Psychische Erkrankungen: Jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche betroffen
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wenn Eltern unter einer schweren psychischen Erkrankung oder einer Sucht leiden, geraten Familien oft in erhebliche Belastungssituationen. Die Auswirkungen auf Heranwachsende sind tiefgreifend, da familiäre Krisen den Alltag und die seelische Entwicklung der Kinder unmittelbar beeinflussen.
Um betroffene Familien aufzufangen, setzen regionale Initiativen und Facheinrichtungen auf niedrigschwellige Beratungsangebote, spezialisierte Anlaufstellen und präventive Hilfen.
Regionale Anlaufstellen für belastete Familien
In Regionen wie Dahme-Spreewald greifen regionale Hilfsangebote ein, um Kinder zu unterstützen, die unter suchtkranken und psychisch belasteten Eltern leiden. Auch überregionale Daten des Bundesfamilienministeriums verdeutlichen den Bedarf: Demnach ist etwa jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen.
In Niederösterreich ergänzt die Psychosoziale Zentren gGmbH die Versorgungslandschaft mit dem ersten Psychosozialen Dienst für Kinder und Jugendliche am Bahnhof Tullnerfeld in Pixendorf, der vor einem Monat geöffnet hat. Die Einrichtung richtet sich an 0- bis 18-Jährige mit behandlungsbedürftiger psychischer Erkrankung und komplexem Unterstützungsbedarf.
Kinder werden gemeinsam mit ihren Eltern vorstellig, während Jugendliche die kostenfreie Beratung auch vertraulich und anonym nutzen können. Das multiprofessionelle Team umfasst Fachkräfte aus Kinder- und Jugendpsychiatrie, klinischer Psychologie, Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Ergotherapie und Musiktherapie.
Für den Zeitraum von Herbst 2026 bis Ende 2028 stehen laut Sozial-Landesrätin Teschl-Hofmeister maximal 4 Millionen Euro zur Verfügung, gefördert durch das Land Niederösterreich sowie die Träger ÖGK, BVAEB und SVS.
Früherkennung und Schulung im sozialen Umfeld
Neben direkten Behandlungsangeboten gewinnt die Prävention im täglichen Umfeld an Bedeutung. Das Sozialunternehmen Tomoni Mental Health schult Erwachsene darin, Anzeichen psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig wahrzunehmen.
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Eine Erhebung bei Eintracht Frankfurt verdeutlichte den Handlungsbedarf: Mehr als die Hälfte von 90 befragten Trainerinnen und Trainern gab an, bereits mit seelischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen konfrontiert gewesen zu sein.
Bis Ende Juni 2026 nahmen 4.800 Personen insgesamt 17.500-mal an den spenden- und stiftungsfinanzierten Schulungen des Unternehmens teil, wodurch das Umfeld von rund 270.000 Heranwachsenden erreicht werden konnte.
Für akute Notsituationen existieren zudem spezialisierte Hilfen wie der bereits 1999 gegründete Berliner Krisendienst. An neun Standorten stehen dort ganzjährig kostenlose Beratungen durch Teams aus Festangestellten und Honorarkräften bereit, die unter anderem Fachwissen aus Psychologie, Psychotherapie, Kinder- und Jugendhilfe sowie Drogenhilfe bündeln.
Entwicklungen bei medikamentösen Behandlungen
Die psychische Belastung von Jugendlichen spiegelt sich auch in Auswertungen der KKH Kaufmännische Krankenkasse wider. Bei den 6- bis 18-Jährigen stieg der Anteil mit Verordnungen von Psychopharmaka zwischen 2014 und 2024 um rund 18 Prozent; etwa 3 von 100 Heranwachsenden dieser Altersgruppe erhielten entsprechende Präparate.
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Gleichzeitig zeigt die Auswertung eine Beruhigung im Vergleich zu den Vorjahren: Im Jahr 2021 lag der Anteil noch gut 34 Prozent höher als 2024. Da nur wenige dieser Medikamente für Kinder zugelassen sind, erfolgen Verschreibungen teils im Off-Label-Bereich, was Risiken wie Stoffwechselveränderungen oder emotionale Schwankungen birgt.
Ergänzend zu medizinischen und therapeutischen Netzwerken stärken lokale Akteure das soziale Auffangnetz für Familien. Im Kreis Olpe startete der Caritasverband Südwestfalen das Projekt StafFa zur individuellen Begleitung armutsgefährdeter Familien. Zudem richtet die Kärntner AVS-Drogenambulanz ein spezielles Begleitprogramm für suchtmittelkonsumierende Schwangere und ihre Kinder ein, um frühe Hilfen direkt nach der Geburt sicherzustellen.
