Psychische Erkrankungen: Neue Spitzenposition bei Arbeitsausfällen
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 00:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Laut einer aktuellen Auswertung der DAK-Gesundheit für das erste Halbjahr 2026 fiel der Krankenstand von 5,4 auf 5,3 Prozent. Im Schnitt waren Beschäftigte 9,6 Tage krankgeschrieben.
Psychische Erkrankungen auf Rekordniveau
Mit einem Plus von neun Prozent sind psychische Erkrankungen inzwischen die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Auf 100 Versicherte kamen 184 Fehltage durch psychische Diagnosen. Zum Vergleich: Atemwegserkrankungen gingen um 21 Prozent zurück (175 Fehltage), Muskel-Skelett-Erkrankungen lagen bei 174 Fehltagen.
DAK-Chef Andreas Storm bewertet die Entwicklung als „besorgniserregend“. Besonders bei Langzeiterkrankungen sieht er dringenden Handlungsbedarf.
Bewegung als Gegenmittel
Kann Bewegung die Lösung sein? Wissenschaftliche Studien belegen den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und mentaler Gesundheit. Eine Untersuchung der Universität Glasgow zeigt: Langes Sitzen erhöht nicht nur das Krebsrisiko, sondern beeinträchtigt auch die Vitalität. Der DKV-Report 2023 ergab, dass Deutsche durchschnittlich neun Stunden pro Tag sitzen. Experten empfehlen, alle 30 bis 60 Minuten die Position zu wechseln.
Im Kreis Euskirchen wird das bereits umgesetzt. Dort nehmen über 50 Firmen mit rund 1.500 Mitarbeitern am Aktionsjahr „Kreis in Bewegung“ teil. Von Mai bis September sammeln Teilnehmer über eine App Punkte für Aktivitäten wie Laufen, Yoga oder Radfahren. Zur Halbzeit wurden bereits über 100.000 Stunden Bewegung dokumentiert.
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Stressprävention und geistige Fitness
Fachleute setzen bei der Stressbewältigung auf systematische Ansätze. Die sogenannte ABC-Regel hilft dabei, Auslöser zu analysieren, zu bewerten und Konsequenzen abzuleiten. Bewusste Atemtechniken, Perspektivwechsel, ausgewogene Ernährung und soziale Kontakte gelten als zentrale Faktoren.
Auch kulturelle Teilhabe rückt in den Fokus. Das Projekt „Gesundes Museum“ der Donau-Universität Krems untersucht die Wirkung von Kunstkursen und „Slow Viewing“ auf Menschen ab 60 Jahren. Studien deuten darauf hin, dass rund 45 Prozent aller Demenzerkrankungen durch Prävention vermeidbar wären.
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Politische Weichenstellungen
Die Politik reagiert auf den Wandel der Arbeitswelt. Für den 21. Juli hat das Institut der deutschen Wirtschaft eine Veranstaltungsreihe angekündigt. Themen sind der Druck auf die Sozialpartnerschaft durch KI, Strukturwandel und demografische Veränderungen.
Die Koalition plant zudem regulatorische Änderungen: eine AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag und die mögliche Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Gesundheitsministerin Warken verfolgt eine Präventionsoffensive mit Modellen zur Teilkrankschreibung. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung zeigt sich skeptisch – doch der Druck auf das System wächst.
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