Psychotherapie, Erstgespräch

Psychotherapie: Nur 34 Prozent wechseln nach dem Erstgespräch in Behandlung

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nur 34 Prozent von 1,5 Millionen Patienten erreichen eine antragspflichtige Psychotherapie; Fachleute diskutieren bessere Steuerung und Krisenvorsorge.

KBV-Herbsttagung: Fachleute fordern klarere Wege zur Psychotherapie
Ein minimalistischer, leerer Wartebereich in einem modernen Gebäude mit hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Auf der Herbsttagung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am 8. Oktober 2026 in Berlin haben Fachleute mehr Verbindlichkeit und Übersichtlichkeit bei der psychotherapeutischen Versorgung angemahnt.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand der weitere Behandlungsweg nach der psychotherapeutischen Sprechstunde. Der anschließende Versorgungsverlauf nach der Ausstellung des Formblatts PTV-11 stelle derzeit für Behandelnde wie Patienten eine unklare Zone dar, da oft offenbleibe, welche Schritte tatsächlich folgen.

Diskrepanz zwischen Erstgespräch und Richtlinientherapie

Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) verdeutlichen diesen Bruch in der Versorgungskette. Nach Angaben des Instituts vom 8. Oktober 2026 gelangen von 1,5 Millionen Patientinnen und Patienten mit einer psychotherapeutischen Sprechstunde lediglich 34 Prozent in eine antragspflichtige Psychotherapie.

Um diese Hürden abzubauen, schlug Zi-Chef Dominik von Stillfried auf der Tagung einen digitalen Fachdienst sowie strukturierte Ersteinschätzungen vor. Dieser Vorstoß stieß jedoch auf fachlichen Widerspruch: bvvp-Vize Boeker sprach sich gegen den Einsatz des Instruments SmED in der psychotherapeutischen Regelversorgung aus.

Erfahrungen aus regionalen Projekten zeigen derweil, wie eine differenzierte Zuweisung nach Ersteinschätzungen aussehen kann. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen wurden 77 Patienten für Videotermine gescreent. Im Ergebnis wurden 14 stationäre Therapien, 14 ambulante Einzeltherapien, 35 Gruppentherapien und 9 niedrigschwellige Angebote empfohlen.

Krisenfestigkeit und Schnittstellen im ambulanten System

Über die Erststeuerung hinaus debattierten die Teilnehmer der KBV-Herbsttagung über die allgemeine Belastbarkeit des ambulanten Sektors. Fachleute forderten bessere Koordination, Lagebilder und verlässliche Informationsangebote, um Krisensituationen bewältigen zu können. Laut Zi sind die meisten Praxen bislang nicht ausreichend auf Ereignisse wie Naturkatastrophen, militärische Konflikte, Sabotageakte oder Cyberangriffe vorbereitet.

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Vertreter der KBV sowie der Kassenärztlichen Vereinigungen forderten daher abgestimmte Strukturen, rechtliche Regeln für Priorisierungen und mögliche Ausnahmen vom Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V).

Zudem verlangten sie klare Kompetenzen und eine finanzielle Ausstattung für die Kassenärztlichen Vereinigungen im geplanten Gesundheitssicherstellungsgesetz. Gleichzeitig wiesen KBV und KVen darauf hin, dass strenge Datenschutzauflagen den Austausch von Kapazitätsdaten mit anderen Stellen gegenwärtig erschweren.

Debatte um Termingarantien und Versorgungsstrukturen

Parallel zu den Tagungsergebnissen warnte KBV-Chef Andreas Gassen vor überzogenen Erwartungen an politische Pläne von Union und SPD für eine generelle Termingarantie. Ein Facharzttermin bei jedem Spezialisten zu jeder Zeit sei rein mengenmäßig nicht realisierbar.

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Geplant sei vielmehr eine gezielte Steuerung über Hausarztpraxen – bei Kindern über Kinderärzte – flankiert durch digitale Ersteinschätzungsverfahren. Dringliche Fälle müssten zudem unabhängig vom Versicherungsstatus schneller versorgt werden.

Demgegenüber pocht der Sozialverband Deutschland auf eine verlässliche Garantie und eine faire Vergabe von Behandlungsterminen unabhängig vom Versichertenstatus. Die Diskussionen auf der KBV-Herbsttagung unterstreichen, dass die künftige Gestaltung des psychotherapeutischen Zugangs eine zentrale Weichenstellung für die gesamte ambulante Versorgung bleibt.

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