Psychotherapie-Boom, Therapeuten

Psychotherapie-Boom: 41.937 Therapeuten, 55% mehr seit 2014

04.06.2026 - 10:51:09 | boerse-global.de

Das Bundesgesundheitsministerium sieht keine Rechtsfehler bei der umstrittenen Honorarkürzung für Psychotherapeuten. Die KBV zieht dennoch vor Gericht.

Psychotherapie-Boom: 41.937 Therapeuten, 55% mehr seit 2014 - Bild: über boerse-global.de
Psychotherapie-Boom: 41.937 Therapeuten, 55% mehr seit 2014 - Bild: über boerse-global.de

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat die umstrittene Kürzung der Psychotherapeuten-Vergütung geprüft und für rechtmäßig erklärt. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) teilte Anfang Juni mit, dass das Ministerium keine Einwände erheben werde. Die Prüfung des BMG beschränkt sich auf Rechtsfehler oder Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben – und solche habe der Erweiterte Bewertungsausschuss (EBA) nicht begangen.

Was steckt hinter dem Honorar-Streit?

Im Kern geht es um eine 4,5-prozentige Kürzung der Grundvergütung für Psychotherapeuten, die am 1. April 2026 in Kraft trat. Gleichzeitig wurden die Strukturzuschläge für Personalkosten rückwirkend zum 1. Januar 2026 um rund 14 bis 14,5 Prozent angehoben.

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Die Bewertung der finanziellen Auswirkungen fällt höchst unterschiedlich aus. Der GKV-Spitzenverband rechnet für 2026 mit einem Netto-Minus von 2,3 Prozent. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hingegen erwartet einen durchschnittlichen Rückgang von etwa 3,5 Prozent. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisiert die Kürzung als unbegründet und rechtlich angreifbar.

Dabei hatten die Krankenkassen in den EBA-Verhandlungen ursprünglich sogar eine drastischere Reduzierung um zehn Prozent gefordert – ein Vorschlag, den die KBV ablehnte. Der neutrale Vorsitzende des Ausschusses vermittelte schließlich den Kompromiss.

Kassenärzte ziehen vor Gericht

Die KBV hat bereits Klage beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg eingereicht. KBV-Chef Andreas Gassen nannte die Entscheidung des BMG, nicht einzugreifen, einen „Kommunikationsfehler" und beklagte das „stilose Verfahren". Parallel beantragte die KBV einstweiligen Rechtsschutz, um die Kürzungen vorerst zu stoppen.

Auch auf Landesebene gibt es Bewegung. Die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Anette Bunse (CDU) stellte im April 2026 klar, dass die Länder im EBA kein Stimmrecht haben und die Honorarentscheidungen daher nicht direkt beeinflussen können.

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Psychotherapeuten-Zahl explodiert – neue Reform geplant

Die Debatte fällt in eine Zeit massiven Wachstums: Aktuell sind 41.937 Psychotherapeuten in der gesetzlichen Krankenversicherung zugelassen – ein Anstieg von 54,61 Prozent seit 2014, als es noch rund 27.000 waren.

Das BMG kündigte als Reaktion auf anhaltende Versorgungsengpässe ein neues Gesetzesvorhaben zur Bedarfsplanung an. Ziel: mehr Niederlassungsmöglichkeiten speziell für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Einige Bundesländer sind bereits vorangegangen – Nordrhein-Westfalen schuf kürzlich 45 zusätzliche Psychotherapie-Sitze in unterversorgten Regionen.

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