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Psychische Krankschreibungen: DAK meldet 15 Prozent mehr Fälle

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

DAK-Daten zeigen mehr psychisch bedingte Krankschreibungen; Unternehmen sollen mit klaren Aufgaben und flexiblen Zielen gegensteuern.

Psychische Belastung im Job nimmt zu: Folgen für Beschäftigte und Firmen
Ein leerer Holzstuhl in einem minimalistischen, schattigen Raum bei Dämmerlicht, der eine Atmosphäre der Erschöpfung vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Erhebungen und Berichte zeichnen ein deutliches Bild zunehmender mentaler Belastungen in der Arbeitswelt. Insbesondere junge Berufstätige geraten durch die Kombination aus beruflichem Leistungsdruck und digitaler Hypervernetzung vermehrt in Erschöpfungszustände.

Parallel dazu rückt die spezifische Überlastungssituation berufstätiger Mütter in den Fokus, die durch familiären Mental Load und widersprüchliche Rollenerwartungen an ihre Belastungsgrenzen stoßen.

Dauerstress und Vergleichsdruck bei Berufseinsteigern

Fachleute beschreiben hohe Leistungserwartungen, ständige Erreichbarkeit sowie die allgegenwärtige digitale Vernetzung als wesentliche Belastungsfaktoren für Berufseinsteiger.

Zusätzlichen Druck erzeugen negative soziale Vergleiche auf Social-Media-Plattformen, die laut wissenschaftlichen Untersuchungen das Entstehen von Angst- und Depressionsgefühlen verstärken können. Chronischer Stress beeinträchtigt dabei nicht nur die Konzentration und die Entscheidungsfindung, sondern schwächt auch die emotionale Selbstkontrolle nachhaltig.

Als typische Frühwarnzeichen gelten eine anhaltende Erschöpfung trotz Erholungszeiten, wachsende Reizbarkeit, der Verlust von Freude an Tätigkeiten sowie eine spürbare Distanzierung von den eigenen Aufgaben. Die Psychologin Claudia Garbrecht führt anhaltende Erschöpfung, zunehmende Distanz zur Arbeit und eine sinkende Leistungsfähigkeit als klassische Kriterien einer Überlastung an.

Doppelbelastung und Dauerbetrieb im Familienalltag

Neben Berufseinsteigern stehen vor allem Mütter unter erheblichem Druck. Nach Angaben von Instahelp-Geschäftsführerin Bernadette Frech funktionieren viele Mütter trotz tiefer innerer Erschöpfung im Alltag weiter. Dieses Phänomen einer ständigen Überlastung ohne Zusammenbruch treffe insbesondere Frauen in der sogenannten Rushhour des Lebens zwischen 28 und 45 Jahren.

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Ursächlich dafür seien neben beruflicher Tätigkeit vor allem der tägliche Mental Load, emotionale Fürsorgearbeit und widersprüchliche Anforderungen an Familie und Beruf. Frech regt an, den eigenen Anspruch an das Bild einer perfekten Mutter zu reduzieren und ein realistischeres Verständnis von Elternschaft zu entwickeln.

Strukturelle Rahmenbedingungen verstärken die Belastung vieler Familien. Franca Lehfeldt verwies in Beiträgen auf gravierende regionale Ungleichheiten bei der institutionellen Betreuung: Während ein Kitaplatz in Schwerin monatlich 0 Euro koste, würden in München etwa 1.000 Euro fällig, wobei die Verfügbarkeit von Plätzen vielerorts ungesichert bleibe.

Wirtschaftliche Folgekosten und organisatorische Gegenmaßnahmen

Die gesundheitlichen Belastungen spiegeln sich in den betrieblichen Krankheitsstatistiken wider. Eine Analyse der DAK für Schleswig-Holstein unter rund 111.000 Versicherten zeigt, dass die Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15 Prozent gestiegen sind.

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Die Fehltage beliefen sich auf 214 je 100 Beschäftigte, verglichen mit 187 im ersten Halbjahr 2025. Expertin Claudia Buengeler verweist darauf, dass psychisch bedingte Ausfälle im Durchschnitt rund einen Monat andauern. Hohe Anforderungen bei gleichzeitig mangelnden Ressourcen sowie destruktive Führung schaden Gesundheit und Wohlbefinden spürbar.

Auch ökonomisch verursacht die Erschöpfung erhebliche Schäden. Berechnungen aus den USA beziffern die jährlichen Kosten durch Burnout und emotionale Distanz auf rund 10.000 US-Dollar je Führungskraft, gut 20.000 US-Dollar je Topmanager und etwa 4.000 US-Dollar je sonstigem Beschäftigten.

Für ein durchschnittliches Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern entspreche dies jährlichen Verlusten von rund 5 Millionen US-Dollar, wovon etwa 90 Prozent auf Präsentismus zurückzuführen seien. Fachleute empfehlen Unternehmen daher, flexiblere Zielvorgaben, klare Aufgabenverteilungen und psychologisch sichere Arbeitsumfelder zu schaffen, um Arbeitsausfällen vorzubeugen.

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