Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen treiben Fehlzeiten in die Höhe

06.05.2026 - 03:41:32 | boerse-global.de

Psychische Erkrankungen verursachen mehr Fehltage als Rückenleiden. Pflegebelastung und KI-Risiken prägen die Debatte.

Psychische Erkrankungen treiben Fehlzeiten in die Höhe - Foto: über boerse-global.de
Psychische Erkrankungen treiben Fehlzeiten in die Höhe - Foto: über boerse-global.de

Aktuelle Daten der Techniker Krankenkasse zeigen: Im ersten Quartal 2026 entfielen 0,99 Fehltage pro Erwerbsperson auf psychische Erkrankungen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 0,92 Tagen in den Vorjahren. Damit liegen sie sogar vor Rücken- und Gelenkproblemen (0,65 Tage).

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Pflegebelastung verschärft die Lage

Fast sechs Millionen Menschen in Deutschland sind inzwischen pflegebedürftig – doppelt so viele wie 2017. Das hat das IGES-Institut im Auftrag des GKV-Spitzenverbands ermittelt. Die Folgen für den Arbeitsmarkt sind massiv: 13 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer pflegen Angehörige. Ein Drittel von ihnen fühlt sich stark belastet.

Besonders alarmierend: Immer mehr junge Menschen sind betroffen. Der Anteil der unter 65-Jährigen unter den Pflegebedürftigen stieg von 17,5 Prozent (2017) auf fast 24 Prozent. Haupttreiber sind kognitive und psychische Einschränkungen. Bei den unter 18-Jährigen verdoppelte sich der Anteil der Neuanträge auf 6,5 Prozent.

Betriebe ignorieren gesetzliche Pflichten

Seit 2013 sind Arbeitgeber zur psychischen Gefährdungsbeurteilung verpflichtet. Doch viele Betriebe hinken hinterher. Die Handwerkskammer Mannheim bietet Ende Mai ein spezielles Webseminar an – die psychisch bedingten Fehltage im Handwerk haben sich innerhalb von 15 Jahren verzehnfacht.

International wird ebenfalls nachgesteuert. In den USA kündigte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. einen Aktionsplan gegen die Überverschreibung von Psychopharmaka an. Rund 16 Prozent der erwachsenen Amerikaner nehmen Antidepressiva. Der Plan fördert Alternativen und das kontrollierte Absetzen von Medikamenten.

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KI als Krisenhelfer – mit Risiken

65 Prozent der 16- bis 39-Jährigen haben bereits mit KI-Chatbots über psychische Probleme gesprochen. Das zeigt eine Untersuchung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Von den diagnostizierten Depressionen-Patienten nutzen 35 Prozent KI – 85 Prozent fanden die Gespräche hilfreich.

Doch die Kehrseite ist erschreckend: 53 Prozent der Nutzer äußerten nach der Interaktion verstärkt Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid. Die Stiftung warnt eindringlich: KI kann keine professionelle Diagnostik ersetzen. Google investiert dennoch 30 Millionen Dollar in psychische Gesundheitsorganisationen. Der KI-Assistent Gemini soll künftig bei akuten Krisen auf Hilfsangebote verweisen.

Systemrelevante Berufe besonders betroffen

Der MeND-Bericht der WHO/Europa zeichnet ein düsteres Bild: Ein Drittel von Gesundheitsmitarbeitern leidet unter Depressionen oder Angstzuständen. Jeder zehnte Befragte hatte bereits Suizidgedanken. Die Daten basieren auf einer Umfrage unter 90.000 Beschäftigten.

Auch Lehrer sind stark betroffen. 25 bis 33 Prozent gelten als burnout-gefährdet, 36 Prozent klagen über emotionale Erschöpfung. Erste Schulen reagieren mit flexiblen Ruheräumen und regelmäßigen Belastungsbefragungen.

In Griechenland fordert die Ärztekammer nach Zusammenbrüchen von Klinikpersonal radikale Reformen: strikte 40-Stunden-Woche, Schluss mit unbezahlten Überstunden.

Wartezeiten verschlimmern die Lage

Durchschnittlich 20 Wochen müssen Betroffene in Deutschland auf einen Therapieplatz warten. Leichte Erkrankungen werden chronisch, Arbeitsausfälle langfristig. Digitale Gesundheitsanwendungen überbrücken zwar, ersetzen aber keine Fachkräfte.

Der Bundesverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen fordert eine stärkere Regulierung digitaler Medien – besonders für Kinder und Jugendliche. Prävention müsse früh ansetzen.

Was kommt als Nächstes?

Bundesgesundheitsministerin Warken will bis Mitte Mai einen Entwurf für eine umfassende Pflegereform vorlegen. Erwartet werden Entlastungen für pflegende Angehörige.

Der Mental Health Summit am 22. Oktober in München zeichnet innovative Unternehmenskonzepte aus. Bewerbungen für den Mental Health Award sind bis 31. Juli möglich – erstmals auch für Anbieter von Mitarbeiterhilfsprogrammen.

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