Psychische, Krisen

Psychische Krisen: 63 Prozent der Beschäftigten erleben mehr Belastung

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 22:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schulungen, persönliche Begleitung und betriebliche sowie schulische Programme sollen frühe Hilfe bei seelischen Krisen erleichtern.

Psychische Gesundheit: Kurse, Peer-Beratung und Prävention im Alltag
Ein heller, ruhiger Raum mit einem leeren Stuhl und sanftem Tageslicht, der eine Atmosphäre von Unterstützung und Ruhe vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die Früherkennung seelischer Krisen gewinnt im privaten und beruflichen Umfeld zunehmend an Bedeutung. Verschiedene Initiativen und Bildungsprogramme setzen darauf, Laien mit grundlegenden Fähigkeiten auszustatten, um Betroffene rechtzeitig zu unterstützen und mentale Gesundheit im Alltag aktiv zu fördern. Erste-Hilfe-Konzepte für die Psyche zielen darauf ab, Berührungsängste abzubauen und Hilfsangebote schneller zugänglich zu machen.

Das Schweizer Modell Ensa und die Rolle von Laien

Ein etabliertes Format stammt von der Schweizer Organisation Pro Mente Sana unter dem Namen Ensa. Das Konzept, das ursprünglich vor über 20 Jahren in Australien entwickelt wurde, ist seit 2018 in der Schweiz verbreitet. Die stellvertretende Ensa-Leiterin und Psychologin Chantal Hofstetter stellt klar, dass in den Kursen reine Erste Hilfe vermittelt werde und es weder um Diagnosen noch um Therapien gehe.

Die Schulung umfasst zwölf Stunden, die auf mehrere Tage aufgeteilt werden. Das Angebot steht vor Ort sowie online in vier Sprachen zur Verfügung und lässt sich auch als firmeninterne Weiterbildung buchen.

Zu den typischen Anzeichen psychischer Probleme zählen Verhaltensänderungen, sozialer Rückzug und anhaltende Alltagsschwierigkeiten. Für den Umgang im Alltag empfiehlt die Organisation, Betroffene offen und ohne Wertung anzusprechen, aktiv zuzuhören sowie auf Floskeln zu verzichten.

Zudem sollten Helfende frühzeitig zu professioneller Unterstützung ermutigen, den Kontakt halten und gleichzeitig ihre eigenen Belastungsgrenzen wahren. Zur Vernetzung existieren fachspezifische Anlaufstellen wie Periparto oder die Angst- und Panikhilfe Schweiz.

Peer-Beratung und Unterstützung im persönlichen Umfeld

Neben standardisierten Kursen gewinnen begleitende Modelle an Bedeutung. An der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich engagiert sich beispielsweise die 21-jährige Peer-Beraterin L., um junge Menschen in seelischen Krisen auf Augenhöhe zu begleiten.

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Nach einer eigenen schweren Krise samt Suizidversuch und Klinikaufenthalt rund sechs Jahre zuvor während der Corona-Pandemie war sie 2024 für einen Workshop angefragt worden. Daraus entstand eine stundenweise vergütete 1:1-Beratung, die als Ergänzung zu einer ambulanten Therapie dient.

Für diese Tätigkeit absolvieren Peer-Kräfte Weiterbildungen, um Grenzen zu setzen und persönliche Erfahrungen professionell zu teilen. Weitere Unterstützungsangebote umfassen Plattformen wie Reden-kann-retten.ch, Pro Mente Sana sowie konfessionelle Seelsorgedienste.

Auch für Angehörige existieren strukturierte Angebote. Die niederländische LEVgroep bot in Helmond das Training „Hoe gaat het nu mit jou?“ an drei Terminen im Juni und Juli an. Dieses richtete sich an Eltern, Partner und Kinder von Betroffenen und vermittelte praktische Übungen, Erfahrungsaustausch sowie Ansätze zur Selbstfürsorge.

Betriebliche Initiativen und Prävention an Schulen

Die Dringlichkeit frühzeitiger Hilfen belegen aktuelle Daten aus der Arbeitswelt. In Salzburg präsentierte die Plattform „because we care“ vor Führungskräften aus rund 30 Betrieben ein erweitertes Modul zur mentalen Gesundheit mit 25 Kapiteln sowie ein digitales Vermittlungstool namens „because we match“.

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Andreas Gruber hob dabei hervor, dass Fürsorge eine gezielte Vorsorge voraussetze. Rund 200.000 Beschäftigte haben Zugriff auf die Plattform. Eine Erhebung von PwC Österreich unter 1.092 Erwerbstätigen zeigte, dass 63 Prozent eine gestiegene psychische Belastung erleben; unter Beschäftigten mit pflegeverantwortung lag der Anteil sogar bei 83 Prozent.

Bereits bei Jugendlichen setzt das vor 25 Jahren in Leipzig gegründete bundesweite Präventionsprogramm „Verrückt? Na und!“ an. Laut dem Deutschen Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung vom März 2026 zeigt jedes vierte Kind in Deutschland psychische Auffälligkeiten; in einkommensschwachen Familien sind es 31 Prozent.

Das Programm führte zuletzt an der Hauptschule Rüningen in Braunschweig einen Projekttag durch, an dem Fachkräfte des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes sowie der Schulsozialarbeit und des Vereins „Der Weg“ beteiligt waren.

Ergänzt werden diese Maßnahmen durch regionale Aufklärungsarbeit: Der Verein Gedankengewitter, hervorgegangen aus einem 2018 veröffentlichten Buch über Depressionen von Andy Feind, richtet am 10. Oktober 2026 in Villingen erneut den Black Dog Day aus, um das gesellschaftliche Miteinander für psychische Gesundheit zu stärken.

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