Psychische, Leiden

Psychische Leiden: Erkrankungen steigen um 9% zur Hauptursache

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 21:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychische Erkrankungen werden zur Hauptursache für Arbeitsausfälle, während flexible Modelle und Prävention an Bedeutung gewinnen.

Krankenstand sinkt leicht, psychische Leiden steigen rasant
Mitarbeiter nehmen an einem betrieblichen Wellness-Programm teil, das Wohlbefinden und psychische Gesundheit am Arbeitsplatz fördert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Daten einer Krankenkasse für das erste Halbjahr 2026 zeigen: Der allgemeine Krankenstand fiel auf 5,3 Prozent – ein leichter Rückgang von 0,1 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Im Schnitt fehlte jeder Beschäftigte 9,6 Tage.

Psychische Erkrankungen legen um neun Prozent zu

Während die Gesamtzahlen leicht sinken, entwickelt sich ein Bereich zur ernsten Herausforderung: Psychische Erkrankungen stiegen um neun Prozent auf 184 Fehltage pro 100 Versicherte. Sie sind damit die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Ein Lichtblick: Atemwegserkrankungen gingen um 21 Prozent zurück.

Die Demografie spielt eine entscheidende Rolle. Beschäftigte unter 55 Jahren fehlten seltener. Bei den über 60-Jährigen stiegen die Ausfallzeiten dagegen um 0,3 Prozentpunkte. Unternehmen müssen also mit unterschiedlichen Altersgruppen unterschiedlich umgehen.

Präsentismus: Wenn Kranke zur Arbeit kommen

Ein massives Problem bleibt der Präsentismus. Eine Studie aus 2025 zeigt das Ausmaß: 72 Prozent der Beschäftigten in Oberösterreich gingen krank zur Arbeit. 2015 waren es nur 30 Prozent. Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm: Allein in Österreich verursachen Krankenstände Kosten von rund 4,8 Milliarden Euro bei jährlich 5,9 Millionen Fällen.

Die Unternehmen fordern strengere Kontrollen gegen vermuteten Missbrauch. Arbeitnehmervertreter warnen dagegen vor den gesundheitlichen Risiken verschleppter Krankheiten. Ein klassischer Zielkonflikt.

Flexible Arbeitszeiten senken Fehlzeiten um 48 Prozent

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Immer mehr Unternehmen setzen auf Prävention. Die Chronobiologie liefert klare Erkenntnisse: Nur 20 Prozent der Menschen sind Frühaufsteher. Starre Arbeitszeiten schaden der Gesundheit. Ein Praxisbeispiel aus einer Klinik zeigt, was möglich ist: Durch angepasste Schichtzeiten sank die Tagesmüdigkeit um 72 Prozent, die krankheitsbedingten Fehlzeiten um 48 Prozent.

Experten empfehlen flexible Arbeitszeitmodelle und Meetings zwischen 10 und 15 Uhr. Genau in diesem Zeitfenster sind die meisten Menschen leistungsfähig.

Bewegungswettbewerb mit 1.500 Teilnehmern

Regionale Gesundheitsinitiativen boomen. Im Kreis Euskirchen startete im Mai 2026 ein Wettbewerb mit über 50 Firmen und 1.500 Mitarbeitern. Über eine App sammeln sie Punkte für Bewegung, Yoga oder gesunde Ernährung. Zur Halbzeit wurden bereits über 100.000 Stunden Bewegung dokumentiert.

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Flankiert wird das durch Teamevents wie Firmenläufe. Am heutigen Montag startet in Hamburg ein solcher Lauf – Teamgeist und Fitness in einem.

Teilkrankschreibung: Flexibler Wiedereinstieg oder Bürokratie?

Der Gesetzgeber reagiert auf die Entwicklung. Am 10. Juli 2026 verabschiedete das Parlament das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Kernstück: die Teilkrankschreibung. Arbeitnehmer können künftig 25, 50 oder 75 Prozent arbeiten – wenn Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Arzt zustimmen.

Krankenkassen begrüßen das Modell als flexiblen Wiedereinstieg. Ärzte kritisieren dagegen die praktische Umsetzung und geplante Kürzungen bei psychotherapeutischen Leistungen. Ob das Modell wirklich ankommt, wird sich zeigen.

Betriebliche Altersvorsorge als Bindungsinstrument

Im Wettbewerb um Fachkräfte gewinnen Zusatzleistungen an Bedeutung. Zwei Drittel der Unternehmen sehen die betriebliche Altersvorsorge als zentrales Instrument der Mitarbeiterbindung. 87 Prozent der Firmen sind vom Fachkräftemangel betroffen. Fachverbände fordern eine weitere Konkretisierung der bAV-Umsetzung, um Rentenlücken effektiv zu schließen.

Infobus tourt durch Deutschland

Ende Juli macht ein Infobus in Karlsruhe Station. Das mobile Beratungsformat informiert über Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetesprävention. Direkt im öffentlichen Raum und Arbeitsumfeld – dort, wo die Menschen sind.

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