Psychische Erkrankungen: Krankenstand steigt um 6,9 Prozent
30.05.2026 - 19:49:30 | boerse-global.deEine aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit zeigt: 2025 lag der durchschnittliche Krankenstand bei 5,4 Prozent. Pro Kopf fehlten Beschäftigte im Schnitt 19,5 Tage.
Besonders alarmierend: Psychische Erkrankungen legten um 6,9 Prozent zu. Mit 366 Fehltagen pro 100 Versicherten landeten sie auf Platz zwei der Krankheitsstatistik – direkt hinter Atemwegserkrankungen und noch vor Muskel-Skelett-Problemen. Am stärksten betroffen: das Gesundheitswesen mit 6,2 Prozent Krankenstand und 22,5 Ausfalltagen pro Kopf.
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Brasilien macht Ernst – Deutschland diskutiert noch
Während hierzulande über Ursachen gestritten wird, handelt Brasilien. Seit Mai 2026 gilt dort die neue Richtlinie NR-1. Sie zwingt Unternehmen, psychosoziale Risiken wie Stress, Überlastung und Belästigung systematisch zu erfassen. Der Hintergrund: 2025 kletterten die Arbeitsunfähigkeitsfälle wegen psychischer Störungen auf über 540.000 – ein Rekord.
Experten raten nun zu Führungskräftetrainings und einer präventiven Unternehmenskultur. Doch der Druck wächst von einer anderen Seite: der Digitalisierung.
Eine Studie der Boston Consulting Group unter US-Vollzeitbeschäftigten zeigt: KI-Einsatz kann zu spezifischer mentaler Erschöpfung führen. 14 Prozent der Befragten litten unter Symptomen wie Unruhe und Konzentrationsproblemen. Die Folge: Betroffene wollen 40 Prozent häufiger kündigen.
Chefs in der Beschleunigungsfalle
Die Krise trifft nicht nur Angestellte. Der Gallup-Engagement-Index offenbart: Die emotionale Bindung von Führungskräften an ihren Arbeitgeber ist seit 2020 eingebrochen. Nur noch 12 Prozent spüren eine starke Bindung. Rund 30 Prozent suchen aktiv nach einem neuen Job.
Wissenschaftler sprechen von einer „Beschleunigungsfalle“: Unternehmen verheizen Ressourcen, ohne Regenerationsphasen einzuplanen. Der DGB-Index Gute Arbeit untermauert das Bild. In einer Umfrage von Januar bis Mai 2025 gaben 40 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer an, sich oft oder sehr oft ausgebrannt zu fühlen.
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Streit um Arbeitszeitmodelle
Die Reaktionen auf die Krise könnten unterschiedlicher kaum sein. Eine Forsa-Umfrage von Mitte Mai 2026 zeigt: 57 Prozent der Deutschen wollen den starren Acht-Stunden-Tag abschaffen – zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Besonders Anhänger von Union und SPD sind dafür. Gewerkschaftsmitglieder und Ostdeutsche bleiben skeptisch.
Der DGB warnt vor einer weiteren Entgrenzung der Arbeit. 53 Prozent der Beschäftigten wünschen sich kürzere Arbeitszeiten – bei Vätern sind es sogar 63 Prozent.
Die Politik reagiert zögerlich. Für Juni 2026 ist ein Gesetzentwurf zur Arbeitszeiterfassung angekündigt. Damit soll die vom Bundesarbeitsgericht 2022 festgestellte Pflicht zur systematischen Erfassung konkretisiert werden. Wirtschaftsvertreter fordern mehr Flexibilisierung für Bürojobs. Krankenkassen drängen auf einen Gipfel im Kanzleramt – und schlagen neue Modelle wie eine Teilkrankschreibung vor.
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