ein Katheter mit 10,5 French, sechs Splines und einem maximalen Durchmesser von 32 mm.
Insgesamt konnten 420 Pulmonalvenen akut isoliert werden, was einer Rate von 100 Prozent entspricht. Während einer 20-minütigen Wartezeit trat keine Rekonnektion auf. Die mittlere Ablationszeit lag bei 219 s, während die mittlere Prozedurzeit 102 min betrug.
Nach zwölf Monaten lag die Freiheit von einem Arrhythmie-Rezidiv bei 69,5 Prozent (95%-KI 60,1–77,5). Ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis in Form eines transienten Koronarspasmus trat bei einem Patienten (0,95 Prozent) an Tag 3 auf. Stille zerebrale Läsionen wurden bei zwei Patienten (1,9 Prozent) festgestellt, bildeten sich jedoch nach drei beziehungsweise sechs Monaten vollständig zurück.
Eine Hämolyse trat bei 87,6 Prozent auf, führte jedoch in keinem Fall zu einer Niereninsuffizienz. Zu den Limitationen der Studie zählen ihr einarmiges Design, das Fehlen eines kontinuierlichen Monitorings sowie die begrenzte Stichprobengröße.
Digitale Herz-Zwillinge präzisieren Ablationsziele
Parallel zur Weiterentwicklung der Energieformen gewinnen Rechenmodelle an Bedeutung. Forscher der Queen Mary University of London entwickelten detaillierte Modelle digitaler Herz-Zwillinge für Vorhofflimmern. Diese basieren auf einer Verknüpfung von MRT-Aufnahmen, elektrischen Spannungsmessungen und Daten zur Erregungsleitungsgeschwindigkeit.
Die zwölf Monate sind entscheidend: In einer chinesischen Multicenter-Studie blieben 69,5 Prozent der mit asymmetrisch-biphasischen Pulsen abladierten Patienten rezidivfrei — bei 100 Prozent akuter Pulmonalvenen-Isolation und ohne Rekonnektion in der 20-Minuten-Wartezeit. Unser kostenloser Praxis-Leitfaden ordnet Wellenform, Katheter-Setup und Outcome-Daten ein und zeigt, was davon in Ihren Alltag übertragbar ist. Praxis-Leitfaden PFA jetzt anfordern
Anhand von 3D-Modellen für neun Patienten zeigte sich, dass die Kombination elektrischer Daten konsistent mehr und andere Ablationsziele identifizierte als MRT-Daten allein.
Laut Hauptautor Dr. Mahmoud Ehnesh bilde eine einzelne Datenquelle die Realität nur unvollständig ab; der vielversprechendste Ansatz bestehe daher in der Zusammenführung aller drei Datentypen in einem hybriden Modell. Die Methodik gilt insbesondere bei persistierendem Vorhofflimmern als aussichtsreich, um den Erfolg von Eingriffen zu erhöhen und Wiederholungsbehandlungen zu reduzieren.
Kombinationsinterventionen und Portfolioerweiterungen
Auch in der klinischen Praxis schreitet die Technologie voran. Am 2. Oktober 2026 führte der Elektrophysiologe Dr. Juanico Cedano am Grupo Médico MAC Center in Santo Domingo erstmals eine Kombination aus Pulsed Field Ablation mit dem FARAPULSE-System und einem perkutanen Verschluss des linken Vorhofohrs mittels WATCHMAN durch.
Beide Technologien stammen von Boston Scientific und wurden vor Ort durch Antilles Medical begleitet. Weltweit wurden mit dem FARAPULSE-System bereits mehr als 500.000 Patienten behandelt.
Die ADVENT-Studie mit 706 Patienten (davon 626 randomisiert an 30 Zentren) belegte eine Wirksamkeit von 73,3 Prozent nach 12 Monaten im Vergleich zu 71,3 Prozent bei thermischen Verfahren sowie eine Langzeitwirksamkeit von 72,8 Prozent nach vier Jahren.
Gleichzeitig erweitern Medizintechnikunternehmen ihre Angebote: Abbott führt in Brasilien das System Volt PFA sowie den Katheter TactiFlex Duo ein, der einen kontinuierlichen Wechsel zwischen Radiofrequenz und PFA während derselben Prozedur ermöglicht.
Bei persistierendem Vorhofflimmern entscheidet die Zielauswahl über den Erfolg: Digitale Herz-Zwillinge, die MRT-Daten mit elektrischer Spannung und Erregungsleitungsgeschwindigkeit kombinieren, identifizierten in 3D-Modellen konsistent mehr und andere Ablationsziele als MRT-Daten allein. Unsere Checkliste führt Sie durch die Zusammenführung der drei Datentypen — und durch die Frage, wann ein Wiederholungseingriff vermeidbar ist. Checkliste digitale Herz-Zwillinge sichern
Letícia Baltazar, General Manager für Elektrophysiologie bei Abbott in Lateinamerika, verwies darauf, dass Vorhofflimmern weltweit die häufigste Rhythmusstörung darstelle und mit einem bis zu fünffach erhöhten Schlaganfallrisiko einhergehe.
Zusätzliche Initiativen wie das europäische Doktorandennetzwerk TrackAF unter Koordination des Karlsruher Instituts für Technologie zielen darauf ab, mechanistische und datengestützte Modelle weiter in die Behandlungsoptimierung zu integrieren.
