Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: Saarland führt mit 6,2 Fehltagen bundesweit

02.07.2026 - 14:31:32 | boerse-global.de

Psychische Erkrankungen verursachen im Saarland 6,2 Fehltage pro Kopf – bundesweiter Spitzenwert. Lange Wartezeiten auf Therapieplätze verschärfen die Lage.

Saarland: Rekord bei psychisch bedingten Fehltagen 2025
Psychische - Eine Person sitzt allein in einem spärlich beleuchteten Raum, den Kopf in den Händen, Ausdruck von Stress und Isolation. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mit durchschnittlich 6,2 Fehltagen pro Arbeitnehmer liegt das Bundesland bundesweit an der Spitze. Das zeigt der aktuelle Barmer-Gesundheitsreport für 2025.

Zum Vergleich: Im Vorjahr lag der Wert noch bei 5,9 Tagen. Insgesamt fehlten Saarländer im Schnitt 25,4 Tage krankheitsbedingt – Platz drei im Bundesvergleich.

Regionale Unterschiede sind enorm

Besonders stark betroffen ist der Landkreis Neunkirchen. Dort verzeichneten Ärzte 6,8 Fehltage pro Person aufgrund psychischer Diagnosen. Im Landkreis St. Wendel lag der Wert mit 5,6 Tagen dagegen am niedrigsten.

Seit 2013 haben sich die psychisch bedingten Fehlzeiten im Saarland um mehr als 50 Prozent erhöht. Ein Blick auf den WIFO-Fehlzeitenreport 2025 bestätigt den Trend: Psychische Erkrankungen sind mittlerweile für 11,8 Prozent aller Fehltage verantwortlich. 1994 waren es lediglich 2,6 Prozent.

Auffällig: Frauen fehlten im Schnitt 15,5 Tage, Männer 14,1 Tage.

Bis zu sechs Monate Wartezeit auf Therapie

Die Versorgung hält mit der Nachfrage nicht Schritt. Zwar stieg die Ärztedichte von 1,62 auf 1,99 pro 100.000 Einwohner zwischen 2022 und 2025. Doch Patienten warten im Saarland teilweise bis zu sechs Monate auf einen Therapieplatz.

Barmer-Landesgeschäftsführerin Dunja Kleis und Gesundheitsminister Magnus Jung fordern deshalb mehr Investitionen in die psychische Gesundheit. Neben der klinischen Versorgung rücken präventive Angebote in den Fokus. Das Jobcenter Saarlouis organisierte Ende Juni 2026 etwa spezielle Gesundheitskurse für Langzeitleistungsbeziehende.

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Wirtschaftliche Folgen sind massiv

Die Kosten durch Fehlzeiten beliefen sich 2024 auf rund 6 Milliarden Euro – etwa 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Für Unternehmen stellen sich damit komplexe arbeitsrechtliche Fragen. Grundsätzlich bleibt eine Kündigung auch während einer Krankschreibung möglich. Voraussetzung: eine negative Gesundheitsprognose und erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen. Etwa durch Entgeltfortzahlungen von mehr als sechs Wochen pro Jahr.

Das Landesarbeitsgericht Hannover entschied (Az. 17 SLa 330/25), dass Kündigungen wegen häufiger Erkrankungen während der Pandemie unwirksam sein können. Nach Ende der Pandemie werden coronabedingte Ausfälle aber anders gewichtet. Bei mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit pro Jahr müssen Arbeitgeber ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anbieten.

Arbeitsmarkt unter Druck

Die steigenden Krankheitsausfälle treffen auf einen Arbeitsmarkt in der Konsolidierung. Im Juni 2026 waren im Saarland 38.800 Menschen arbeitslos – eine Quote von 7,3 Prozent. Die Arbeitslosigkeit sank leicht, doch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ging um rund 4.000 zurück. Das ist der stärkste Rückgang in Westdeutschland.

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Die Kräftenachfrage fiel um 14,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch: Die meisten der 7.700 offenen Stellen entfallen auf das Gesundheits- und Sozialwesen sowie das verarbeitende Gewerbe.

Die Arbeitskammer des Saarlandes legte Ende Juni 2026 einen Zukunftsplan bis 2040 vor. Hauptgeschäftsführer Thomas Otto fordert einen Paradigmenwechsel in Bildung und Arbeitsmarkt. Die Sicherung der psychischen Gesundheit der Beschäftigten wird dabei eine zentrale Rolle spielen.

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