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Psychische Krisen: Apotheken werden zur Erstanlaufstelle für Jugendliche

29.05.2026 - 04:12:22 | boerse-global.de

Knapp 50 Apotheken in Deutschland bieten ab Mai 2026 anonyme und kostenlose psychologische Erstberatung für Jugendliche an.

Psychische Krisen: Apotheken werden zur Erstanlaufstelle für Jugendliche - Foto: über boerse-global.de
Psychische Krisen: Apotheken werden zur Erstanlaufstelle für Jugendliche - Foto: über boerse-global.de

Das Projekt Safe-Space-Apotheken bietet anonyme und kostenlose Erstberatung – ohne Termin, ohne Druck. Die Idee: Die Lücke zwischen ersten Problemen und einem Therapieplatz schließen.

Ausbau der Erstberatung in Apotheken

Initiiert hat das Projekt die Jugendinitiative Our Generation Z (OGZ). Wissenschaftlich begleitet wird es von der Freien Universität Berlin. Im Mai 2026 machen bundesweit knapp 50 Apotheken mit – mit Schwerpunkten in Berlin, Brandenburg und Baden-Württemberg. Allein in Berlin bieten drei, in Brandenburg vier Apotheken den Service an. In Baden-Württemberg sind es sieben.

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Die Beratung läuft ohne Voranmeldung und ist anonym. Speziell geschulte Mitarbeiter fungieren als Ersthelfer. Sie vermitteln Betroffene an weiterführende Hilfsangebote. Eine therapeutische Behandlung findet in den Apotheken nicht statt. Das Angebot dient als Wegweiser im Gesundheitssystem.

Bis Ende 2026 soll das Angebot flächendeckend ausgebaut werden. Ziel: Bis 2030 insgesamt 1.000 Safe-Space-Apotheken in Deutschland.

Wachsender Bedarf bei Jugendlichen

Die Notwendigkeit solcher Angebote untermauern aktuelle Zahlen. Laut Schulbarometer der Bosch-Stiftung zeigt etwa ein Viertel der 8- bis 17-Jährigen psychische Auffälligkeiten. Besonders deutlich wird das bei Angststörungen: Daten der DAK für 2024 belegen allein für Berlin rund 9.200 betroffene Kinder und Jugendliche. Seit 2019 ist der Anteil von Mädchen mit chronischen Angststörungen um 83 Prozent gestiegen.

Ein Bericht aus dem Frühjahr 2026 zeigt: Psychische Erkrankungen waren 2024 die häufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte bei den 10- bis 19-Jährigen. Claudia Calvano von der FU Berlin sieht in den Apotheken eine Chance, Versorgungslücken abzufedern. „Die meisten psychischen Erkrankungen beginnen im Kindes- und Jugendalter“, sagt sie. Eine frühzeitige Intervention sei entscheidend.

Strukturelle Engpässe in der Versorgung

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Trotz steigendem Bedarf kämpft die psychiatrische Versorgung mit personellen und strukturellen Problemen. Nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz mehr als ein halbes Jahr. Besonders in ländlichen Regionen wie Brandenburg ist die Lage angespannt: Dort stehen für die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung lediglich 27 Arztsitze zur Verfügung.

Daniel Illy, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Klinikum Brandenburg an der Havel, bewertet die Safe-Space-Apotheken als sinnvollen Baustein. Sie könnten den ambulanten Sektor stärken. Aus Fachkreisen kommt jedoch Kritik an der finanziellen Rahmengestaltung. Eine Kürzung des Psychotherapeutenhonorars um 4,5 Prozent erschwere die Ausweitung der Kapazitäten.

Neben den Apotheken entstehen punktuell weitere spezialisierte Angebote. Im März 2026 eröffneten die DRK Kliniken Berlin Westend eine neue Eltern-Kind-Tagesklinik. Sie unterstützt Familien mit psychisch belasteten Kindern im Alter von fünf bis neun Jahren teilstationär. Solche Einrichtungen bleiben jedoch oft Einzelfälle. Die flächendeckende Präsenz von Apotheken als niedrigschwellige Kontaktpunkte gewinnt dadurch umso mehr an Bedeutung.

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