Psychotherapie-Krise, Vergütungskürzungen

Psychotherapie-Krise: 500.000 unterschreiben gegen Vergütungskürzungen

10.06.2026 - 09:25:17 | boerse-global.de

Schleswig-Holstein stellt die Vergütung von Psychotherapeuten zur Debatte. Eine Petition mit über 500.000 Unterschriften erreichte den Bundestag.

Psychotherapeuten-Honorare: Schleswig-Holstein fordert Reform
Psychotherapie-Krise - Eine nachdenkliche Psychotherapeutin in einem modernen, beruhigend beleuchteten Büro, die sich auf psychotherapeutische Versorgung konzentriert. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Gesundheitsministerkonferenz in Hannover beschäftigt sich mit einem brisanten Thema: Schleswig-Holstein will die aktuellen Vergütungsstrukturen für Psychotherapeuten auf den Prüfstand stellen.

Hintergrund sind Honoraranpassungen, die seit April 2026 für erheblichen Unmut in der Fachwelt sorgen. Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken zeigt sich besorgt über die künftige ambulante Versorgung – angesichts einer deutlich gestiegenen Nachfrage nach Therapieplätzen.

Was steckt hinter den Kürzungen?

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Der Erweiterte Bewertungsausschuss hatte am 11. März 2026 eine Senkung der Vergütung um 4,5 Prozent beschlossen. Gleichzeitig stieg der sogenannte Strukturzuschlag um 14,25 Prozent. Seit dem 1. April gelten die neuen Regeln.

Die Krankenkassen verteidigen die Entwicklung. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) bezeichnet die Kürzungen als vermeintlich und hält einen Jahresumsatz von über 190.000 Euro pro Praxis für auskömmlich. Ganz anders sieht das die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Jährlich könnten bis zu 46 Millionen Behandlungsfälle nicht mehr ausreichend finanziert sein.

Petition erreicht den Bundestag

Die Debatte erreichte am 8. Juni die Bundesebene. Der Petitionsausschuss des Bundestages befasste sich mit einer Eingabe zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung. Über 500.000 Unterschriften gegen die Kürzungen wurden bereits Mitte April übergeben.

Staatssekretär Tino Sorge (Bundesgesundheitsministerium) verwies auf die Autonomie der Selbstverwaltung. Die Zahl der Therapeuten sei seit 2014 um 55 Prozent gestiegen – eine generelle Unterversorgung sehe er nicht. Andrea Benecke, Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer, fordert dagegen eine grundlegende Reform der Bedarfsplanung.

Proteste gegen das Spargesetz

Die Honorardiskussion ist Teil einer größeren Auseinandersetzung. Das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz steht massiv in der Kritik. Für den heutigen 10. Juni riefen Ärzteverbände wie Medi Geno und die Freie Ärzteschaft zu bundesweiten Protesten und Praxisschließungen auf.

Auch Baden-Württembergs Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand warnte in einem Brief an Bundesministerin Nina Warken vor einer drohenden Insolvenzgefahr für Krankenhäuser. Die AOK verteidigt das Sparpaket als notwendig zur Stabilisierung der Kassenfinanzen. Die erste Beratung des Gesetzes im Bundestag ist für den 12. Juni angesetzt.

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Weiterbildung: Finanzierung ungeklärt

Ein weiterer Punkt der schleswig-holsteinischen Initiative: die Finanzierung der neuen Psychotherapeuten-Weiterbildung. Der Beschlussentwurf aus Kiel fordert den Bund auf, zeitnah Regelungen für die Vergütung von Supervision, Theorie und Selbsterfahrung zu schaffen.

Bisher ist die gesetzliche Finanzierung dieser essenziellen Bestandteile nicht abschließend geregelt. Fachleute warnen: Das gefährdet die langfristige personelle Aufstellung des gesamten Berufsstandes.

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