Psychotherapie, Wartezeiten

Psychotherapie: Wartezeiten könnten um 30% steigen durch Spargesetz

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 22:44 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Geplante Honorarkürzungen bedrohen die Existenz vieler Psychotherapie-Praxen. Patienten müssen mit deutlich längeren Wartezeiten rechnen.

GKV-Spargesetz: Psychotherapeuten warnen vor Versorgungskrise
Psychotherapie - Eine nachdenkliche Psychotherapeutin sitzt in einem schummrigen Büro und blickt besorgt auf Dokumente. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Fachverbände und Experten schlagen Alarm: Die geplanten Einschnitte bei der Vergütung bedrohen die Existenz vieler Praxen. Patienten könnten die Leidtragenden sein – mit drastisch längeren Wartezeiten.

Streichung der Angemessenheitsprüfung sorgt für Unruhe

Der Kern des Konflikts: Die geplante Streichung der sogenannten Angemessenheitsprüfung. Bisher stellte sie sicher, dass Honorare im Verhältnis zu Kosten und Arbeitszeit stehen. Fällt sie weg, sehen Fachleute die wirtschaftliche Grundlage vieler Praxen gefährdet.

Die Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Benecke, warnt: Die Neuregelung entziehe den Praxen die wirtschaftliche Basis. Therapeutenverbände wie der DPNW und die DPtV fürchten, dass eine strikte Budgetierung zum Abbau von Therapieplätzen führt. Branchenkreisen zufolge erwägen Therapeuten bereits die Rückgabe ihrer Kassensitze oder den Wechsel zur Privatbehandlung.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) sieht die Versorgungsstrukturen geschwächt. Das gefährde die Ausbildung künftiger Fachkräfte und die allgemeine Versorgungsqualität.

Gericht stoppt Honorarkürzung vorerst

Bereits im Frühjahr senkte die Politik die Honorare ab. Seit dem 1. April galt eine Kürzung von 4,5 Prozent – bis das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg sie per Eilbeschluss stoppte. Die Richter bemängelten methodische Fehler in den Berechnungen.

Hintergrund der Klage: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zog vor Gericht. Zwar stiegen die Zuschläge für Personalkosten nominal um 14 Prozent. Doch unterm Strich ergab sich für 2026 eine Netto-Kürzung von 2,3 Prozent. KBV-Chef Gassen spricht von einem schwerwiegenden Fehlverhalten der Politik gegenüber der Berufsgruppe.

Fachanwälte und Verbände wie der BDP prüfen zudem, ob die Streichung der Angemessenheitsprüfung gegen Verfassungsrecht verstößt.

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Wartezeiten könnten um 30 Prozent steigen

Die Sparpolitik trifft vor allem die Patienten. Schätzungen der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung zufolge könnten die ohnehin langen Wartezeiten um bis zu 30 Prozent ansteigen. 2025 nahmen über 1,2 Millionen Menschen psychotherapeutische Leistungen in Anspruch.

Angesichts von jährlich über 10.000 Suiziden in Deutschland warnen Beobachter vor lebensbedrohlichen Konsequenzen. In Bayern protestierten bereits rund 1.700 Therapeuten mit einem Appell an die Landespolitik.

Kritiker betonen: Kurzfristige Einsparungen bei den Krankenkassen könnten langfristig zu höheren Folgekosten führen. Etwa wenn psychische Erkrankungen chronifizieren oder zu längeren Arbeitsausfällen führen.

Koalition plant Korrekturen – Verfassungsklage droht

Innerhalb der Regierungskoalition gibt es Bestrebungen, die Härten abzumildern. Vertreter von Union und SPD haben einen Entschließungsantrag angekündigt. Nach der Sommerpause im September soll er beraten werden. Geplant sind Ausnahmen für die extrabudgetäre Vergütung in dringlichen Bereichen – etwa der Kinder- und Jugendpsychotherapie und der Behandlung schwer psychisch Kranker.

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Die geplanten Korrekturen stoßen auf geteiltes Echo. Gesundheitsministerin Warken betont die Notwendigkeit der Konsolidierung der Kassenfinanzen. Vertreter der Grünen halten die Ausnahmen für unzureichend. Sie haben angekündigt, das Bundesverfassungsgericht anzurufen, um die Abstimmungen über das Gesetz in seiner jetzigen Form zu stoppen.

Die Fachverbände fordern eine grundlegende Nachbesserung bis zum Jahresende. Nur so lasse sich die flächendeckende Versorgung sichern.

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