Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: Neue Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 12:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychische Diagnosen verdrängen Atemwegserkrankungen als häufigste Ursache für Krankschreibungen in Deutschland.

Psychische Erkrankungen als Hauptgrund für Arbeitsunfähigkeit 2026
Ein leerer Büroarbeitsplatz mit Schreibtisch und Stuhl als Symbol für krankheitsbedingte Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Auswertungen der gesetzlichen Krankenkassen für das erste Halbjahr 2026 zeigen einen dramatischen Wandel: Psychische Diagnosen werden zum Hauptgrund für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland.

Infekte gehen zurück – Psyche wird zum Problem

Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete die DAK-Gesundheit bundesweit einen leichten Rückgang des Krankenstandes auf 5,3 Prozent – nach 5,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Hauptgrund: Atemwegserkrankungen gingen um 21 Prozent auf 175 Fehltage pro 100 Versicherte zurück.

Ganz anders sieht es bei psychischen Erkrankungen aus. Sie stiegen um 9 Prozent auf 184 Fehltage pro 100 Versicherte und sind damit die häufigste Diagnosegruppe. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer sank zwar über alle Diagnosen hinweg leicht von 9,9 auf 9,6 Tage. Doch einzelne Bundesländer melden längere Ausfälle – genau dort, wo die Psyche besonders oft betroffen ist.

Regionale Unterschiede: Wo die Belastung am höchsten ist

In Niedersachsen sank der Krankenstand geringfügig auf 5,5 Prozent. Die durchschnittliche Falldauer stieg dagegen von 9,3 auf 9,5 Tage. Psychische Erkrankungen legten um 7 Prozent zu – und waren der häufigste Grund für Krankschreibungen.

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Thüringen zeigt ein ähnliches Bild: Der Krankenstand stieg leicht auf 6,1 Prozent, psychische Diagnosen schnellten um 12 Prozent nach oben. Die Erkrankungsdauer kletterte von 9,7 auf 10,1 Tage.

Sachsen-Anhalt wies mit 6,3 Prozent einen der höchsten Krankenstände auf – trotz eines Rückgangs um 0,3 Prozentpunkte. Hier dominieren noch Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 216 Fehltagen pro 100 Beschäftigte. Doch auch dort legten psychische Leiden um 12 Prozent auf 198 Fehltage zu.

In Sachsen blieb der Krankenstand stabil bei 5,5 Prozent, psychische Diagnosen stiegen um 5 Prozent. Eine Ausnahme bildet Bremen: Der Krankenstand sank deutlich auf 5,1 Prozent, psychische Erkrankungen gingen um 19 Prozent zurück – bleiben aber die Hauptursache für Ausfälle.

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Teilkrankschreibung oder strengere Regeln?

Angesichts der hohen Fehlzeiten durch langwierige psychische Diagnosen diskutieren Fachleute und Krankenkassen über Reformen. Der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, sowie mehrere Landeschefs fordern eine Teilkrankschreibung. Das Modell erlaubt Arbeitnehmern, bei gesundheitlichen Einschränkungen stundenweise zu arbeiten – statt komplett auszufallen. Ziel: Den Knotakt zum Arbeitsplatz erhalten, besonders bei psychischen Erkrankungen.

Gleichzeitig gibt es politische Bestrebungen, die Regeln zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu verschärfen. Im Gespräch sind die Vorlage einer AU ab dem ersten Krankheitstag sowie die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung aus der Pandemiezeit. Experten und Kassenvertreter wie der thüringische DAK-Landeschef Marcus Kaiser fordern zudem eine verstärkte Präventionsoffensive – um psychische Belastungen am Arbeitsplatz frühzeitig zu erkennen.

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