Psychotherapie-Krise: Wartezeiten von 142 Tagen bundesweit
31.05.2026 - 16:39:21 | boerse-global.deWährend die Nachfrage nach Behandlungsplätzen steigt, sorgt eine Honorarabsenkung für neuen Zündstoff zwischen Therapeuten, Krankenkassen und Politik.
4,5 Prozent weniger Honorar – und das ist erst der Anfang
Seit dem 1. April 2026 gilt eine pauschale Kürzung der psychotherapeutischen Vergütung um 4,5 Prozent. Der Erweiterte Bewertungsausschuss (EBA) hatte dies beschlossen. Zwar wurden die Strukturzuschläge um 14,5 Prozent angehoben, doch der GKV-Spitzenverband rechnet für 2026 mit einer effektiven Honorarabsenkung von rund 2,3 Prozent.
Anzeige: Bundesweit warten Patienten im Schnitt 142 Tage auf einen Therapieplatz – in manchen Regionen sogar neun bis zwölf Monate. Die aktuelle Honorarkürzung verschärft die Lage zusätzlich. Doch es gibt Wege, schneller einen Termin zu bekommen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen fünf Sofort-Hilfen, eine Checkliste für freie Kassensitze und die besten Videotherapie-Alternativen. Jetzt kostenlosen Sofort-Ratgeber anfordern
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat bereits Klage eingereicht. Aus Sicht der Therapeuten gefährdet die Abwertung die Wirtschaftlichkeit der Praxen – bei gleichzeitig steigenden Betriebskosten. Die Folge: Immer mehr Therapeuten könnten Privatpatienten bevorzugen. Für gesetzlich Versicherte würde das die Hürden weiter erhöhen.
Eine Bundestagspetition gegen die Verschlechterung der Versorgungsbedingungen sammelte über 600.000 Unterschriften.
Fünf Monate Wartezeit – in manchen Regionen noch länger
Die personellen und finanziellen Engpässe zeigen sich vor allem bei den Wartezeiten. Bundesweit warten Patienten im Schnitt 142 Tage zwischen Erstgespräch und Therapiebeginn. In Mönchengladbach berichten Therapeuten von Wartezeiten zwischen neun und zwölf Monaten.
Auch spezialisierte Angebote leiden. In Oberösterreich ging die Zahl der betreuten Personen in der Männerberatung seit 2022 um rund 17 Prozent zurück. Grund sind reduzierte Personalressourcen. Die Wartezeit auf ein Erstgespräch beträgt dort inzwischen zwei bis drei Monate.
Milliarden-Sparkurs trifft die Psyche
Die Honorarkürzungen sind Teil eines größeren Sparkurses im Gesundheitswesen. Eine Expertenkommission unter Bundesgesundheitsministerin Nina Warken erarbeitete bereits im September 2025 Vorschläge, die bis 2027 Einsparungen von bis zu 42 Milliarden Euro bei der gesetzlichen Krankenversicherung vorsehen.
Politische Vertreter verweisen auf die Eigenverantwortung der Selbstverwaltung. Gleichzeitig gibt es Gegenmaßnahmen: In Nordrhein-Westfalen wurden 45 zusätzliche Kassensitze für Psychotherapeuten geschaffen – gezielt in ländlichen und strukturschwachen Regionen.
Anzeige: Die Honorarkürzung von 4,5 Prozent gefährdet die Wirtschaftlichkeit vieler Praxen – immer mehr Therapeuten weichen auf Privatpatienten aus. Für gesetzlich Versicherte wird die Suche nach einem Platz noch schwieriger. Unser Ratgeber hilft Ihnen, mit digitalen Angeboten und einer cleveren Checkliste trotzdem schnell einen Termin zu bekommen. Sofort-Hilfe für Ihren Therapieplatz sichern
Alternative Versorgungsmodelle wie Psychiatrische Institutsambulanzen sollen den Fachkräftemangel abfedern. Sie setzen auf multiprofessionelle Teams und digitale Angebote wie Videosprechstunden.
Ausbildungskrise – der nächste Engpass
Kritik kommt auch an der Ausbildungsreform für Psychotherapeuten. Fachleute warnen: Die aktuelle Krise in der Weiterbildung könnte den künftigen Mangel an qualifizierten Kräften noch verschärfen. Ende Mai 2026 demonstrierten Therapeuten in Bremen für eine stabile Finanzierung und bessere Rahmenbedingungen – für angehende und praktizierende Therapeuten gleichermaßen.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.
